Blood, Sweat & Tears – das Bewerbungsgespräch

Hier ist nicht die Musikgruppe aus den 70er Jahren gemeint, nein – in meinem neuen Beitrag geht es um das Bewerbungsgespräch und u.a. welche Ängste BewerberInnen ausstehen, erklärt an den Begriffen „Blood“, „Sweat“ & „Tears“.

Bewerbungsgespräche gehören in gewisser Weise zu meiner Tagesordnung: In meinem Job darf ich die unterschiedlichsten BewerberInnen für die unterschiedlichsten Jobs interviewen: von der klassischen Assistenz bis hin zum/zur Top-ExpertIn bzw. auch zum/zur AbteilungsleiterIn. Alle diese Menschen sind verschieden und haben auch unterschiedliche Erwartungen und Einstellungen zum neuen Job – meine sind und bleiben jedoch gleich.

Als Recruiterin  – so bezeichnet man im Personalwesen jene Menschen, die sich ausschließlich mit dem rekrutieren, also mit der Personalauswahl beschäftigen – ist es meine Aufgabe den/die passende/n KandidatIn für den vakanten (offenen) Posten zu finden. Ich mache keine Unterschiede im Führen der Gespräche, egal ob es sich um eine/n SchulabgängerIn handelt oder eine Person mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung. Das Gespräch sollte immer sachdienlich, objektiv und vor allem wertschätzend geführt werden.

Ich weiß, es lässt sich immer leichter reden, wenn man „auf der anderen Seite“ des Tisches sitzt. Als BewerberIn ist man nervös, aufgeregt bis hin zum Nervenzusammenbruch. Das ist auch alles legitim – bis auf den Nervenzusammenbruch 🙂 ! Die „auf der anderen Seite“ wissen, dass alle BewerberInnen, die zum Gespräch kommen, sehr nervös sind und dass sich so etwas unterschiedlich äußern kann. Viele Menschen schwitzen sehr stark, bekommen rote Flecken oder einen hochroten Kopf, haben Nasse und eiskalte Hände etc.

Bitte glaubt nicht, dass ihr dadurch vielleicht geringere Chancen auf den Job habt – nur weil ihr nervös seid, wird euch niemand eine Absage schicken. Und falls doch, dann reagiert das Unternehmen äußerst unprofessionell. Ich persönlich sehe eine gewisse Nervosität als sehr positiv an. Es bedeutet doch, dass einem der Job wichtig ist, dass man gewisse Erwartungen hat und auch die Motivation da ist.

Der Titel „Blood, Sweat & Tears“ dieses Beitrags ist nicht zufällig gewählt. Ja, alle diese Dinge kamen in der Praxis schon öfter vor! Nachfolgend habe ich euch ein paar Beispiele aus dem Alltag, die wirklich passiert sind, angeführt:

BLOOD

Ich hatte ein Bewerbungsgespräch mit einem jungen Mann um 16 Uhr vereinbart. Er rief mich kurz davor an, um mir zu sagen, dass er sich leider um ein paar Minuten verspäten wird. Verspätungen bei Gesprächen sind natürlich als nicht sehr positiv zu werten, doch kann natürlich immer kurzfristig etwas Unerwartetes passieren (U-Bahn Störung, Stau etc.). In diesem Fall bitte meldet euch kurz beim Unternehmen und gebt Bescheid – im Normalfall hat dies bei nachvollziehbaren Zwischenfällen auch keinerlei Auswirkungen auf das nachfolgende Gespräch. So, weiter zu meinem Bewerber: Er kam dann mit 10minütiger Verspätung an, total fertig, abgehetzt und hatte seinen Unterarm sowie die gesamte Hand eingegipst. Als neugieriger Mensch fragte ich natürlich gleich nach, was denn passiert sei. Er meinte mit zittriger Stimme, dass er sich kurz vor dem Termin fast seinen kompletten Finger unabsichtlich abgetrennt hatte und er dringend ins Spital musste – deshalb auch die Verspätung. Trotzdem war ihm der Job so wichtig, dass er danach gleich hierher gefahren ist.

Merke: Ja, es gibt gewisse Gründe, wann man ein Bewerbungsgespräch verschieben kann und dies ist so einer! Es ist ja sehr löblich, dass der junge Mann noch zum Gespräch erschienen ist, es wäre ihm aber keiner böse gewesen, wenn wir es um einen Tag verschoben hätten. Gesundheit geht hier eindeutig vor.

SWEAT

Diesen Punkt kann wahrscheinlich jede/r von euch gut nachvollziehen. Dass wir Schwitzen wenn wir nervös sind, kennen wir ja auch bereits von anderen Situationen. Nichts desto trotz hatte ich auch mal einen Kandidaten zum Gespräch bei mir, der unter seinem Anzug wirklich extrem geschwitzt hat. Ich muss dazu sagen, dass dieses auch im Sommer stattfand und hier Männer schon ein wenig arm dran sind, da sie kleidungstechnisch nicht wirklich Ausweichmöglichkeiten haben. Der Raum war zwar klimatisiert, doch die Aufregung siegte in diesem Fall. Er bat mich schlussendlich darum, sein Sakko ablegen zu dürfen, da es ihm einfach zu heiß war. Dies ist natürlich kein Thema, es soll sich ja jede/r doch soweit wohl fühlen. Das ursprünglich hellblaue Hemd war nun dunkelblau und auch der Schweiß tropfte ihm aus dem Gesicht. Ich brachte ihm daraufhin noch ein Taschentuch, sodass er sich abtrocknen konnte.

Merke: Ich weiß, dem armen Kerl muss diese Situation total unangenehm gewesen sein. Doch – wie schon beschrieben – wir sind alle nur Menschen und derartige Reaktionen des Körpers sind einfach menschlich.

TEARS

Gerade in Situationen, in denen wir unter Druck stehen, werden wir oft emotional. So auch passiert bei einer Schulabgängerin, die gerade auf der Suche nach ihrem ersten Job war. Ich stellte ihr Fragen zu ihren Erwartungen an den ersten richtigen Job, was ihre Vorstellungen vom Berufsalltag sind und wie sie sich die Zusammenarbeit mit den möglichen neuen KollegInnen so vorstellte. Dies waren anscheinend alles Dinge, die zwar sehr einfach und unspektakulär klingen, über die sie sich jedoch im Vorfeld noch keinerlei Gedanken gemacht hatte. Dies wurde ihr während des Gesprächs klar und schon füllten sich die Augen mit Tränen.

Merke: In diesem Moment wird einem wahrscheinlich bewusst, dass man „versagt“ hatte, dass man in diesem Gespräch ohne entsprechender Vorbereitung nicht überzeugen kann. Speziell bei JobeinsteigerInnen nach Schule oder Studium habe ich dies schon häufiger beobachten können. Trotz alledem: Es ist kein Grund die Nerven wegzuschmeißen. Dass Tränen vor Aufregung kullern können ist zwar menschlich und wird bei jüngeren Personen noch auf ein gewisses Verständnis stoßen, doch bei erfahreneren Personen wirkt dies schon recht unprofessionell. Hier gilt es dann zu hinterfragen, ob nicht doch persönliche Probleme hinter dieser „dünnen Haut“ stecken, wie Krankheiten, Todesfälle etc. Sollte dies der Fall sein, wird man im weiteren Gesprächsverlauf selbstverständlich darauf Rücksicht nehmen.

Ihr seht, es gehört einfach dazu, dass man bei einem Bewerbungsgespräch nervös und aufgeregt ist und demnach auch in gewisser Art und Weise darauf reagiert. Bitte vergesst nicht, dass jene Personen, die auf Seite des Unternehmens Personalentscheidungen treffen, auch nur Menschen sind. Auch sie sind in gewissen Situationen aufgeregt und schmeißen auch mal die Nerven weg. Jaja, es gibt sie schon, diese AlleskönnerInnen, die eine tolle Fassade aufbauen können und sich in keinster Weise in die Karten schauen lassen. Doch auch sie sind innerlich nervös, können es nur besser überspielen, aufgrund ihres Charakters oder der Erfahrung. Nichts desto trotz – wir sind doch alle nur Menschen und kochen somit alle nur mit heißem Wasser! Behaltet dies bei eurem nächsten Bewerbungsgespräch einfach im Hinterkopf 🙂

**Ani**

 

P.S.: Welche Erfahrungen habt ihr schon mit Bewerbungsgesprächen gemacht? Wie geht ihr mit eurer Nervosität um?

2 thoughts on “Blood, Sweat & Tears – das Bewerbungsgespräch

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