„Wann merken die da oben, dass ich eigentlich gar nichts kann?“

Gehört ihr auch zu jenen Menschen, die von sich selbst überzeugt sind, dass sie eigentlich gar nicht gut in ihrem Job sind? Dann leidet ihr wahrscheinlich am sogenannten „HochstaplerInnen-Syndrom“.

Kennt ihr das, wenn ihr dauernd gute Noten bekommt? Vielleicht dann auch noch den Job, den ihr euch gewünscht habt? Und darüber hinaus noch ein tolles Lob vom/von der ChefIn? Das kann doch alles nur Zufall sein! Irgendwann fliegt alles auf! Irgendwann merkt auch mein/e ChefIn, dass ich eigentlich gar nichts kann und alle meine Erfolge nur auf Zufall und/oder Glück basieren.

Diese Angst, schlechter zu sein, als man wahrgenommen wird, kann einem tagtäglich begleiten. Egal ob im Job oder im Studium, oder aber auch schon in der Schule! Meine ersten Selbstzweifel kamen beispielsweise in meiner Schulzeit hervor: In der Oberstufe bekam ich andauernd gute bis sehr gute Noten – ich muss dazu sagen, dass ich auch dafür gelernt habe, also ganz ohne Fleiß ging es nicht. Doch trotzdem dachte ich mir, dass das nur Glück sein kann: Genau dieses Kapitel hatte ich ja auch so gut gelernt – wäre ein anderes gekommen, hätte meine Note nicht so gut ausgesehen. Dies redete ich mir zumindest immer ein.

Natürlich zog sich diese Einstellung weiter bis ins Studium hinein, und als ich dann mein zweites Studium mit Auszeichnung abschließen konnte, musste es sich ja um ein riesiges Glück handeln – anders war es ja gar nicht möglich! Erst später, als es beruflich auch gut lief und ich auch die Jobs bekam, für die ich mich beworben hatte, eigentlich erst vor wenigen Jahren, da kam es mir: Das kann doch alles kein Zufall sein! 10 Jahre lang nur Glück zu haben? Vielleicht liegt es ja doch auch an meiner Kompetenz…?

Gar nicht so wenige Menschen leiden am HochstaplerInnen-Syndrom (oder auch Impostor-Syndrom). Ursprünglich wurde es sogar als ein weibliches Phänomen dargestellt, doch später stellte sich heraus, dass dies beide Geschlechter betrifft. Es ist jedenfalls ein sehr ernstzunehmendes Syndrom, da jene Menschen, die darunter leiden, tagtäglich einem extrem hohem Stresslevel ausgesetzt sind – sie müssen ja jeden Tag ihre „Unfähigkeit“ vertuschen, und das kostet eben Energie.

Eine Studie hat herausgefunden, dass vor allem beruflich erfolgreiche Menschen darunter leiden: Sie identifizieren sich in einem hohen Maße mit ihrem Beruf, investieren viel Zeit und Mühe und haben zudem meist noch einen gewissen Hang zur Perfektion. Darüber hinaus leben wir in einer Leistungsgesellschaft, wo Erfolge hoch geschätzt werden und ein gewisser Druck an uns allen lastet. All diese Faktoren begünstigen nun, dass Menschen unter dem Syndrom leiden. Ein anderer wichtiger Part, der hier reinspielt, ist natürlich auch die Erziehung. Gerade in der Erziehung von Mädchen spielt Leistung oft keine Rolle, hier zählen andere Werte, wie bspw. das Aussehen und dass sie ja artig sind. Hier kann es dann zu einem Rollenkonflikt kommen, erzielt man außerordentlich gute Leistungen.

So ernst man dieses Syndrom wahrnehmen sollte, so hat es doch auf der anderen Seite auch etwas gutes: Man pusht sich selbst zu Höchstleistungen, da die Wahrnehmung ja eine ist, dass es immer noch nicht genug sei. Natürlich sollte alles in einem „gesunden“ Rahmen ablaufen, sonst driftet man sehr schnell ins Burn Out. Auch mir fällt es teilweise noch schwer zu verstehen, dass meine Erfolge mit meinen Fähigkeiten zusammenhängen und nicht mit irgendwelchen äußeren Umständen. Ich kann euch nur raten: durch eine gute Selbstreflexion könnt ihr das Syndrom erstmal erkennen und damit habt ihr schon einen großen Schritt getan. Selbsterkenntnis ist immer noch der erste Weg zur Besserung. Und dann kann es nur noch bergauf gehen. Falls ihr doch noch manchmal Selbstzweifel haben solltet, dann redet euch immer wieder ein, dass euer Erfolg nicht auf Glück oder sonst irgendeinem Umstand beruht, sondern allein an euren Fähigkeiten!

Glaub an dich und bedanke dich doch einfach, wenn du Komplimente für deine Leistungen bekommst – wie es auch You Tuber Michael Buchinger versucht zu tun 🙂

 

Kennst du das HochstaplerInnen-Syndrom? Leidest du daran oder vielleicht ein/e FreundIn? Wie gehst du oder ihr damit um?

**Ani**

 

5 thoughts on “„Wann merken die da oben, dass ich eigentlich gar nichts kann?“

  1. Das kenne ich zumindest im Ansatz ganz gut. Schlimm wirds dann, wenn man tatsächlich mal eine Phase im Job hat, wo nichts klappen will. Da waren kürzlich schon einige Momente dabei, in denen ich mir wirklich wie eine Betrügerin vorkam.

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