Früher war ja alles besser!

Von Sätzen wie: „Früher gab’s das nie!“ „Damals hatten die Menschen noch Anstand und wussten, wie man sich in der Gesellschaft verhält!“ bis zu „Früher gab es nicht so viele Verbrecher wie heutzutage!“ oder gar zu menschenfeindlichen und -verachtenden Aussagen, die ich hier gar nicht anführen möchte, hört man dieser Tage sehr viele. Doch ich stelle die provokative Frage: „War früher wirklich alles besser?“

Jene Sätze und Aussagen, die mit „früher“ oder „damals“ begannen, kannte ich bis dato nur von älteren Menschen, die mehr oder weniger gerne an die Vergangenheit dachten. Doch nun habe ich bemerkt, dass solche Aussagen von immer mehr jüngeren Personen getroffen werden. Speziell im Zusammenhang mit den derzeitigen Ereignissen, also beispielsweise bei den Themen Flüchtlinge oder Terrorismus.

Viele Menschen haben mittlerweile Angst bzw. wenigstens ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, denken sie an die vielen Menschen, die in unser Land kommen oder denken sie an ihren nächsten Urlaub, wo sie wiederum in den Flieger steigen müssen. Dieser könnte ja entführt werden oder aber jemand läuft am Strand Amok und erschießt unwillkürlich Menschen. Da kommen natürlich unweigerlich diese oben genannten Sätze auf, da es diese Art von Aggressivität und Kriminalität damals ja nicht gegeben hätte.

Ich sage provokant: Doch – es hat immer schon grausame und brutale Menschen gegeben, die ihre Mitmenschen bestohlen, gefoltert, ausgeraubt oder gar getötet haben. Es hat sich nur die Art des Hintergrundes bzw. der Durchführung geändert. Doch warum kommt uns jetzt alles so anders und viel viel schlimmer als „damals“ vor?

Meiner Meinung nach spielen hier die Medien ein sehr große und tragende Rolle. Medien spielten in der Berichterstattung von Grausamkeiten immer schon eine wichtige Rolle – vor einigen Jahren noch in Printform bzw. noch weiter zurück auf Papyrus. Doch schon in der Vergangenheit wurde diese Kommunikationsform missbraucht. Ich denke, dass keine Nachricht, die zu uns gelangt, 100% der Wahrheit – so wie es sich wirklich zugetragen hat – entspricht. In der heutigen Zeit, wo wir alle durch die diversen Social Media Kanäle, beeinflusst werden, geraten auch die JournalistInnen bzw. die Medienfirmen unter Druck: Um ihre LeserInnenzahlen zu halten bzw. zu steigern, müssen sie nun noch schneller die neuesten Schlagzeilen bringen. Und da auch der Mitbewerb unfreiwillig durch Twitter & Co gestiegen ist, da ja nun jede/r zu jeder Tages- und Nachtzeit Nachrichten verbreiten kann, bleibt kaum noch Zeit gründlich und in hoher Qualität zu recherchieren.

So geht es mittlerweile nur um Schnelligkeit bzw. um viele Klicks pro Artikel. Wie bekommt man diese? Richtig! Indem man provoziert und dort drauf drückt, wo es die Menschen spüren. Und wenn dies der 1.000ste Artikel ist, wo AsylwerberInnen vorgeworfen wird, dass sie straffällig geworden sind. Dies interessiert die breite Masse und bringt die gewünschte Aufmerksamkeit bzw. die begehrten Klickraten und ruft darüberhinaus noch eine gewisse Furcht hervor. Ein Zustand, indem die Menschen sehr beeinflussbar werden und so unbewusst immer mehr dieser Art von Meldungen suchen, um sich wiederum in der Angst bestätigen zu können.

Der Schluss, der daraus gezogen wird, ist eine sehr einseitige Berichterstattung, wo uns ein sehr stereotypes Bild vermittelt, um diese Ängste weiter bedienen zu können. Und so befinden wir uns in einer Art Teufelskreis. Die Opfer dieses Mechanismus sind die betroffenen Personen selbst – im Falle meines Beispiels die AsylwerberInnen bzw. Flüchtlinge. Speziell bei diesem Thema kommt es noch erschwerend hinzu, dass sich gewisse parteipolitische Organisationen diese Art von Hetze zu Nutzen gemacht haben, um ihre eigene Machtposition zu stärken und die Ängste und mittlerweile auch Wut der Menschen für ihre Machenschaften zu missbrauchen.

Wie diese Art von Manipulation aussehen kann, zeigt der amerikanische Film „Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ aus dem Jahr 1997 – wie passend, denn aus Amerika kommt der Hype zur Massenhysterie und Panikmache durch die Medien. Wenn euch interessiert, wie die Medien mit unseren Emotionen spielen, dann schaut euch den Film an – vorab der Trailer:

Natürlich können wir diese Art von Berichterstattung nicht stoppen bzw. uns dieser auch nicht entziehen. Was jede/r von uns aber beitragen kann, ist ein gewisses Maß von Reflexion – soll heißen, gewisse Aussagen zu hinterfragen und nicht als die 100%ige Wahrheit zu nehmen. Mir beispielsweise ist stark aufgefallen, dass Nachrichten über Straftaten der Flüchtlinge die Medienlandschaft dominieren – jedoch finde ich kaum Schlagzeilen, die positiv oder wenigstens neutral über diese Menschen berichten, die ja ursprünglich aus Angst und Leid aus ihrem Land geflohen sind. Denn nur weil wir diese Art von Beiträge nicht lesen, heißt es noch lange nicht, dass es sie nicht gibt. Dies ist nämlich ein gefährlicher Trugschluss. Warum diese Art von Beiträgen nicht gebracht werden? Weil die breite Masse solche nicht lesen möchte bzw. diese nicht nicht annehmen würde.

Bewahrt euch eine kritische Haltung und lasst euch nicht in diesen Sumpf mitreinziehen, denn:

Wer eine Menge großer Worte gebraucht, will nicht informieren sondern imponieren (Oskar von Miller)

**Ani**

4 thoughts on “Früher war ja alles besser!

  1. Wenn die Medien jeden Fall dreimal oder hundertmal wiederkäuen, hat man schnell das Gefühl, dass es immer mehr Verbrechen gibt. Außerdem sind früher nicht alle Verbrechen angezeigt worden, gerade bei den Sexualdelikten haben sich die Opfer meistens nicht getraut.
    Wenn man sagt: „Früher war alles besser“, dann ist das eine Verklärung der Realität. Früher war nämlich auch vieles schlechter. Eltern durften ihre Kinder verprügeln, Lehrer ihre Schüler, es herrschte Willkür, einfache Leute hatten keinen Rechtsbeistand usw.
    Früher war manches anders.
    LG
    Sabienes

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