I’m a #BusyBee! Wenn Stress zum Lifestyle wird

Wir leben schon in einer komischen Gesellschaft: Auf der einen Seite nehmen Erkrankungen wie Burn Out und jene das Herz-Kreislauf-System betreffend zu, auf der anderen Seite vermitteln viele Menschen einen Lifestyle, der aus Multitasking vieler verschiedener Aufgaben gleichzeitig und dem alltäglichen busy-sein mit Coolness-Faktor besteht. Wie passt denn das bitte zusammen?

Ihr kennt doch sicher all jene Menschen, die andauernd im Stress sind? Genau diese meine ich! Denn sie lassen es euch auch bei jeder Gelegenheit wissen. Nicht nur, dass sie es dauernd ansprechen, nein, man sieht es schon an ihrer Körpersprache: schneller Schritt, hastiges Gestikulieren und Dauerplappern. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mir gehen diese Menschen einfach nur auf die Nerven.

In unserer westlichen Gesellschaft passt diese Beschreibung leider nicht nur auf ein paar Auserwählte, sondern fast schon auf jede/n Zweite/n den ich treffe. Und hier noch differenzieren zu können, was denn die „Wahrheit“ ist und was ein bisschen ausgeschmückt wurde, um sich wichtig zu fühlen, wird fast unmöglich. Schade eigentlich, dass es schon zum Lifestyle geworden ist, im Dauerstress zu sein. Wann ist diese Attitude denn „in“ geworden und warum denn bloß???

In Zeiten von Social Media lässt sich dieser neue Lifestyle dann natürlich dementsprechend zelebrieren: Hier mal ein Pic vom supervollen aber stylischen Arbeitsplatz auf Instagram, dort ein paar Snaps von den vielen Terminen, die man tagtäglich bewältigen muss, dann noch Workout-Pics auf Facebook, ein YouTube Video zum Clean Eating usw. Natürlich wird dann erwartet, dass dies von den Followern mitleidend – oder schlimmer – fast eifersüchtig kommentiert wird. Zum Schluss wird alles noch mit dem Hashtag #BusyBee versehen und fertig ist die Illusion. Vergesst dabei nicht: Menschen die wirklich unter Stress stehen, haben gar nicht die Zeit, sich ihr Leben stressig „herzurichten“ und „aufzuputzen“, um es danach mit allen zu teilen.

Doch Stress muss nicht immer negativ besetzt sein: Damit wir in gewissen Situationen unsere Leistung abrufen können, benötigen wir sogar ein gewisses Level an Stress. Dieser kann nämlich auch motivierend sein – nennt sich dann positiver Stress. Wenn jedoch die Anforderungen zu hoch sind, die Aufgaben zu viel oder auch zu wenig (!), dann wendet sich dieser anfangs positive Stress schnell in Richtung negativer Stress. Es liegt dann an der Führungskraft, hier lenkend einzugreifen (siehe dazu auch diesen Beitrag).

Ist man längerfristig diesen Umständen ausgesetzt, kann dies weiters im totalen Burn Out enden. Aber Vorsicht: Der Begriff Burn Out wird heutzutage leider sehr oft bzw. eigentlich zu oft inflationär verwendet. Fast jede/r steht kurz davor, hat dieses Syndrom schon hinter sich oder ist gerade in Therapie. Wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen schaden diese Äußerungen nur jenen, die wirklich daran leiden. Denn diese Personen sind ihr Leben lang nicht mehr zu 100 % arbeitsfähig und belastbar. Dies äußert sich dann sogar im Privatleben.

Wie ich vorhin erwähnt habe, können auch zu wenige Aufgaben zu Stress führen. Hört sich im ersten Moment vielleicht komisch an, ist aber genauso ernst zu nehmen, wie der Weg zum Burn Out. Diese umgekehrte Form nennt sich dann Bore Out. Die Bezeichnung ist selbsterklärend: Wenn MitarbeiterInnen nicht gefordert und ihren Qualifikationen entsprechend eingesetzt werden, „langweilen sie aus“ und dies verursacht wiederum Stress. Speziell in Krisensituationen, wenn Unternehmen kurz vor der Insolvenz stehen und Aufträge und damit auch die Arbeit weniger wird, löst das großen Stress aus: Die Menschen versuchen dann fast schon krampfhaft das Bild des/der gutbeschäftigten MitarbeiterIn aufrecht zu erhalten.

Die Tendenzen, Stress zu einem Lifestyle zu machen, den es nachzueifern gilt, finde ich einfach nur erschreckend! Viele Menschen erkennen diese Inszenierungen nicht und nehmen alles für bare Münze. Speziell der jüngeren Generation wird damit ein falsches Bild von der Wirklichkeit und ein noch verzerrteres Gefühl eines Lifestyle vermittelt, der in seiner schlimmsten Ausprägung bis hin zu einer psychischen Erkrankung führen kann.

Denn eine #BusyBee zu sein ist oft nicht unabwendbar, gehört zum Arbeitsalltag dazu, doch verinnerlicht als cooler Lifestyle mit perfektem Make Up & Outfit, taugt sie meiner Meinung nach nicht! Be careful!

**Ani**

 

7 thoughts on “I’m a #BusyBee! Wenn Stress zum Lifestyle wird

  1. THANK YOU SO MUCH! Irgendwie finde ich dieses ganze „workworkwork #girlboss“ Zeug auf Instagram mittlerweile ziemlich anstrengend. Ich bin zur Zeit auch so unheimlich gestresst und sehe darin absolut nichts positives. Wann ist es bitte modern geworden sich selbst zu stressen?

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com

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