Besser fix als fertig! – Meine Learnings von Neurobiologe Bernd Hufnagl

Letzte Woche konnte ich Bernd Hufnagl bereits zum zweiten Mal live sehen und zwar im Rahmen der XING New Work Sessions, zu denen ich eingeladen wurde. Bereits beim ersten Mal hatte er mich beeindruckt, denn er brachte alle Herausforderungen der Neuen Arbeitswelt bzw. des Neuen Arbeitens zum einen aus einer anderen Perspektive, nämlich jener eines Neurobiologen. Andererseits aber sprach er die Themen recht konkret und direkt an und zeigte zudem auf, welche Parameter es in Zukunft zu beachten gilt und auch auf welche Verhaltensweisen wir achten müssen. Meine Learnings aus seinen Vorträgen habe ich nun zusammengefasst ….

 

Was meint die Hirnforschung zu Arbeit 4.0?

Bernd Hufnagl ist Neurobiologe, Hirnforscher und Verhaltensbiologe. Er arbeitet in einem kleinen Büro im 7. Wiener Gemeindebezirk. Was so besonders an ihm ist, dass ihm sogar ein ganzer Blogbeitrag gewidmet wird? Er beleuchtet die Themen “Arbeitswelt 4.0”, “12-Stunden-Tag” und “flexibles Arbeiten” aus seiner Perspektive. Was passiert mit uns, wenn wir diesen Rahmenbedingungen unterliegen? Weiter coacht er das oberste Management sowie Führungskräfte aller Ebenen und plaudert auch hier gerne aus dem Nähkästchen: Was sind die Themen, mit denen das Management wirklich zu kämpfen haben? Kann Geld so wirklich alles aufwiegen und rechtfertigen? Sein Vortrag letzte Woche hat mich sofort gefesselt, denn er redet nicht “um den heißen Brei” herum, sondern spricht die Themen da an, wo sie auch weh tun. Er hält uns selbst und unsere Verhaltensweisen direkt vor Augen, aber auch die Mythen, die wir zu glauben scheinen – wie zum Beispiel jene der maximalen Flexibilität, die uns ja bereits seit Jahren vorgegaukelt wird. Kurz gesagt, ich könnte ihm stundenlang zuhören und hätte immer noch so wenig gehört. Am liebsten hätte ich mir ja jedes einzelne Wort des Vortrages gerne eingebrannt, jedoch sprudelte er vor spannenden Themen, sodass ich mir leider nur das notwendigste mitnehmen konnte. Meine Learnings habe ich aber gezogen und möchte sie euch hiermit weitergeben – falls ihr aber die Möglichkeit habt, ihn live zu erleben, dann kann ich es euch nur ans Herz legen, zu seinen Vorträgen zu gehen.

 

Wir müssen das Tagträumen wieder erlernen!

Es gibt eine Sache, die wir im Laufe unserer Lebensjahre verlernt haben: Das Tagträumen! Doch warum ist es so wichtig? Laut Bernd Hufnagl geht es hier sehr viel um Achtsamkeit, um das “ganz bei uns sein”. In unserer digitalen und flexiblen Welt, werden wir tagtäglich darauf getrimmt, 100 Dinge gleichzeitig zu erledigen. Wir haben sogar schon verlernt, unserem Gegenüber aufmerksam zuzuhören, da wir im Gespräch bereits an die nächste Aufgabe denken, die wir noch zu erledigen haben. Dies kann sogar dazu führen, dass wir eine sehr wichtige Eigenschaft verlieren, nämlich unsere Empathie. Durch diese stetige Überforderungen, die wir tagtäglich versuchen zu bewältigen, haben wir bereits überhaupt keine Zeit mehr, uns in unsere Mitmenschen hinein zu versetzen, weshalb wir dadurch langsam aber doch, verlernen empathisch zu sein (wenn wir es denn vorher waren). Das Tagträumen hilft uns, auf unser Leben zu blicken und reflektieren zu können – deshalb ist es auch wichtig, sich dafür ganz bewusst Auszeiten zu nehmen und über das Vergangene nachzudenken.

 

Multitasking ist das Gift der neuen Arbeitswelt

Wie schon vorhin erwähnt, werden wir tagtäglich vor die Herausforderung gestellt, 100 Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen. Der Druck in der Arbeitswelt steigt, die anscheinende Flexibilisierung auch und der wachsende Informationsgehalt, der minütlich auf uns einprasselt muss auch einmal bewältigt werden. Bernd Hufnagl spricht sogar davon, dass er Manager kennt, die schon gar nicht mehr ruhig sitzen, schlafen oder sprechen können, da sie fast 24 Stunden unter Strom stehen. Die scheinbare Erreichbarkeit, die von manchen Unternehmen bereits 24/7 eingefordert wird, erschwert es uns maßgeblich, uns nacheinander auf gewisse Aufgaben zu konzentrieren. Ich kenn dies bereits von mir selbst: Oft ertappe ich mich, dass ich gar nicht mehr die Geduld habe, ein Buch oder einen Artikel bis zum Ende zu lesen – ich habe doch keine Zeit! Laut Hufnagl ist dies wie folgt erklärbar: Unser Gehirn lernt verschiedene Verhaltensweisen, weshalb sich daraus 2 Folgen ergeben: Erstens wird uns langweilig, wenn wir nur 1 Sache tun, und zweitens – die viel schlimmere Konsequenz ist, dass wir bei einer hohen Arbeitsleistung im Gehirn das Belohnungshormon Dopamin produziert wird. Haben wir aber nun durch die vielen Aufgaben das Gefühl mit der Arbeit nie fertig zu werden, dann bleibt auch die Belohnung aus. Unsere Hintertür um dies zu umgehen, sind dann exzessive Shoppingtrips, überhöhter Medienkonsum oder Ablenkung, damit wir uns wenigstens ein wenig besser fühlen. Deshalb kann das Rasenmähen oft für uns so befriedigend sein, denn wir sehen sofort den Output – aus lang wird kurz und das in ein paar Sekunden. Dopamin wird somit freigesetzt und wir fühlen uns gut nach getaner Arbeit!

 

Im Urlaub zählt die Erholung, im Krankenstand das Gesundwerden!

Es ist ja bisher weit verbreitet, dass manche Menschen im Urlaub ihre beruflichen Mails checken und auch vom Bett aus versuchen, die eine oder andere Aufgabe zu erledigen. Es ist aber ein Irrglaube, dass dies nur Führungskräfte tun (müssen), da die ja dafür dementsprechend entlohnt werden, 24/7 erreichbar zu sein. Studien zeigen laut Hufnagl, dass je weiter unten in der Hierarchie, desto häufiger glauben ArbeitnehmerInnen in der Freizeit arbeiten zu müssen. Woher stammt dies? Es ist auf das Bindungs-, Beziehungs- und Liebeshormon Oxytocin zurückzuführen, denn wir wollen ja geliebt werden und somit vom Chef ein Lob kassieren, auf Facebook ein Like und von den KollegInnen ein Lächeln. Diese Logik besteht bereits seit 150 Millionen Jahren, neu ist aber, dass wir uns dieses Hormon ganz einfach in der digitalen Welt holen können. Wir wollen geliebt, beachtet, einfach wahrgenommen werden – geschieht dies, so fühlen wir uns gut und bestätigt. Genau dieses Gefühl, welches wir uns über die sozialen Netzwerke holen können.

 

Wie schon vorhin erwähnt, solltet ihr einmal die Möglichkeit haben, Bernd Hufnagl live erleben zu können, nutzt die Zeit und geht zu seinem Vortrag. Falls ihr aber bereits jetzt mehr über seine Theorien, Thesen und Meinungen erfahren möchtet, dann kann ich euch nur sein Buch “Besser Fix als Fertig: Hirngerecht arbeiten in der Welt des Multitasking” ans Herz legen. *unbeauftragte Werbung

 

**Ani**

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