Studium/Arbeit VS. Arbeit/Studium – die ganze Wahrheit über berufsbegleitendes Studieren

Vor einigen Jahren schon ist dieser Trend aufgekommen, sich immer mehr weiterzubilden. Egal, ob viele nun nach ihrer Lehrzeit noch die Matura anstreben oder eben neben dem Job ein Studium beginnen. Eines kann gesagt sein: Es erfordert sehr viel Disziplin, aber nicht nur das…

Wie ich euch ja in meinem ganz persönlichen Blogpost verraten habe, startete ich nach meinem Studium an der Universität Wien, gleich im Anschluss ein berufsbegleitendes Studium – neben meinem Vollzeit-Job. Warum? Einerseits weil ich mich damals bereits entschlossen hatte, in den Personalbereich zu gehen und mir hier die fachlichen Kompetenzen fehlten und andererseits, weil ich mit 24 Jahren endlich richtig Geld verdienen wollte und somit nur ein Studium neben der Arbeit in Frage kam.

Dazu muss ich sagen, dass ich damals so motiviert war mich weiterzubilden, dass ich nur wenig über mögliche Konsequenzen nachdachte. Ich ging also recht unbedarft an die Sache heran und meldete mich sogleich online für das Studium „Arbeitsgestaltung und HR-Management“ an der FH bfi Wien an. Darauf folgte eine Einladung zu einem Aufnahmetest und zu einem persönlichen Gespräch. Der Test war eher recht allgemein gehalten, wo wir aber bereits einschlägige Literatur zum Thema Personalmanagement lernen mussten. Spätestens von diesem Augenblick an wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war, da mich das Thema sehr stark interessierte. Beim Aufnahmegespräch ging es darum, dass ich ich auf der einen Seite die Chance hatte, mich auch persönlich zu präsentieren – so wurden beispielsweise meine Motivation, meine Ziele etc. abgefragt. Auf der anderen Seite zeichneten mir die anwesenden VertreterInnen der FH ein gutes Bild, was mich denn erwarten würde. Nicht nur fachlich, sondern auch in jener Hinsicht, wie sich so ein berufsbegleitendes Studium auf mein ganzes Leben auswirken würde.

Ich muss damals so verbissen gewesen sein, dass ich mir nicht einmal nach diesem sehr offenen Gespräch, Sorgen, Gedanken etc. machte. Ich konnte mir eben nicht wirklich vorstellen, was dies bedeuten und was nun wirklich auf mich zukommen würde. Die Einsicht kam bei vielen anderen dann aber relativ rasch. Zu Beginn, in den ersten Wochen/Monaten des Studiums waren wir noch fast 50 Studierende. Diese bröckelten so nach und nach weg, da sie das Pensum nicht mit ihrem Privat- bzw. ihrem Berufsleben vereinbaren konnten. Auch hier dachte ich mir noch: „Was stellen die sich denn so an?!“ Bei mir kam die Einsicht eigentlich relativ spät: Erst nach dem ersten Semester merkte ich, was so ein Studium wirklich bedeutet: harte Arbeit!

Da der Trend der Weiterbildung und auch des berufsbegleitenden Studierens nicht abreißt, und ich dies generell für eine sehr gute Möglichkeit halte, sich fortzubilden, ohne vielleicht finanzielle Einbußen zu haben, möchte ich meine Erfahrungen daraus mit euch teilen:

You go through hell

Hört sich jetzt vielleicht dramatisch an, aber falls ihr genauso resistent seid wie ich, dann bedarf es schon harter Worte. Ja, so ein Studium nebenbei ist kein Zuckerschlecken. Sich nach einem Arbeitstag, der mind. 8 Stunden beträgt, noch in die FH für ca. 4 Stunden zu setzen und aufmerksam zuzuhören bzw. mitzulernen erfordert viel Disziplin und ein hohes Maß an Eigenmotivation. Zu dieser Zeit hatte ich bereits einen Vollzeit-Job und meine Anwesenheitszeiten in der FH erstreckten sich 4x/Woche (DI & DO von 17:30 bis 21:30, FR von 16:30 bis 21:30 und SA ganztags, also 08:00 bis 16:00 – wobei es auch Ausnahmen gab). Ihr seht, der einzig wirklich freie Tag war also der Sonntag, ansonsten seid ihr ausschließlich mit Arbeit und Lernen eingedeckt. Und wenn die Prüfungszeit naht, dann ist auch diese mit Lernen verplant. Freizeit = 0 und das ev. über 3 Jahre hindurch, wenn ihr bspw. ein Bachelor-Studium wählt!

Say goodbye to your family and friends

Aufgrund dieses hohen Zeitaufkommens, bleibt schon kaum Zeit für euch selbst und demnach auch sehr wenig für eure Familie, PartnerInnen, Freunde etc. Beziehungen gehören gepflegt! Während dieser Zeit ist dies jedoch kaum möglich. Deshalb gilt es hier euer Umfeld zu sensibilisieren: eure Familie wird diese Situation noch am ehesten akzeptieren, da Eltern, Geschwister etc. ein großes Interesse an eurer Zukunft, Karriere usw. haben. Wo es schon schwerer wird, sind eure Freunde. Die müssen mind. 3 Jahre fast komplett auf euch verzichten. Am schwierigsten wird es jedoch bei euren PartnerInnen. Nicht selten zerbrechen Beziehungen an dieser Überbelastung. Denn nicht nur die fehlende gemeinsame Zeit ist daran Schuld. In dieser Ausnahmesituation steht man selbst als Studierende/r so unter Druck, dass man diesen leider oft beim/bei der PartnerIn auslässt. Eine echte Belastungsprobe!

You gain experience and also weight

Die beiden oberen Punkte klingen recht negativ – bitte nicht missverstehen, ich möchte niemanden ein berufsbegleitendes Studium ausreden. Ihr sollt nur ein realitätsnahes Bild bekommen bzw. möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit euch teilen. Diese sind sowohl negativ bzw. eher kritisch, aber natürlich auch positiv. In diesen Jahren lernt ihr so viele neue Leute kennen, von denen ihr künftig profitieren könnt. Nicht nur, dass ihr somit spielend leicht euer Netzwerk erweitert, darüber hinaus sind alle die mit euch durch diese „Hölle“ gehen, LeidensgenossInnen – und diese gemeinsame Erfahrung verbindet. Des weiteren teilt ihr noch dieselben beruflichen Interessen. Es tut auch einfach mal gut, sich mit Menschen zu unterhalten, die euch verstehen und sich ebenso für diese oder jene Themen interessieren. Ihr lernt gemeinsam an neuen Themen, löst neue Aufgaben und lernt extrem viel hinzu, was mich am meisten motiviert hat. Gleichzeitig jedoch, habe ich aufgrund des hohen Stresslevels auch an Gewicht zugelegt. Meine Ernährung war in dieser Zeit alles andere als gesund und ausgewogen. Schnell mal hier einen Snack, kurz mal da eine Tafel (!) Schokolade etc. Und es ging nicht nur mir so, denn dieses Problem tauchte bei fast allen meinen MitstudentInnen auf – egal ob männlich oder weiblich.

Lose or organize yourself

Ihr könnt euch vorstellen, dass bei dieser Belastung euer volles Organisationstalent gefragt ist. Die richtige Zeiteinteilung ist euer halbes Leben – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Verbunden mit einer ordentlichen Portion Disziplin, ist auch berufsbegleitendes Studieren mit ein wenig mehr Freizeit möglich. Tickt ihr so, dass ihr euch disziplinieren könnt, sodass ihr das meiste im Unterricht aufsagt und im Hirn abspeichern könnt, dann Gratulation! Tendiert ihr eher in meine Richtung, sodass ihr nach einem langen Arbeitstag kaum noch Neues aufnehmen könnt und ihr somit alles im Selbststudium nachlernen müsst, dann wird Selbstorganisation zu eurem Mantra, welches euch tagtäglich begleiten wird. Was euch in diesem Fall natürlich sehr hilft und entgegenkommt, sind ggfs. flexible Rahmenbedingungen, die euch euer Unternehmen zur Verfügung stellt, wie zB. Gleitzeit inkl. Gleittage, freie Bildungstage etc. Erkundigt euch am besten im Vorhinein bei eurer Führungskraft, wie euch diese unterstützen kann. Bitte nehmt hier jegliche Hilfe in Anspruch, ihr werdet sie brauchen.

Nochmals: Bitte versteht mich nicht falsch – ich möchte niemanden abschrecken berufsbegleitend zu studieren. Ich selbst bereue es keinesfalls, da mir diese 3 Jahre meines Lebens so viel an Erfahrung und auch Freude gebracht haben. Weiters müsst ihr euch bewusst machen, dass es so viele Menschen gibt, die so ein Studium gerade durchziehen und es irgendwie schaffen, alles zu vereinbaren – learning by doing also. Seht dies als eure persönliche Challenge!

Deshalb: Wovon ich abraten würde, ist so ein Vorhaben bereits im Vorhinein zu stark zu planen und organisieren. Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, ein wenig unbedarft an das Ganze heranzugehen – was jedoch nicht mit Naivität verwechselt werden darf. Die „gesunde Mischung“ ist das beste Maß.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit einem berufsbegleitenden Studium gemacht? Ich freue mich über eure Kommentare!

**Ani**

5 thoughts on “Studium/Arbeit VS. Arbeit/Studium – die ganze Wahrheit über berufsbegleitendes Studieren

  1. Ein wunderschöner Beitrag meine liebe. Vor allem gefällt er mir deswegen, weil es mir selbst genauso geht. Arbeit, Studium, Blog, Haushalt, Mann und Kater XD. Alles unter einen Hut zu kriegen ist halt nicht einfach, aber wenn wir es wollen, dann schaffen wir es auch :). Wichtig ist, nicht aufzugeben und vor allem Menschen um sich herum zu haben, die dich motivieren.

    Mich motivierst gerade du, weil ich weiß, dass es jemanden noch gibt, der im selben Stress ist wie ich und auch alles schafft, obwohl es schwer ist.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg!… Und wir müssen einander motivieren… und hoffentlich bald ins Le Pho zusammen gehen hihi ❤

    Sara von The Cosmopolitas

    1. Hallo Sara! Wow, so ein lieber Kommentar, vielen lieben Dank! Ja, irgendwie schafft man es dann trotzdem, obwohl man im Nachhinein gesehen gar nicht weiß wie man dies gemeistert hat 🙂 Auch du wirst es schaffen, da bin ich mir ganz sicher! Genau, das werden wir auch noch zusammen hinkriegen: Lecker essen ist immer drin 🙂 Ani

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