Work-Life-Balance oder Work-Life-Stress?

Ist das Konzept der Work-Life-Balance noch aktuell oder schon wieder veraltet? Was steckt überhaupt hinter den Begriffen und ist es eigentlich lebbar und zeitgemäß?

INSTAGRAM, FACEBOOK, PINTEREST – wo auch immer man hinsieht, es wird einem das perfekte Leben vors Auge gehalten und damit assoziiert, dass dieses Ideal jenes ist, was es zu erreichen gilt: der perfekte Job, die perfekte Familie, die perfekte Freizeitplanung, die natürlich fast ausschließlich aus Sport und Fitness besteht, da es ja gilt, das perfekte Körpermaß zu erreichen, etc. Dies setzt uns einerseits sehr unter Druck, andererseits gilt es zu überdenken: Können wir diesen Zustand überhaupt erreichen und wenn nein, warum streben wir trotzdem danach?

Das Konzept der Work-Life-Balance entstand im 20. & 21. Jahrhundert in Europa, um damit Rahmenbedingungen schaffen zu können, dass Eltern (im speziellen Mütter) der Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert wird. Um sozusagen das Arbeitsleben (work) mit dem Familienleben (life) besser in Einklang (balance) bringen zu können. Ich finde dies einen gut gewollten und sehr positiven Ansatz, um vorrangig an die Thematik heranzugehen und erste Maßnahmen daraus ableiten zu können. Doch nun sind ein paar Jährchen vergangen, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen haben sich verändert und auch Konzepte müssen sich weiterentwickeln.

Speziell in der heutigen Zeit halte ich es nicht für sinnvoll, das sogenannte „Arbeitsleben“ vom „Rest des Lebens“ trennen zu wollen (sogar zu müssen), um stressfreier Leben zu können. Wie soll eine Balance von Arbeit und dem Rest funktionieren, wenn doch beides gleichwertige Komponenten des Lebens darstellen, die eigentlich nicht trennbar sind? Es kann also nur schiefgehen und was ist die Folge daraus: Unzufriedenheit und in weiterer Folge noch mehr Stress.

Eine Kollegin inspirierte mich zu diesem Beitrag, als ich mit ihr über die Work-Life-Balance Thematik sprach: Aufgrund ihres hohen Arbeitsaufkommens, nahm sie sich vor, ihr Firmenhandy ab 19 Uhr auszuschalten und am Wochenende nur in einem begrenzten Zeitrahmen ihre beruflichen Mails zu checken (ganz nach dem Prinzip der Work-Life-Balance). Doch in dem sie sich diese Regeln auferlegte, setzte sie sich unbewusst wiederum unter Druck, diese Zeiten wiederum einzuhalten – ein Teufelskreis also, der nichts mehr mit Balance oder ähnlichem zu tun hat. Was tat sie? Sie strich alle Regeln und integrierte die Arbeit ganz intuitiv in ihr Leben: sie las ihre Mails am Wochenende wenn gerade Zeit war (und nicht in der Zeit von 14:00 – 17:00), telefonierte auch mal nach 18 Uhr – wenn es denn sein musste etc. Und siehe da, der zusätzliche Stress war weg.

Was mich weiters an dem Konzept der Work-Life-Balance stört, ist der Umstand, dass dadurch 2 Welten und Wertesysteme entstehen, die verschieden konnotiert werden – soll heißen: Work is bad – Life is Good; und es gilt nun das „Schlechte“ irgendwie in das „Gute“ zu integrieren, was nicht wirklich zufriedenstellend und zielführend sein kann. Meistens ist das empfinden so, dass die Arbeit (die eben sein muss, um Geld zu verdienen etc.) irgendwie „durchgedrückt“ oder „runtergebogen“ werden muss, um endlich das weitere Leben, das Spaß und Freude bereitet, in Ruhe genießen zu können. Dies bewirkt wiederum zusätzlichen Stress und noch mehr Unzufriedenheit. Und dies führt das gesamte Konzept wiederum ad absurdum!

Deshalb mein Tipp: Die Arbeitswelt in unser Leben zu verinnerlichen und als einen (gleichwertigen) Teil des Ganzen zu sehen, der genauso ausgewogen sein sollte, wie die Familie, Gesundheit, Freunde, Hobbys usw. Schlussendlich ist es ein subjektives Empfinden, wo jeder Mensch selbst entscheiden muss, wie es umgesetzt und gelebt werden soll.

So: „Let’s live the work-life-integration instead!“

**Ani**

4 thoughts on “Work-Life-Balance oder Work-Life-Stress?

  1. Toller Beitrag!
    Ich glaube auch, dass man Arbeit nicht nur als schlecht ansehen sollte. Wenn man das tut, hat man mit großer Wahrscheinlichkeit den falschen Job. Schließlich verbringt man nunmal einen Großteil seiner Zeit auf Arbeit – das kann auch durch ein bisschen „Life“ am Abend nicht wieder ausgeglichen werden.

    Liebste Grüße ♥ Mai
    http://www.sparkleandsand.com

  2. Interessanter Beitrag, den ich jedoch mit gemischten Gefühlen sehe. Wenn ich bedenke, dass ich meinen aktuellen Fulltime-Job als einen Teil meines Lebens ansehen soll, dann schüttelts mich…will ich nicht. So gar nicht!
    Denke ich jedoch an meine nebenberufliche Selbständigkeit, dann finde ich es abolut toll und mag da diesen fließenden Übergang.
    Ich denke es kommt einfach immer ein wenig darauf an, wie sehr man seinen Job mag 😉

    LG

    1. Danke für dein Feedback! Dein FulltimeJob gehört jedoch auch zu deinem Leben, obwohl er dir anscheinend nicht so viel Spaß macht, wie deine nebenberufliche Selbstständigkeit. Doch beide Tätigkeiten gehören dazu, gehören zu dir, sind ein Teil deines Lebens (nur verschieden bewertet). Somit glaube ich, ist der erste Schritt zu einem weniger stressigen Leben, dies einfach anzuerkennen. Den Fokus kannst du ja dann verstärkt auf die Nebentätigkeit legen. Aber sicher: Wir sind Individuen und jede/r muss selbst entscheiden, wie es für sie/ihn passt 🙂
      Alles Liebe,
      Ani

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