Karriere Mythos: das Studium als Karrierebooster?

„Ohne Studium kannst du deine Karriere vergessen!“ – Diesen Satz habe ich selbst in der Vergangenheit oft gehört. Ist dies jedoch noch gängige Praxis oder überholte Theorie? Brauche ich denn unbedingt ein Studium um Karriere machen zu können und im Berufsleben erfolgreich zu sein?

Meine Eltern legten damals sehr viel Wert auf eine gute und solide Ausbildung, sodass ich später mal einen gut dotierten Job ausüben und somit unabhängig mein Leben genießen kann. Hat funktioniert würde ich sagen 🙂 Deshalb bin ich Ihnen auch sehr dankbar. Speziell meine Mutter wollte unbedingt, dass ich Anwältin oder Notarin werde, da man hier sehr gut verdienen würde. Ein Studium war also unabdingbar für sie, denn ohne diesem „könnte ich zum Billa Regale einschlichten gehen“, meinte sie immer sehr flapsig. Diese Aussage ging per se nicht gegen jene Personen, die diese Art von Jobs ausüben. Es war nur als kleine „Drohung“ oder „Wachrütteln“ gegen eine pubertierende 16-Jährige gerichtet, die nicht wusste, was sie später mal mit ihrem Leben anfangen soll.

Und diese Art von Einschüchterung hat irgendwo auch seine Spuren hinterlassen. Ich beschäftigte mich intensiv mit meinem späteren Berufsleben, und ein Studium war ein fixer Bestandteil um später erfolgreich zu sein. Denn ohne konnte ich ja meine Karriere vergessen. Ich muss dazu sagen, dass meine Eltern beide selbst kein Studium abgeschlossen hatten und somit fest an dieser Meinung hingen und ja, für sein Kind wünscht man sich eben nur das allerbeste. Es kam nur ein kleiner Umstand hinzu, der mir das Studienleben nicht leichter machte: Als ich damals mein Soziologie Studium begonnen hatte, wurde die gesamte Studienlandschaft auf Bachelor- und Masterstudien umgestellt und keiner wusste, wie diese in der Wirtschaft angenommen werden würden – und schon gar nicht meine Mutter.

Ich war so stolz, dass ich mein Bachelorstudium abgeschlossen hatte, nur trotzdem war die Ungewissheit da: Gilt der Bachelorabschluss als „vollwertiger“ Abschluss? Auch die Freude meiner Mutter hielt sich dementsprechend in Grenzen. Sie kannte bis dato nur den Magister/Magistra-Abschluss bzw. das Doktorat. Jetzt war ich fertig mit dem Studium und hatte keines von beiden. Hm! Ein bisschen angesteckt von der Ungewissheit meiner Mutter und auch der Wirtschaft, schloss ich ein Magister/Magistra-Aufbaustudium an und bekam so auch meinen Mag.phil. vor meinem Namen gesetzt. Endlich was G’scheites! 🙂

Neben meinem Studium lernte ich jedoch noch eine weitere Lektion, die mindestens genauso wichtig war, wie das Studium selbst: Ohne Moos, nix los! Um mir mein Studium finanzieren zu können, habe ich nebenbei immer wieder Nebenjobs angenommen. Ich wollte schon immer in einem Büro arbeiten, doch die Stellen die ausgeschrieben waren, erforderten immer wieder Berufspraxis – die ich jedoch nicht vorweisen konnte. Somit musste ein Zwischenstep her. Ich überlegte, was ich denn machen könnte, wozu ich (derzeit) auch fähig war. Klar, was liegt näher als der Einzelhandel! Mode hat mich schon immer interessiert, kommunikativ war ich auch – perfekt! Da ich auch schon immer der hemdsärmelige-Typ war, der keine Geduld hatte um auf den Samstags-Kurier, mit den darin enthaltenen Stellenangeboten, zu warten (ja, damals gab es noch nicht so viele Karriere-Seiten im Internet wie heute), setzte mich mit meinen Bewerbungsunterlagen ins Auto, auf den Weg nach Wien – Zielort: Kärntnerstraße. Dort klapperte ich alle Modeketten ab, die mich interessierten und mit denen ich mich identifizieren konnte. Leider vergebens. Natürlich bewarb ich mich nebenbei auch online per Mail und schwups, da war sie, die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch im Einzelhandel.

Zu meiner Überraschung klappte es dann sogar mit dem Job! Meine Hartnäckigkeit hatte sich wirklich gelohnt. Hier begann nun meine berufliche Karriere. Ich bewarb mich natürlich weiterhin auf klassische Büro-Jobs, da dies damals auch mein Ziel war. Ein halbes Jahr später erreichte ich auch dieses. Und so sammelte ich neben meinem Studium bereits wertvolle praktische Erfahrung in den verschiedensten Branchen. Immer einen Schritt nach dem anderen und auch immer einen Schritt höher, mit wieder ein bisschen mehr Verantwortung.

Jetzt, wo ich selbst Führungskräfte bei ihrer Entscheidung zur Einstellung neuer MitarbeiterInnen berate, höre ich aus erster Hand, was sie sich denn von solchen erwarten. Und ja, es ist oftmals die praktische Erfahrung. Wenn eine Position ausgeschrieben wird, dann brennt es oftmals schon. Soll heißen, es wird wirklich dringend jemand gesucht. Da ein Personalausfall meistens immer an Mehrkosten gekoppelt ist, u.a. weil die bestehende Mannschaft meist Überstunden schieben muss, um den Ausfall zu kompensieren, wünscht sich die Führungskraft oft eine Person, die schnell einsetzbar ist. Wann ist man dies? Richtig, wenn man natürlich schon praktische Erfahrung mitbringt.

Wie ihr wisst, habe ich selbst schon sehr viele Bewerbungsgespräche für die verschiedensten Positionen geführt. Somit habe ich auch schon die unterschiedlichsten Werdegänge von den Personen direkt erfahren. Deshalb möchte ich folgende 3 Mythen aufklären:

MYTHOS 1: Mit einer Lehrausbildung kann ich nie dieselbe Karriere machen, wie mit einem abgeschlossenen Studium

Dies stimmt nur bedingt und wenn, dann nur für ausgewählte Branchen und Berufe. Soll heißen, dass ich mit einer Lehre zum/zur Bäckerin sicherlich nicht UnfallchirurgIn werden kann. Im technischen Bereich habe ich jedoch schon von mehreren Personen gehört, dass diese trotz Lehrabschluss eine tolle Führungskarriere erreicht bzw. sich bspw. auch selbstständig gemacht haben und nun GeschäftsführerIn eines KMU-Betriebes sind.

MYTHOS 2: Entschließe ich mich für einen Matura-Abschluss bzw. ein Studium im zweiten Bildungsweg, wird dieses nie so wertgeschätzt, wie wenn ich den klassischen Ausbildungsweg gehe.

Ein klares Nein! Im Gegenteil: Jene Personen, die bspw. mit einer Lehrausbildung gestartet haben und sich erst später für weitere Bildungsmaßnahmen (Matura, Studium etc.) entscheiden, zeigen, dass sie Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Strukturiertheit, die Fähigkeit zu Priorisieren und Motivation besitzen. Alles positive Eigenschaften, die oft im Zuge eines Bewerbungsgesprächs genannt werden, die ansonsten alle jedoch mit fadenscheinigen Erklärungen verbunden sind. Erarbeitet man sich aber neben seiner beruflichen Tätigkeit noch weitere Bildungsabschlüsse, so bedarf es oft nicht näheren Erläuterungen – Taten zählen hier oft mehr als Worte. Es ist also nie zu spät sich weiterzubilden!

MYTHOS 3: Die universitäre Ausbildung ist ein Garant dafür, dass ich später mal einen Job bekomme, bei dem ich viel Geld verdiene.

Erstmal vorweg: Im Leben gibt es für nichts und niemanden eine Garantie. Ein Studium ist eine sehr gute Grundlage, um in gewissen Jobs Fuß fassen zu können. Es ist aber noch lange keine Garantie, dass ich 1) überhaupt einen fixen Job bekomme und 2) einen finde, bei dem ich mehr Geld als die anderen verdiene. Beim Thema Geld bin ich immer ein bisschen zwiegespalten. Mir war es schon immer wichtiger, einen Job auszuüben, der mir Spaß macht – ich investiere so viel Zeit in meine Arbeit, diese möchte ich auch gut genützt wissen. Vielleicht lag es an meiner pubertären Naivität, aber diese Ansicht vertrat ich damals wie auch heute. Das Gehalt für meine Arbeit zu bekommen, ist ein schöner Nebeneffekt, der sein muss, denn sonst könnte ich mir mein restliches Leben nicht finanzieren. Somit recherchierte ich vorrangig nach den Tätigkeiten und nicht nach der Bezahlung, wenn es um meinen zukünftigen Job ging. Langfristig gesehen, wird man nicht glücklich, wenn man sehr gut verdient, jedoch die Tätigkeiten nicht zu den persönlichen Interessen passen. Siehe hierzu auch diesen Artikel. Es beginnt also schon beim Studium bzw. bei jeglicher Ausbildung die man wählt: Geht in euch und überlegt was euch interessiert, euch Spaß macht und dann sucht dazu die passende Ausbildung. Braucht ihr hierbei Unterstützung? Dann klickt mal hier rein.

Eine Ausbildung kann nie der Garant für etwas sein. Erst Interesse, Motivation, Begeisterung und besonders eure Leidenschaft sind die wahren Garanten für euren persönlichen Erfolg!

**Ani**

 

Ein großes Dankeschön an meine Eltern, dafür dass sie immer an mich geglaubt und mich bei jeder Entscheidung unterstützt haben!

3 thoughts on “Karriere Mythos: das Studium als Karrierebooster?

  1. hi andrea, feiner beitrag!
    🙂 kann ich bestätigen, geht auch ohne akademischen abschluss… und spaß an der freude ist immer wichtiger als karriere. lgilona

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