Talk About: Emotionen machen schon Sinn!

Emotionen in der Wirtschaft und im Berufsleben? Ja, auch die machen Sinn! Wenn sie gut und damit effizient eingesetzt werden. Richtig gelesen! Effizienz und Emotionen müssen nicht immer im Widerspruch zueinander stehen…

Vor einigen Tagen traf ich den deutschen Schauspieler, Musicaldarsteller, Komiker, Theaterregisseur und Hörfunkmoderator Alexander Goebel zum Interview. Hintergrund des Treffens war auch sein neuestes Buch „Gute Gefühle … machen Sinn“. Der vielversprechende Titel machte mich neugierig, und deshalb freute ich mich auf das persönliche Treffen!

„Ein/e KünstlerIn in jede Vorstandssitzung!“

Ein Zitat für das Alexander Goebel viel Kritik einstecken musste. Er sieht eine wichtige Symbiose zwischen Kunst und Wirtschaft: KünstlerInnen können Unternehmen speziell in Zeiten von Veränderung (Changemanagement) bzw. von Innovation (Innovationmanagement) unterstützen und zwar mit Emotionen und den „blöden Fragen“, die sich sonst keine/r stellen traut, also Perspektivenverschiebung. Warum gerade KünstlerInnen das können? „Weil sie es nicht gelernt haben“, so Goebel.

Veränderung. Vielen Menschen, stehen sie im Berufsleben oder nicht, sehen Veränderung doch immer ein wenig zwiespältig an. Auf der einen Seite ist es ja etwas Gutes – es kommt etwas ins Laufen, es bringt neuen Schwung in die Sache, man geht lieber mit den Trends als sie zu verschlafen und passt sich somit einfach der Zeit an. Auf der anderen Seite aber, impliziert Veränderung auch immer, dass das, was bisher da war, schlecht ist und somit eine Veränderung her muss, die alles besser macht. Darüber redet nur leider niemand und spricht es explizit aus. Somit schwingt diese Emotionen immer bei Veränderungsprozessen mit. Viele Führungskräfte gehen mit Veränderungen leider selbst nicht sehr versiert um, denn auch sie sind Menschen und verspüren deshalb dieselben Emotionen, wie auch ihre MitarbeiterInnen. Untertauchen und Abwarten ist auch in den Führungsetagen oft die Devise.

Doch warum ist dies so? Warum sehen es so viele Führungskräfte nicht als Chance, sich aktiv im Change Prozess einzubringen? Alexander Goebel meint, dass Führungskräfte in diesem Sinne für ihre Angst bezahlt werden: Sie wachen jeden Morgen auf und haben Angst nicht zu entsprechen. Dies resultiert aufgrund der vorherrschenden Fehlerkultur in den Unternehmen. Wie wir es schon als Kind gelernt haben: Machst du einen Fehler, spürst du die Konsequenzen und wirst dafür bestraft. Dies hat sich so in unser Gehirn, in unser Verhaltensmuster eingebrannt, dass auch Top ManagerInnen noch später so agieren. Deshalb ist es auch so schwierig die Emotionen in die Wirtschaft zu bringen, so Goebel, weil gerade KünstlerInnen Emotionen, Werte und Sinn vermitteln.

Wie kann nun die Unterstützung durch KünstlerInnen in der Praxis aussehen? Alexander Goebel skizziert hier 3 Phasen:

1.PREPARATION

In dieser ersten Phase soll das „Warum“ der Veränderung erklärt bzw. festgelegt werden, aber auch die weiteren Schritte, bis hin zu den Milestones. Es wird also der „Masterplan“ festgelegt.

2.CELEBRATION

Dieser zweite Schritt befasst sich mit der Negativität, die – wie vorhin schon erläutert – in jedem Change Prozess mitschwingt. Das Negativum soll nämlich in dieser Phase ins Positive umgekehrt werden und zwar in dem die Ankerpunkte, die in der ersten Phase definiert wurden, emotional besetzt werden, bspw. durch Unternehmenshymnen oder Wortparolen. Das Neue wird somit gefeiert.

3.TRIPPING

Oder auch „der stete Tropfen“ genannt, beschäftigt sich mit der Nachhaltigkeit der Veränderungsprozesses. Nach Abschluss eines Change Prozesses, soll es etwas geben, dass auch noch Jahre danach präsent ist und an diesen Prozess (durch die vormals positive Besetzung) erinnert – bspw.: Die Unternehmenshymne als Klingelton auf jedem Firmenhandy

 

Das „Nicht-Scheitern-Dürfen“, was uns bereits in der Kindheit anerzogen wurde, zeigt sich jedoch nicht nur im Change Prozess, sondern auch gerade dann, wenn es um Innovation geht. Goebel kritisiert, dass viele Unternehmen nicht den ersten Sprung ins Ungewisse wagen wollen. Erst wenn 8 von 10 gesprungen sind und es geschafft haben, dann trauen sich auch die anderen zu springen. Nur hat dies dann nichts mehr mit Innovation zu tun. Auch aufgrund dessen, dass viele MitarbeiterInnen in ihrem Denken, in ihren Kapazitäten und ihren Räumlichkeiten sehr eingeschränkt sind, meint Goebel, dass Innovationsmanagement outgesourct werden muss. Und hier kommen wiederum die KünstlerInnen zum Zug:

„Innovation ist Erfinden, ist Phantasie – nur KünstlerInnen können hier die Perspektivenverschiebung und emotionale Intelligenz einbringen.“

Hier gibt es bereits praktische Beispiele aus Amerika: In den 1950er Jahren gab es die Colgate Theatre Hour. Colgate als Unternehmen produzierte in dieser Zeit Stücke und TV-Shows zur Unterhaltung und zwar nicht im Eigennutz, sodass alle 5 Minuten Zahnpastawerbung eingeblendet wurde. Weiters wurde kürzlich bei BlackBerry eine neue Chief Innovation Officer eingestellt und zwar die Sängerin Norah Jones, die sich ab sofort um alle Neuerungen, Ideen etc. im Unternehmen kümmert.

Alexander Goebel spricht sich aber speziell für den Standort Österreich als „Innovationslabor Europas“ aus, da seiner Meinung nach in Österreich alles in einem kleinem Maße repräsentiert ist, was draußen im großen Maße stattfindet und somit als perfektes Labor fungieren kann. Österreich sollte den Schritt wagen, KünstlerInnen als Consultants zu engagieren, denn falls diese Symbiose klappt, man gutes Geld damit verdienen kann (aufgrund der schon kapitalistischen Ausrichtung von Kunst, siehe Broadway Musicals etc.). Falls die Zusammenarbeit nicht klappen sollte, dann war sie zumindest identitätsstiftend, und das Unternehmen hat seinen sozialen Beitrag geleistet.

Es liegt nun an den Unternehmen, diese neue Perspektive als Chance zu erkennen und KünstlerInnen mit in wirtschaftliche Prozesse zu integrieren. Denn die Zusammenarbeit wird:

„Hochemotional, aber zielführend!“ (Alexander Goebel)

Auch an dieser Stelle möchte ich mich nochmals für das äußerst informative und nette Interview bedanken!

**Ani**

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