Talk About: Wollen Frauen führen?

Wer mir auf Snapchat folgt, hat es ja bereits mitbekommen, dass ich vor einigen Wochen zu einer Veranstaltung von Lindlpower Personalmanagement eingeladen war. Dort wurden die Ergebnisse jener Studie über Frauen und Führung präsentiert, die von Karmasin Behavioural Insights erstellt und von Lindlpower Personalmanagement in Auftrag gegeben wurde. Die wichtigsten Ergebnisse habe ich für euch zusammengefasst.

Das Thema Frauen und Führung bzw. welche Verhaltensweisen eine gute weibliche Führungskraft ausmacht, ist ein aktuelles – und dies schon seit Jahren. So wurde diese Untersuchung das erste Mal bereits im Jahr 2006 durchgeführt. Jetzt, 10 Jahre später, wurde diese wiederholt, und die Ergebnisse unterscheiden sich nur marginal. Das Ziel dieser Erhebung war konkret, das Verhalten von Frauen in Hinblick auf das Anstreben von Führungspositionen zu untersuchen. Dazu wurden beide Zielgruppen, also Frauen und Männer, befragt. Insgesamt nahmen 188 Personen österreichweit daran teil (50% Frauen, 50% Männer), wobei sich diese zu jeweils einem Drittel aus dem Top-Management, mittleren Management und BerufseinsteigerInnen zusammensetzen.

Ich möchte euch nun die für mich wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Studie beschreiben und ein bisschen näher darauf eingehen:

Es gibt sie immer noch: die geschlechtsspezifischen Stereotypen 

Wenig überraschend für mich, war die Erkenntnis, dass sich Frauen weiterhin über Soft Skills definieren, Männer hingegen über Hard Skills. So stehen soziale Kompetenzen, Einfühlungsvermögen oder Nachgiebigkeit bei Frauen immer noch hoch im Kurs. Männer hingegen ordnen sich „harte“ Eigenschaften, wie beispielsweise Selbstbewusstsein, Machtorientierung oder Risikobereitschaft zu. Dies hängt meiner Meinung nach immer noch mit den stereotypen Rollenbildern, die es leider noch zu Hauf in unserer Gesellschaft gibt, zusammen. Im Zusammenspiel mit den Werten, die wir in uns tragen, verurteilen wir Frauen, die nicht dem Stereotyp einer Frau entsprechen. Dies wiederum bewirkt die Reproduktion dieser Stereotypen, da Frauen sich anpassen und nicht ausbrechen wollen/können usw. So schließt sich wiederum der Kreis.

Als Frau muss ich mich entscheiden: Karriere oder Familie!?

Erschreckenderweise hat diese Untersuchung ergeben, dass der Wunsch nach einer Familie seit 2006 sowohl unter Männern, als auch unter Frauen rückläufig ist. Frauen verfolgen sogar tendenziell weniger das Ziel Kinder zu bekommen, als Männer. Dies lässt sich auf die vorherrschenden Hemmnisse von Frauen in Führungspositionen zurückführen: Aufgrund der fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. auch durch das fehlende Commitment des eigenen Partners, ist es Frauen unter diesen Umständen nicht möglich, Kinder und Karriere unter einem Hut zu bekommen. In diesem Kontext ist auch die zeitliche Flexibilität ein sehr wichtiger Faktor – im Gegensatz zum Jahr 2006 – geworden. Diese ist sogar entscheidend, ob man es als Frau in eine Führungsposition schafft, oder eben nicht. Dies zeigt, dass es immer noch entsprechende Rahmenbedingungen geben muss, um zumindest in die Nähe der Gleichstellung beider Geschlechter zu kommen bzw. dass diese leider in unserer Gesellschaft fehlen.

Die Bedeutung Führungskraft zu sein – sie könnte kaum unterschiedlicher sein

Frauen setzen ihre Karriere mit Selbstverwirklichung gleich, Männer mit Spaß. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, welche Einstellung hier mehr Erfüllung findet. Es erfordert schon sehr viel, dass ich mich wirklich so fühle, sodass ich mich in meiner Arbeit selbstverwirklicht habe. In vielen Fällen ist es jedoch ein unmögliches Unterfangen. Spaß zu erlangen hingegen, gelingt schneller und einfacher. Schon alleine dieser kleine, aber feine Unterschied, schlägt sich auf alle anderen Erwartungen durch. In der Studie gaben die Frauen an, dass sie Selbstverwirklichung mit Entscheidungsbefugnis, einem hohen Gehalt sowie einem schönen Büro gleichsetzen. Macht hingegen steht für sie kaum im Raum. Anders bei den Männern: Neben dem Spaß, der für sie Karriere bedeutet, sind für sie entsprechende Aufstiegsmöglichkeiten und die Verwirklichung ihrer Ziele grundlegend. Darüber hinaus geben Frauen immer noch an, dass ihnen ihre Karriere „passiert“ ist (vor allem im mittleren Management), sie streben diese also nicht aktiv an – im Gegensatz zu den Männern, die ihre Führungsfunktion auf ihren Ehrgeiz zurückführen.

Mein Fazit:

Die Studie zeigt sehr gut auf, dass sich in den letzten 10 Jahren in dieser Hinsicht nur sehr wenig getan hat. Erschreckend, wenn man bedenkt was 10 Jahre sind und wie viel sich in dieser Zeit in unserer Gesellschaft getan hat. Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass es immer noch an geeigneten Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft mangelt, die es ermöglichen, dass auch Frauen ihre Karriere verfolgen können. Denn wenn es bereits hier hakt, dann nutzt es mir sehr wenig, die richtige Einstellung zu diesem Thema zu haben und beispielsweise aktiv eine Führungsposition anstrebe. Fehlen bspw. geeignete Kinderbetreuungseinrichtungen, wird auch der innere Konflikt zwischen Kind und Arbeit, den Frauen immer noch mit sich ausfechten, nur noch weiter geschürt.

Es gibt also noch viel zu tun!

**Ani**

P.S.: die gesamte Studie könnt ihr direkt hier kostenfrei und als pdf anfordern

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