Der Sprung in der gläsernen Decke …

Liebe Männer, aufgepasst! Die (Arbeits)Welt ist in Veränderung, was bedeutet, dass sich neue Chancen für uns Frauen auftun. Fixe Strukturen können nun aufgebrochen, starre Männerbündnisse zerschlagen werden. Nach unzähligen Versuchen in der Vergangenheit, die jedoch erfolglos blieben (ich erinnere an die Frauenquote), sind wir gerade in einem riesigen Veränderungsprozess, der zudem nicht einmal von Frauen initiiert wurde, aber große Chancen für uns birgt: Ich spreche hier von der Digitalisierung!

 

Die Veränderung ist zu einer Konstante geworden, die nicht aufzuhalten ist

Ich selbst bin ja kein Fan von dem Ausdruck “die großen GewinnerInnen von xx sind xx bzw. die großen VerliererInnen von xx sind xx …”, denn diese plakative Vorstellung von GewinnerInnen und VerliererInnen einer gewissen Sache gibt es ja kaum so in der Realität. Klar gibt es immer Personen oder Gruppen, die von einer Maßnahme, Veränderung etc. profitieren und wiederum andere, für die sich gewisse Dinge verschlechtern. Keine/r gewinnt oder verliert aber gänzlich. Ich selbst mag Veränderungen, obwohl ich ganz tief im Herzen ein Mensch bin, der nach Stabilität sucht und der mit zu viel Veränderung nicht so gut klarkommt. Doch ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass die Veränderung zu einer Konstante geworden ist, die man nicht aufhalten kann. Mal fällt eine Veränderung größer aus, mal kleiner, doch sie ist sozusagen immer an unserer Seite. Weiters habe ich auch gelernt, dass sie viele Chancen in sich birgt und das obwohl es einige Menschen in meinem Arbeitsumfeld gibt, die Veränderungen immer noch als etwas Böses ansehen, was meist viel Negatives mit sich bringt, à la “Früher war ja alles besser …” Dies ist übrigens eine Phrase, die ich schon lange nicht mehr hören kann. Klar, ich erinnere mich auch gerne an frühere Zeiten zurück und ja, auch ich vermisse diese manchmal, doch warum um etwas trauern, was es so mit Sicherheit nicht mehr geben wird? Darüber hinaus trickst uns unser Gehirn diesbezüglich ganz hinterhältig aus, denn denkt man an Vergangenes, so holen uns meist nur die schönen Erinnerungen ein. So kommen wir zu dem Schluss, dass es früher doch viel besser war, da wir die negativen Erfahrungen verdrängt oder in einem anderen Teil abgespeichert haben, auf diesen wir anscheinend nicht mehr zugreifen (wollen).

 

Was verändert sich durch die zunehmende Digitalisierung?

Eine sehr große Veränderung, die wir gerade durchmachen, wurde durch die sogenannte “Digitalisierung” angestoßen. Ein großes Wort mit vielfältiger Bedeutung, denn fragt man 10 Personen nach einer Definition, so erhält man 10 verschiedene Antworten darauf. Fakt ist jedoch, dass sich aufgrund dessen viele Strukturen und Prozesse ändern, die recht festgefahren scheinen. Doch nicht nur das! Digitalisierung bedeutet nämlich nicht nur, dass man nun neue IT-Systeme oder Ähnliches einsetzt und damit effizienter wird. Nein! Speziell in der Zusammenarbeit, also auf der menschlichen Ebene, verändert sich dadurch einiges. Jene Qualifikationen, welche man als ArbeitnehmerIn mitbringen muss, verändern sich fast grundlegend. Denn neben fachlichen Skills, sind vor allem die sogenannten “Soft Skills” sehr gefragt. Nehmen uns künftig Maschinen einen Teil unserer Arbeit ab, wird unser Umfeld also mechanischer, so braucht es auf der Seite der zwischenmenschlichen Beziehungen sehr viel Potential und Können. Weiters brechen, wie beschrieben, die starren Strukturen auf. Dies meint, dass unsere Arbeitswelt weg von Hierarchien, sich hin zu einer Welt des vernetzten Arbeitens entwickelt. Auch hier sind soziale Fähigkeiten unumgänglich, da diese Art des Arbeitens unseren Arbeitsalltag prägen wird bzw. schon jetzt prägt. Ganz stark wird dieser Wandel in der Führungstätigkeit spürbar, denn Führungskräfte werden zunehmend stärker auf ihr Team angewiesen sein. Themen die diesbezüglich künftig noch mehr an Wichtigkeit gewinnen werden, sind meiner Meinung nach unter anderem “Motivation”, “Teamzusammenhalt” und “MitarbeiterInnenbindung”. Diese werden schließlich über den Erfolg oder Misserfolg einer Führungskraft, einer Abteilung oder eines gesamten Unternehmens entscheiden und lassen sich ausschließlich mit einer hohen sozialen Kompetenz bewältigen.

 

“… and it’s only a crack in this Castle of Glass!”

Als Soziologin vermeide ich es in Stereotypen zu denken bzw. diese irgendwo plakativ zu beschreiben. Das Zuschreiben von gewissen Eigenschaften zu dem einen oder anderen Geschlecht gehört hier jedenfalls dazu, weshalb ich folgenden Satz nun vorsichtig, aber doch direkt formulieren möchte: Die Digitalisierung birgt viele neue Chancen für Frauen in der Arbeitswelt neue Rollen einzunehmen und ihr volles Potential endlich entfalten zu können. Ich meine damit, dass wir diese “Unruhe”, diesen Umbruch nutzen müssen, um unsere Stärken auszuspielen und uns neu zu positionieren. All diese Veränderungen, die ich im letzten Absatz beschrieben hatte, spielen uns sozusagen in die Hände, da wir mit diesen Zuschreibungen bereits jahrzehntelang zu kämpfen haben. Wir sind zu soft für die Arbeitswelt? Zu emotional Entscheidungen zu treffen? Zu schwach um ein Team zum Erfolg zu führen? Genau diese Strukturen brechen gerade auf, ein Wertewandel ist die Folge, der uns nicht mehr dazu drängt einen gewissen Habitus einzunehmen, nur weil eine Gesellschaft meint, dies würde der Definition von “erfolgreich” entsprechen. “… and it’s only a crack, in this Castle of Glass!”, doch es ist ein Sprung, ein kleiner Riss, der sich durch die gesamte gläserne Decke zieht. Eine Chance, die uns durch eine zunehmende digitale Welt eröffnet wurde. Flexibilität, Multi-Tasking, Empathie und auch Zielstrebigkeit – alles Fähigkeiten, die wir bereits seit Jahren unter Beweis stellen, aber nie so richtig gewürdigt wurden. Jetzt werden genau diese zu den Key Qualifikationen, die man für eine erfolgreiche Karriere benötigt. Keine Frauenquote hätte dies je geschafft, da diese ja nur aus dem Grund geschaffen wurde, Frauen einen Weg zu eröffnen, der für die meisten gar nicht attraktiv war. Wer möchte auch schon Platz inmitten von alten weißen Männern nehmen, die auf ihrer Führungsebene intrigante Spielchen spielen, die niemanden einen Mehrwert bieten, außer ihnen selbst?!

 

Es liegt an uns diese Chance zu nutzen und endlich die berühmte “gläserne Decke” zu durchstoßen und zu zerschmettern – damit wir schlussendlich auch diesen nervigen Begriff begraben können!

 

**Ani**

 

Ich freue mich, mit diesem Beitrag zur Blogparade #permanentbeta, initiiert durch Zukunft Personal, beizutragen <3

2 Comments

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Dagmarreply
August 28 at 12:08 PM

Oh, das gefällt mir! Ich ärgere mich schon lange mit dem Habitus-Thema herum und bin um jede Situation froh, in der es aufbricht. Ich denke, datengestütztes Entscheiden ist dafür sehr hilfreich.

Anireply
September 01 at 03:09 PM
– In reply to: Dagmar

Diese Chance sollten wir nur mehr nutzen … 🙂

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