… über das Scheitern, Versagensängste und das rosarote Blogger Life

“Ich muss euch was sagen!” So begann der Blogpost der letzten Woche von Blogger Masha Sedgwick. Sie schrieb ganz offen über Versagensängste, Überforderung und dem Scheitern. Was sie erntete: Mitgefühl und gleichzeitig einen großen Shitstorm. Doch obwohl wir in einer sehr aufgeklärten Gesellschaft leben, wo Burn Out und Depression fast schon leider an der Tagesordnung stehen, werden Menschen immer noch angegriffen, wenn sie in einer Krise stecken und dies offen kundtun …

 

“Ich bin gescheitert …!”

Masha Sedgwick ist eine der bekanntesten Blogger in Deutschland, die über Mode und Lifestyle sehr erfolgreich berichtet. Sie ist auch eine meiner Lieblingsblogger, da ich ihren Schreibstil und die Aufarbeitung ihrer Themen sehr gerne mag. Dazu ist sie auch eine der wenigen Blogger, die einem nicht nur die Welt durch eine rosarote Brille zeigen. Sie legt sehr viel Wert auf Authentizität und dazu gehört auch über Dinge zu sprechen, die vielleicht nicht so recht in diese bunte Blogger-Welt passen. Dabei bleibt sie aber immer ihrem Stil treu und verzaubert ihre LeserInnen mit absolut tollen und ästhetischen Bildern. Und trotzdem blieb mir kurz der Atem weg, als ich die Headline ihres neuen Blogposts letzte Woche las: “Ich muss euch was sagen … Ich bin gescheitert!” Was war denn da passiert? Ich klickte auf den Blogpost und es prasselte ein Haufen ehrlicher Worte auf mich ein – ehrlich und ungeschönt, die Dinge beim Namen genannt – typisch Masha eben! Sie ließ quasi die Hosen runter und sprach ganz offen über Versagensängste aufgrund ihrer Selbstständigkeit als Blogger, aber auch darüber, was gerade in ihrem beruflichen Leben so schief ging: die Homepage bzw. die Inhalte darauf seien “verworren” und haben keine Struktur mehr, sie trennte sich von ihrer Agentur, die Mails und To Do’s werden immer mehr und auch das Chaos wächst. Überdies sei sie mit ihrem Synonym “Masha Sedgwick” nicht mehr zufrieden, da es damals daraus entstanden war, dass sie nicht groß am Radar auftauchen wollte. Tja, als selbstständiger und hauptberuflicher Blogger passt dies so nicht mehr.

“Jetzt stell dich mal nicht so an!”, “Deine Probleme möchte ich mal haben!” oder “Glaub mir, anderen geht es viel schlechter als dir!” waren einige Reaktionen auf den Post und auf ihre ehrlichen Worte. Per Instastories ließ Masha ihren Frust raus und versuchte sich zu erklären. Ich selbst verstand die Welt nicht mehr: Warum dürfen Blogger keine Versagensängste, Überforderung oder gar Ansätze von Burn Out verspüren? Da wären wir wiederum beim völlig verqueren Bild des Berufs “Blogger”! Viele sehen tolle Reisen, viele Geschenke und eine schöne Zeit mit mehr oder weniger prominenten Personen. So ein privilegiertes Dasein kann doch nicht zu Überforderung führen? Doch kann es! Wenn man nämlich bedenkt, dass dies teils des Jobs ist! Die gesponserte Reise ist kein Urlaub, wo im Hintergrund nicht irgendwelche Verpflichtungen laufen. Die teuren Geschenke sind nicht einfach nur tolle Überraschungen, über die man sich freut und gut ist es. Auch damit gehen gewisse Verpflichtungen einher, denn meistens steht dahinter eine Kooperation. Dies bedeutet wiederum, dass sich der Blogger Gedanken machen bzw. ein Konzept überlegen muss, wie sie/er das Produkt so gut in Szene setzt, dass es einerseits zur Marke passt, andererseits auch zum Blogger selbst.

 

Was steckt hinter der rosaroten Blogger Welt? Harte Arbeit!

Als Selbstständiger und hauptberuflicher Blogger bedeutet dies auch gleichzeitig genau damit den Lebensunterhalt zu verdienen. Jede Kooperation, jedes Handeln, jedes Tun muss gut überlegt sein, da die Authentizität nicht darunter leiden darf – die Fans verzeihen einem dies nicht so schnell. Anderseits sind Kooperationen auch im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig, denn keine Kooperation bedeutet kein Einkommen. Für Vollzeit-Blogger heißt dies etwa 80 Stunden pro Woche zu arbeiten, sich dabei aber weiterzuentwickeln und gleichzeitig auch zu investieren und zu wachsen. Gutes Equipment ist heutzutage ein Muss! Da es bereits so viel Konkurrenz am Markt gibt, muss man aus dieser Masse unbedingt herausstechen. Dazu gehören – speziell als Fashion-Blogger – professionelle Fotos einfach zur “Grundausstattung” dazu. Eine gute Kooperation mit Firmen “auszuhandeln” sieht im Endergebnis auch einfacher aus, als dies in Wahrheit ist. Viele Unternehmen sind es immer noch nicht gewohnt mit Blogger zu arbeiten. Da klaffen die Vorstellungen manchmal sehr auseinander. Die schönen Bilder erstellen sich nicht von selbst, auch der Blogpost steht nicht auf einmal so da und die Vermarktung dessen auf den sozialen Medien passiert auch nicht von ganz alleine. Da steckt viel Zeit dahinter, viel Organisation und nicht zuletzt viel Leidenschaft.

Ich hoffe, das nun auch bei wirklich jedem/jeder angekommen ist, dass hinter diesem tollen rosaroten Blogger Life viel Arbeit, viel Herzblut und oft auch ein riesiges Team dahintersteckt. Man trägt als selbstständiger Blogger eine große Verantwortung, wie auch jede Person die selbstständig arbeitet. Der wichtigste Unterschied besteht nur darin, dass man nicht ein Produkt oder das eigene Wissen etc. vermarktet, sondern im Endeffekt sich als Person selbst. Man steht so unter Beobachtung, dass oft nicht das eigene Wissen, die eigenen Vorstellungen etc. im Vordergrund stehen, sondern Verhalten und Aussehen. Wenn dann noch privat die eine oder andere belastende Sache dazukommt, dann ist es doch nicht verwunderlich, wenn man mit Selbstzweifel und Versagensängste zu kämpfen hat. Jeder Mensch hat schon mal eine oder mehrere Krisen hinter sich bzw. haben wir diese mit Sicherheit auch noch vor uns. Diese sind menschlich und gehören zum Leben dazu. Sie bringen uns dazu neue Sichtweisen einzunehmen und an ihnen zu wachsen. Niemand kann in das Leben der anderen hineinschauen, und deshalb hat auch niemand das Recht über andere und deren Verfassung zu urteilen. Dass mentale Krankheiten zunehmen, die bis zur absoluten Arbeitsunfähigkeit und sogar zum Suizid führen können, sollte auch bereits jedem/jeder bekannt sein. Deshalb ist es nur verwunderlich und äußerst verwerflich, dass man jemanden der so offen und ehrlich über diese Ängste und Krisen spricht bzw. schreibt, mit so einem Shitstorm begegnet!

 

Wo bleibt denn hier der Zusammenhalt unter Frauen? Nehmt euch die feministischen Sprüche auf euren teuren Shirts mal zu Herzen und fangt endlich an diese zu leben!

**Ani**

2 Comments

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trixireply
March 19 at 08:03 AM

Was für ein toller Artikel, liebe Ani! Ich hatte genau die gleichen Gedanken, als ich die Kommentare unter Mashas Blogpost sah!:( Bezüglich der Akteptanz des Berufs Blogger hat sich zwar schon viel getan, aber leider steht auch noch ein langer weg bevor…. ich bin gespannt, wie sich das alles entwickeln wird!
Alles Liebe,
Trixi

Anireply
March 20 at 07:03 PM
– In reply to: trixi

Danke Trixi! Sehe ich auch so.. da gibts noch sehr viel zu tun in Richtung Akzeptanz und Wertschätzung der Arbeit. Wichtig ist, dass wir versuchen diese Veränderung aktiv mitzugestalten und uns nicht mit unserer Meinung zurückhalten. Bussi

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