Traumjob Führungskraft?

Als Personalistin habe ich bereits unzählige Bewerbungsgespräche mit den unterschiedlichsten Menschen für die unterschiedlichsten Positionen geführt. Trotz dieser Diversität, lief es bei der Frage nach den beruflichen Entwicklungsperspektiven fast immer auf eines hinaus: Ich sehe mich künftig als Führungskraft! Doch die wenigsten wissen, was eigentlich dahinter steckt…

„Sie haben ja gerade Ihr Studium abgeschlossen, wie sieht Ihre berufliche Perspektive aus? Wo sehen Sie sich mittel- bzw. langfristig?“„In ca. 5 Jahren möchte ich jedenfalls ein kleines Team leiten bzw. langfristig gesehen auch eine große Abteilung.“

Diese oder ähnliche Antworten sind keine Seltenheit. Ich möchte es auch gar nicht auf StudienabsolventInnen beschränken, denn auch viele, die schon seit einigen Jahren im Berufsleben stehen, äußern diesen Wunsch. Ein Team oder eine Abteilung zu leiten bedeutet bei vielen Ansehen, Prestige – so in Richtung: Erst dann hast du es zu etwas gebracht; Dieser Trugschluss sitzt in der Gesellschaft leider noch tief verankert. Kaum jemand schätzt eine ExpertInnenkarriere im selben Maße wie eine Führungskarriere. Kaum jemand hört noch in sich hinein bzw. ist so selbstreflektiert, um wirklich für sich zu entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Und vor allem: Kaum jemand weiß im Vorhinein, was es dann wirklich bedeutet eine Führungskraft zu sein.

Deshalb, um hier ein bisschen Licht  ins Dunkel zu bringen, habe ich euch meine TOP 3 der wichtigsten To Do’s im Management für euch zusammengefasst:

1.It’s all about caring

Das aller wichtigste, was auch gesetzlich festgeschrieben ist, ist die Fürsorgepflicht gegenüber den MitarbeiterInnen, welche jede Führungskraft zu erfüllen hat. Dies klingt im ersten Moment ja logisch und auch recht simpel, doch was impliziert dieses Wort?  Es bedeutet die Verantwortung für Menschen zu übernehmen: in physischer aber auch in psychischer Hinsicht! Neben der Einhaltung der Richtlinien zum ArbeitnehmerInnenschutz, ist es besonders wichtig, seine MitarbeiterInnen vor psychischen Belastungen zu schützen und diesen aktiv entgegenzuwirken. Beispiele, wo Führungskräfte aktiv werden müssen, sind u.a. destruktive Verhaltensweisen wie Streitereien, Konflikte und auch im schlimmsten Falle Mobbing & Burn Out.

2.Shake it off!

Dieser Punkt bezieht sich nicht nur auf das Delegieren, welches eine gute Führungskraft beherrschen soll, sondern auch, dass Führungspersonen ja meistens bis dahin selbst im operativen Geschäft tätig waren. Was vielen schwer fällt, ist sich von operativen Aufgaben (die man ja auch durchaus gerne erledigt hat) zu trennen und nun eine Tätigkeit auszuüben, die fast ausschließlich aus MitarbeiterInnen-Führung besteht (mind. 60%). Ich konnte selbst schon oft beobachten, dass gerade wenn es zum „ungemütlichen“ Teil des Führungsalltages kommt, wie beispielsweise wenn Konflikte im Team herrschen, sich Führungskräfte gerne ins operative Geschäft „flüchten“. Was natürlich – wie ihr euch schon denken könnt – nicht die Lösung des Problems ist, sondern im Gegenteil, dies noch zu eskalieren droht.

3.Say Goodbye to „Everybody’s Darling“

Als Führungskraft muss einem bewusst sein, dass man vor allem mit negativen Themen (die oft auch nicht so einfach und schnell zu lösen sind) konfrontiert ist – alle anderen Themen können meist vorab schon im Team selbstständig gelöst werden. Somit bildet man meist die erste Eskalationsstufe, aber nicht nur das: Neben der Führungsverantwortung trägt man auch Ergebnisverantwortung und entscheidet loyal hinsichtlich des Unternehmens. Aus diesem Umstand heraus kann es auch schon mal vorkommen, unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen und diese auch dementsprechend (wertschätzend aber klar formuliert!) zu kommunizieren. Was passiert: Man eckt an! Nicht jede/r geht mit der eigenen Entscheidung einher und findet sie großartig. Damit muss man umgehen können! Sprich, harmoniebedürftige Personen tun sich damit jedenfalls extrem schwer nicht mehr „Everybody’s Darling“ zu sein. Spätestens wenn es zur Auflösung eines Dienstverhältnisses kommt und man seine/n MitarbeiterIn kündigen muss (ja, auch das ist Führungsaufgabe!), tun sich viele schwer. Wobei ich festhalten muss, dass dies auch eine sehr herausfordernde und Gott sei dank nicht alltägliche Aufgabe ist!

Natürlich ist die Liste an Tätigkeiten, die Führungskräfte in ihrem Alltag bewältigen müssen, noch viel viel länger (z.B.: Motivation, Förderung, Change Management, Kommunikation etc.). Diese Top 3 liegen mir jedoch persönlich am Herzen, da sich gerade viele BerufseinsteigerInnen dessen nicht bewusst sind, was auf sie nun wirklich zukommen könnte – ja woher denn auch 🙂

Abschließend möchte ich euch noch ein satirisches Negativ-Beispiel hinsichtlich der Fürsorgepflicht mitgeben, nämlich einen kurzen Ausschnitt von Stromberg:

Also bitte daran kein Beispiel nehmen!!!! 🙂

**Ani**

7 thoughts on “Traumjob Führungskraft?

  1. Sehr gut zusammengefasst Ani! Ich würd mich hier über einen weitergehenden Artikel sehr freuen in Bezug auf die Generalistenrolle und die Expertenrolle bzw. ab wann sollte sich eine Person entscheiden welchen Weg er gehen möchte?
    Die Sache mit „Everbodys Darling“ kenne ich von mir selbst leider nur zu gut. Harmonie ist mir sehr wichtig, gleichzeitig sind Konflikte sehr gut um Spannungen zu brechen bzw. Menschen aus der Komfortzone zu bringen.
    Gibt es deiner Meinung nach einen Unterschied zwischen Frauen und Männern?
    Freu mch über deine Rückmeldung!

    1. Hallo Patci! Danke für dein Feedback! Die Idee mit der ExpertInnen- bzw. GeneralistInnen Rolle nehm ich gerne auf!
      Glaube nicht, dass man das auf das Geschlecht zurückführen kann – hier spielen leider wieder sehr die bekannten Rollenbilder und Klischees mithinein (Mann = stark, durchsetzungsfähig; Frau = harmoniebedürftig und jene die sich um alle kümmert und sorgt) Diese gilt es ja aufzubrechen und nicht noch zu verstärken bzw. widerzuspiegeln. Liebe Grüße Ani

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s