Die Aufschieberitis hat einen Namen: Prokrastination

Jede/r von uns kennt die Situation: Es steht eine wichtige Deadline an (egal ob Job, Uni, Schule oder sonst wo), doch irgendwie findet man dauernd „wichtigere“ Dinge, die man noch erledigen „muss“, bevor man sich der eigentlich Aufgabe widmet. Dieses Phänomen, welches unsere Eltern während unserer Schulzeit noch ganz unspektakulär als „Aufschieberitis“ betitelten, hat heutzutage aber einen ernsten Hintergrund und wird Prokrastination genannt.

In 2 Wochen habe ich Statistik Prüfung: keine Ahnung von der Materie, keine Idee, wie ich mir dies alles merken soll und auch ehrlich gesagt keine Lust auf die gesamte Prüfung. Aber der Gedanke, dass diese schon in 2 Wochen ist, lässt Panik in mir hochsteigen. Wo ist denn nur die Zeit hin – es waren doch vor kurzem noch 2 Monate Zeit…

Ja, so ging es mir während meines Studiums öfter. Leider, aber es ging nicht anders. Ich brauchte immer einen gewissen Druck in mir, damit ich lernen konnte und damit ich mir den Stoff auch merken konnte. Ich weiß, es ist (fast) alles im Kurzzeitgedächtnis gelandet, aber ja was solls. Für die jeweilige Prüfung hat es mir geholfen. Aber auch im Job gibt es gewisse Deadlines, die eingehalten werden müssen und natürlich stehen dahinter auch wiederum Aufgaben, die nicht immer zur Lieblingsbeschäftigung zählen.

Warum gibt es aber so etwas wie die „Aufschieberitis“ eigentlich? Warum arbeiten wir nicht einfach unsere To Do Liste ab und gut ists? Weil jene Aufgaben, die wir aufschieben scheinbar zu groß für uns sind und somit auch die Deadline weit weg für uns erscheint. Die meisten von uns sind so „programmiert“, dass sie schnelle Erfolge und damit verbundene Belohnungen brauchen. Liegt ein To Do noch weit in der Ferne, bleiben diese natürlich bis dahin aus.

Kennt ihr diese Menschen, die immer über viel Arbeit klagen und durchgehend im Stress sind? Ich auch 🙂 Aber genau dieses Klagen und Jammern ist auch eine Art Prokrastination, denn in genau dieser Zeit, könnten beispielsweise schon ein paar Mails abgearbeitet werden. Dazu kommt, dass diese Menschen das Mitgefühl ihrer Mitmenschen brauchen, damit sie sich verstanden und besser fühlen.

Das Phänomen der Prokrastination ist gerade bei jungen Leuten weit verbreitet. Wenn dieses dann auch noch stark ausgeprägt ist, kann es weiterführend auch zu Depressionen, Angstzuständen und Burn Out führen, da der Druck und die Versagensängste immer größer werden. Somit ist es ein ernstzunehmendes Thema. Wir denken nämlich im ersten Moment, dass das Prokastinieren einer Aufgabe effizient und sicherlich einfacher ist, als diese gleich zu erledigen, da der Irrglaube auch herrscht, dass diese dann später leichter zu bewältigen ist. Doch bei diesem Versuch es uns leichter zu machen, passiert das Gegenteil, es wird schwerer, denn das Aufschieben hat Konsequenzen: Es kostet vielmehr Ressourcen, weil wir das Nachholen müssen, was wir damals verabsäumt haben. Dieser Umstand nennt sich wiederum der Depletion-Effekt (to deplete = erschöpfen, aufbrauchen).

Nichts desto trotz kann man auch der Prokrastination aktiv entgegen wirken, indem man sich diesen Umstand bewusst macht und sich neue Handlungsweisen „erlernt“. Folgende 5 Tipps möchte ich euch hierzu mitgeben:

1.MAKE A PLAN!

Mithilfe eines Plans bzw. einer simplen To Do Liste, die man aber schon am Vortag oder auch am Abend davor zurechtlegt, zwingt man sich indirekt am nächsten Tag direkt loszulegen – alles ist ja vorbereitet, auf was denn noch warten?

2.START NOW!

Let’s do it – und zwar jetzt! Hier gilt es den inneren Schweinehund zu überlisten und einfach, ohne großartig darüber nachzudenken, einmal zu starten und die ersten Schritte zu machen. Danach ist es wie eine Kettenreaktion und man befindet sich schon mitten im Abarbeiten der Aufgabe.

3.ARE THESE THE RIGHT GOALS?

Die beste Vorbereitung und Motivation nutzen rein gar nichts, wenn die Ziele einfach zu hoch gesteckt und somit unerreichbar werden. Es sollten ja nicht gleich Lifegoals sein, sondern solche, die in absehbarer Zeit gut erreicht werden können. Werden diese bspw. im Arbeitskontext fremdbestimmt, sollte hier Rücksprache mit der/dem Vorgesetzten/ProjektleiterIn etc. gehalten werden. Idealerweise einigt man sich dann auf eine Lösung, von der beide Seiten profitieren können.

4.SPLIT IT!

Eine Methode, die auch ich öfter anwende, ist eine größere Aufgabe in kleinere Teilaufgaben zu splitten und sich für diese Teilgebiete wiederum kürzere Deadlines zu setzen. Auch ich tu mir leichter, kleinere Aufgaben rasch zu erledigen, als an einer großen Sache wochenlang zu sitzen. Da geht auch irgendwann meine Motivation flöten.

5.REWARD YOURSELF!

Dieser letzte Punkt ist für mich auch gleichzeitig der wichtigste: die Belohnung! Aber bitte nicht im Vorhinein als Ansporn sondern wirklich dann, wenn eine (Teil-)Aufgabe erledigt ist. Hier darf sich jede/r selbst aussuchen, wie diese Belohnung aussehen soll: ein Stück Schokolade, eine Folge der Lieblingsserie (aber Vorsicht – hier spreche ich aus eigener Erfahrung, dass es meistens nicht bei einer Folge bleibt!), ein Spaziergang mit dem Hund, ein Schaumbad etc. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Ihr seht, es gibt schon eine paar Möglichkeiten euch selbst ein wenig auszutricksen. Natürlich muss schlussendlich jede/r für sich selbst wissen, wie er mit dem Druck, den Deadlines, Prüfungen, Schularbeiten etc. zurecht kommt und eigene Techniken entwickeln.

Zum Phänomen Prokrastination habe ich auch einen witzigen und anschaulichen TED TALK von dem amerikanischen Blogger Tim Urban gefunden, der sich selbst auch als „procrastinator“ sieht und auch dazu steht. Wie er persönlich mit dieser Thematik umgeht, seht ihr hier:

 

Wie geht ihr mit „Aufschieberitis“ um? Habt ihr noch mehr gute Tipps und Tricks?

**Ani**

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