Women and the Gap

Heute ist internationaler Frauentag. Schon wieder ein Tag, an dem Frauen in den Himmel gelobt werden und auf sich aufmerksam machen müssen? Ja genau!

Der internationale Frauentag oder auch Weltfrauentag entstand in der Zeit um den 1. Weltkrieg, um Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung zu erkämpfen, nämlich hinsichtlich des Wahlrechts für Frauen oder auch der Emanzipation von Arbeiterinnen. Vielen Dinge, die wir gegenwärtig für „normal“ halten und voraussetzen waren leider nicht immer so. Dafür wurden viele Kämpfe ausgefochten. Ein gutes Beispiel ist das Wahlrecht: Für uns ist es klar, dass hier Männer und Frauen gleichgestellt sind und beide eine gleichwertige Stimme abgeben. In Österreich gibt es das Wahlrecht für Frauen jedoch erst seit 1918, was erstens noch gar nicht so lange her ist und zweitens erst 11 lange Jahre nach jenem der Männer durchgesetzt werden konnte. Doch wir in Österreich sind im Vergleich zu anderen Ländern gar nicht so spät dran gewesen: Noch später erhielten Frauen das Wahlrecht in Großbritannien (1928), Frankreich (1945), Schweiz (1971, als letztes europäisches Land) und Saudi Arabien (Dezember 2015). Also ihr seht, keine Selbstverständlichkeit!

Und der Kampf um die Gleichstellung der Frauen geht weiter und muss auch weiter gehen. Viele Freundinnen in meinem Umfeld und Freundeskreis wehren sich gegen dieses Thema, meinen, dass die Gleichstellung derzeit „eh passt“ und viel Wirbel um nichts gemacht wird. Warum muss es Tage, Veranstaltungen, Initiativen etc. geben, um Frauen so „hochzuheben“ – das ist doch keine Gleichstellung, sondern geht schon in Richtung Bevorzugung gegenüber Männern. Warum gibt es denn dann keinen Weltmännertag? Ich sag euch: Weil jeder Tag Weltmännertag ist!

Blickt man hier ein paar Jahre bzw. Jahrzehnte in der Geschichte zurück und sieht man sich die Anfänge unserer Gesellschaft an, wird einem bewusst, dass alle Dinge, die bis dato in unserer Gesellschaft bestehen, von Männern gegründet wurden – auf sogenannten patriarchalen Strukturen (im Gegensatz zu matriarchalen Strukturen = das weibliche Pendant). Alle Bedürfnisse, Prozesse, Institutionen etc. wurden auf jene der männlichen Welt ausgerichtet. Die stereotypen Rollendefinitionen gabs gratis dazu: Männer sind jene, die Arbeiten gehen und das Geld mit nach Hause bringen, Frauen sind dafür da die Kinder zu erziehen und den Haushalt zu managen. Die schöne heile Welt *kotz*! In dieser Position sind Männer in der Lage „ihre Welt“ weiter für sich zu bestimmen und nach ihren Vorstellungen zu verändern.

Damit Frauen hier mitreden und -gestalten können, müssen diese fest verankerten Strukturen aufgebrochen werden. Doch nicht genug: eine weitere Barriere ist jene, dass Frauen ihren Platz in diesen patriarchalen Strukturen überhaupt erstmal finden müssen. Vom passiven Mitglied in der Gesellschaft zu einer aktiven Gestalterin. Dass dies mit Konflikten behaftet ist, scheint naheliegend zu sein.

Diese Themen liegen nicht ganz weit weg – fern ab von der heutigen Zeit. Nein, sie sind immer noch präsent wie nie zuvor. Ein gutes Beispiel ist der sogenannte Gender Pay Gap, der gerade in Österreich über den EU-Durchschnitt liegt. Nur in Estland ist die Lohnschere, wie es auch gerne genannt wird, noch größer. Ein positives Beispiel, wo Frauen annähernd so viel für die selbe Arbeit verdienen, wie ihre männlichen Kollegen, ist Slowenien. Und sollte es nicht auch „normal“ sein, dass jede/r für die gleiche geleistete Arbeit den selben Lohn bekommt?

Eine weitere Initiative, die genau diese Lohnschere thematisiert und damit Bewusstseinsbildung schafft, ist der Equal Pay Day, der heuer in Österreich auf den 10. März 2016 fällt. Dieser Tag macht deutlich, um wie viele Tage Frauen länger arbeiten müssen, um jenen Betrag zu verdienen, den Männer bereits per Ende 2015 verdient haben. Aufgrund der neuesten Daten der Statistik Austria, sind es genau 17,96%, also 47 Tage und somit der 10. März. Tragisch ist, dass diese Lohnungleichheit zunimmt, je höher Frauen in der Hierarchie aufsteigen.

Diese Initiative ist weltweit präsent und jedes Land hat mit den Unterschieden zu kämpfen. Um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, gibt es die verschiedensten (und manchmal auch recht provokativen) Clips, die ich euch pro Land verlinkt habe:

An alle kritischen Leute da draußen, die immer noch meinen, Frauen und Männer sind doch längst gleichgestellt: Wie erklärt ihr euch dann weiters, dass in den höchsten Führungsriegen immer noch mehr Männer als Frauen vertreten sind? Hier hilft es auch nur bedingt eine „Frauenquote“ einzuführen. Ich habe dazu folgenden Vergleich: Wenn ich Kopfschmerzen habe und dagegen ein Schmerzmittel nehme, dann sind die Schmerzen kurzfristig weg und mir gehts gut. Doch ich hab damit das Problem und nicht die Ursache bekämpft. Vielleicht bin ich ja so verspannt, dass dies den Schmerz ausgelöst hat, doch diese Muskelverspannungen bekomme ich nicht durch Schmerzmittel weg. Hier muss ich tiefer ansetzen. Und genauso ist es mit der Gleichstellung von Frauen und Männern – auch in der Arbeitswelt & weiterführend in der Hierarchie. Die Frauenquote ist das Schmerzmittel, was vielleicht kurzfristig hilft (oder auch nicht), aber eine Quote trägt nicht langfristig dazu bei, Frauen in Führungspositionen zu bekommen bzw. dort zu halten.

Was hilft denn nun bzw. was wäre denn des Rätsels Lösung? Puh, wenn ich ein Allgemeinrezept hätte, glaubt mir, dann würdet ihr die ersten sein, mit denen ich dies hier teilen würde. Aber leider habe ich kein Patentrezept, da die Thematik einfach zu komplex ist und wir – das darf man hier nicht vergessen – Individuen sind. Was für die eine passt, hilft der anderen nicht weiter. Es gibt natürlich allgemeine Ansätze, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten. Ich glaube, ich werde weitere Blogbeiträge dazu nutzen, um sie sukzessive vorzustellen, dann das würde hier sonst den Rahmen sprengen 🙂

Nichts desto trotz möchte ich euch zum Abschluss noch einen spannenden TED Talk empfehlen, der thematisiert, warum Frauen so spärlich in den obersten Hierarchien vertreten sind: Eine sehr inspirierende Rede von Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook. Sie beschreibt in 3 Statements, was Frauen beachten müssen, um im Arbeitsleben präsent zu bleiben und erfolgreich zu werden:

  1. Sit at the table!
  2. Make your partner a real partner!
  3. Don’t leave before you leave!

Was dies konkret bedeutet erfährt ihr hier:

Welche Erfahrungen habt ihr bereits mit diesen Themen gemacht? Was haltet ihr von den Initiativen zur Gleichstellung von Frau und Mann? Ich freue mich auf eure Kommentare 🙂

**Ani**

 

2 thoughts on “Women and the Gap

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