HR Inside Summit Vienna 2016

Letzte Woche war es endlich soweit: Die HR Inside Summit in der Wiener Hofburg öffnete ihre Pforten und ich war live dabei. Das Programm versprach im Vorfeld ja schon recht viel: internationale Speaker mit Top Themen, diverse Sessions, wo man noch tiefer in die Inhalte eintauchen konnte, uvm. Ob es diese Erwartungen erfüllt wurden?

Mittwoch, 12. Oktober 2016 – 08:00 Uhr – Hofburg, Wien. Der Einlass inklusive Registrierung startete pünktlich und ich mittendrin. Nach dem Check In, suche ich mir auch gleich 2 Sessions aus, die ich an diesem Tag besuchen konnte. Dies funktionierte alles elektronisch, und so wurden meine gewählten Sessions auf meiner Besucherkarte via Chip vermerkt. Ich muss zugeben, ich war ja bereits Tage vorher sehr aufgeregt und freute mich schon sehr auf das Event.

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Vielleicht ist es ein bisschen vergleichbar mit der Fashion Week für Fashionistas und Modebegeisterte: An diesen beiden Tagen bekommt man Persönlichkeiten aus aller Welt zu Gesicht, die über die neuesten Trends und Topthemen im Bereich Human Resources erzählen. Und all dies in einem überaus tollen Ambiente und sehr professionell organisiert.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den diesjährigen Moderator Christian Clerici, startete der sympathische deutsche Psychologe Nico Rose mit seinem Vortrag „Der ROFL-Faktor (Return On Flourishing): Über Einsatz und Wirkung von Positiver Psychologie im Management“. Er streicht deutlich heraus, wie Unternehmen mit Förderung eines sinnhaften produktiven Arbeitslebens „mehr Cash inne Täsch“ bekommen. Wichtig ist ihm auch, dass MitarbeiterInnen nicht „falsch“ belohnt werden. Soll heißen, erhalten MitarbeiterInnen für sie nicht erkennbare außerordentliche Leistungen eine Belohnung, so ist die Freude kurzfristig vielleicht da, kann sich jedoch ganz schnell in Demotivation auswirken – da der Sinn dahinter für sie nicht erkennbar ist. Generell sollten sich Unternehmen als Ziel setzen, ihre MitarbeiterInnen in einer richtigen Art und Weise glücklich zu stimmen, denn:

Glückliche MitarbeiterInnen…

  • … sind motivierter und müssen weniger durch externe Anreize motiviert werden
  • … werden weniger häufiger krank
  • bleiben länger im Unternehmen und empfehlen die Firma häufig aktiv weiter
  • … sind kreativer – positive Emotionen lassen uns spielerisch werden und machen uns offen für Neues
  • … sehen mehr Sinn in ihrer Arbeit – dies ist die stärkste Motivation überhaupt

Diese Idealsituation für Unternehmen kann nur durch ihre Führungskräfte gelingen. Rose streicht hier die Wichtigkeit des für ihn definierten KARMA’s heraus: Klarheit, Authentizität, Respekt, Mehrwert, Autonomie.

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Der nächste Vortrag war auch gleich der erste internationale: Kim Wylie vom Londoner GOOGLE Office sprach über „Inspiring a Culture of Innovation Through Change“. Möchte man seine MitarbeiterInnen verändern, also einen so genannten Change oder Turn in ein Unternehmen hineinbringen, so sollte man diese 3 Ebenen ansprechen: Head (rational), Heart (emotional) & Feet (behavioural). Wie dies bei GOOGLE geschieht? Kim gab folgende 6 Insights:

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Mit diesen 6 Faktoren, lässt sich nun der Erfolg von GOOGLE erklären, bzw. warum die MitarbeiterInnen so zufrieden mit dem Unternemen sind.

Nach diesem sehr inspirierenden Vortrag, folgte auch schon der nächste internationale Gast: Jonathan Reichental aus dem Silicon Valley sprach über Führungskräfte als Inspirationsquelle und nicht als ManagerInnen: „Stop Managing. Start Inspiring!“ Seine sehr interaktive Rede beinhaltete auch 5 Aufgaben, die seiner Meinung nach Führungskräfte zu erfüllen hätten:

  1. Direct
  2. Plan
  3. Make things happen
  4. Problem solver
  5. Inspire

Weiters versuchte er das Publikum hinsichtlicher der Bedeutung verschiedenster Belohnungsmechanismen zu sensibilisieren. Es wurde schnell klar, dass Geld und der Arbeitsplatz keine guten und langfristigen Motivatoren sind. Anders dagegen bei den Themen Jobsicherheit, Kommunikation, Wertschätzung und vor allem bei der Inspiration. Danach erkor er uns alle – da HR ja die Aufgabe zur Unterstützung der Führungskräfte im Unternehmen hat – zu CIO’s (= Chief Inspiration Officer).

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Gegen Mittag folgte auch schon meine erste selbstgewählte Session. Da ich mich persönlich sehr für die fortschreitende Digitalisierung unserer Arbeitswelt interessiere, sprach mich natürlich sofort das Thema „Mobile Working“ an. Herbert Lohninger von der Donau-Universität Krems, griff dieses Thema auf und erklärte dem ausgewählten Publikum alles rund um die 2 wichtigsten PartnerInnen im Unternehmen, die hier eingebunden werden müssen: Die Rechtsabteilung und die IT. Datenschutz ist diesbezüglich ein sehr wichtiges, aber gleichzeitig auch schwieriges Thema. Weiters sollte man sich bereits vor der Einführung eines mobilen Arbeitsplatzes über folgende Aspekte Gedanken machen:

  • Welche Auswirkungen hat dies auf die Zusammenarbeit? (Teammeetings, persönlicher Kontakt/Austausch etc.)
  • Reaktionszeiten auf Mails, Anrufe etc.
  • Welche Kontrollen sollen eingeführt werden? (Arbeitszeit, Einhaltung Datenschutz, Leistung etc.)
  • Wie kann aus IT-Sicht unterstützt werden? (Lösungen, Tools, Richtlinien, Support)

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Nach diesen tollen Inputs bzw. diesen vielseitig gestalteten Vormittag, ging es für mich in die wohlverdiente Mittagspause. Nach einer kleinen Stärkung, besuchte ich die verschiedenen Firmen, die in den Gängen der Wiener Hofburg ausstellten und sich mit ihren Dienstleistungen und Produkten präsentierten. Darunter waren nicht nur Nespresso, die uns mit Kaffee verwöhnten, sondern auch viele Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen, wie Weiterbildung, Gastronomie/Hotels, Büroeinrichtung, Massage/Feng Shui oder Human Resources Dienstleistungen.

Schon ging es mit meiner nächsten Session weiter, auf die ich schon besonders gespannt war. Sabine Prettenhofer und Ralf Tometschek von Die Identitäter (DIE Expertinnen, wenn es um Employer Branding gehen) sprachen über „Personal Branding“, wie man also als MitarbeiterIn zur Marke wird. Da eine gute Selbstvermarktung ja nie verkehrt ist, lauschte ich hier ganz besonders. Die beiden ExpertInnen gaben beispielsweise Tipps, wo man am besten vertreten sein sollte.

Natürlich spielt hier der Bereich Social Media die größte und wichtigste Rolle. Ein Must-Have ist diesbezüglich ein XING und/oder LinkedIn Account, der aktuell gehalten ist und ein ansprechendes Bild beinhaltet. Als nice 2 have empfehlen die ExpertInnen weiters Accounts bei Facebook, Instagram, Twitter oder Snapchat. Eine sehr gute Methode, wie man in der digitalen Welt auf sich aufmerksam machen kann, ist Gastartikel auf den einschlägigen HR Blogs zu verfassen: HR Web, Buckmanngewinnt, Wollmilchsau etc. Doch nicht nur die digitale Präsenz sollte stimmig sein, sondern auch die persönliche. So gibt es beispielsweise noch die Möglichkeit, in den klassischen Medien wie z.B. in Zeitschriften zu erscheinen (in Form von Gastartikel) oder auch an einschlägigen Events teilzunehmen und zu Netzwerken.

Die beiden Identitäter gestalteten auch ihren Vortrag sehr interaktiv: Deshalb gab es neben dem fachlichen Input, auch gleich eine kleine Aufgabe zu lösen. In 2er Gruppen ging es nun darum auf sich selbst zu schauen und seine persönlichen Stärken zu definieren. Diese galt es dann weiters zu Clustern und Oberbegriffe dafür zu finden, welche dann in 2-3 Werte niederzuschreiben waren. Daraus ergab sich dann ein individuelles Motto, welches als Leitbild oder auch Orientierungshilfe dienen kann.

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Nach diesem sehr wertvollen Input ging es zum Side Event der HR Inside Summit, nämlich der Arbeitswelt 4.0. Hier gab es weitere ExpertInnen-Diskussionen zu den verschiedensten Themen. Ich wählte die Diskussion zum Thema Weiterbildung der Zukunft, wie also moderne Personalentwicklung aussehen kann. Präsenz-Veranstaltungen, wie Seminare, können auch in Zukunft nicht ersetzt werden, der Trend geht aber sehr stark in Richtung Blended Learning, sodass Seminare direkt im PC-Arbeitsplatz besucht werden können.

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Dann hieß es schnell wieder den Raum switchen, denn die nächste Key Note von Stephan Grabmeier zum Thema „The Rhythm of New Operating Systems – HR Next Generation“ startete. Er meinte, dass wir zukünftig nicht mehr über den „War of Talents“ sprechen, sondern über den „War of Operating Systems“ aufgrund der zunehmenden Digitalisierung. Weiters startete er seinen Vortrag mit einem sehr interessanten Zitat von Tom Goodwin, nämlich:

UBER, the world’s largest taxi company, owns no vehicles. FACEBOOK, the world’s most popular media owner, creates no content. ALIBABA, the most valuable retailer, has no inventory. And AIRBNB, the world’s largest accommodation provider, owns no real estate. Something interesting is happening.

Weiters sieht Grabmeier folgende 6 neuen „HR Principles“ für die Zukunft:

  1. Werde messbar wie dein CFO (Datenqualität und Messbarkeit der Erfolge im HR)
  2. Lerne agile Methoden (mehr Experimente im HR, wie HR Garage, neue Haltung einnehmen)
  3. Nutze intuitive Analysen (Beispiel: Lego Serious Play für Visionsbildungen und Projektscopings oder Pain Mapping)
  4. Denke User zentriert (mit Methoden wie Metro Mapping für Feedback Management etc.)
  5. Werde digital (Social Media ist Wissenstransfer; Digitalisierung der HR-Prozess sowie Vernetzung der MitarbeiterInnen durch neue Formate, wie Jam-Sessions etc.)
  6. Agiere in 3 Dimensionen (Design der Organisation – Technologie als Infrastruktur – Verhaltensänderung und Befähigung)

HR muss sich als Treiber und nicht als der Getriebene positionieren!

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Nach diesem sehr mitreißenden Vortrag, ging es leider schon in den Endspurt. Dafür wurde es nochmals so richtig international und dynamisch: Michael Kim, Global HR Manager bei Spotify sprach über „Life At Spotify – Driving Culture in Hyper Growth Mode“ und gab Einblicke in die Werte des Unternehmens sowie über das Management der MitarbeiterInnen unter dem Zustand „hyper-growth-mode“

Michael Kim punktete beim Publikum mit den verschiedensten Imagevideos von Spotify, die – wie soll es auch anders sein – sehr durch die Musik geprägt waren. Die MitarbeiterInnen auf der ganzen Welt vereinten sich aufgrund ihrer Liebe zur Musik, in dem sie Playback zu einem selbstgemachten Remix sangen. Weiters erzählte er von der Initiative „Passion Tour“, wo HR jeden Spotify Standort besuchte und mittels Workshops ihre MitarbeiterInnen befragten, was sie mit Spotify verbinden bzw. was sie brauchen, um sich dort entfalten bzw. sich weiterentwickeln zu können. Weiters bat man sie, 5 Keywords zu formulieren, welche Werte sie mit dem Unternehmen verbinden:

  1. Collaborative
  2. Innovative
  3. Passionate
  4. Playful
  5. Sincere

Diese 5 Werte stehen nun für Spotify, bilden das Wertesystem und werden in regelmäßigen Abständen evaluiert. Diese dienen weiterführend als Grundlage, und alle weiteren Strategien/Projekte etc. werden darauf aufbauend gebildet. In den letzen Jahren ist das Unternehmen stark gewachsen. So rekrutiert Spotify heuer 5mal mehr Personen als noch im letzen Jahr (hyper-growth-mode). Die Strategie dahinter klingt simpel: Finde die besten Recruiter, die wiederum die besten MitarbeiterInnen finden. Auch das Onboarding ist sehr speziell und soll demnach zu einer unvergessliche „Onboarding experience“ werden: Alle neuen MitarbeiterInnen auf der ganzen Welt werden für 3 Tage in das Headquarter nach Stockholm geflogen, um sich untereinander zu vernetzen und sich kennenzulernen.

Weiters legt Spotify ein großes Augenmerk auf Performance Development, wobei hier das Development im Fokus liegt (im Gegensatz zu Management): „We do it in a Spotify way!“

  • Mindset on Growth
  • Development
  • Motivation
  • Dialogue, Conversations
  • No heavy Admin
  • Leadership / Empowering to grow their own careers

Dafür gibt es spezifische Leadership Programme, um die Führungskräfte dahingehend zu briefen, auf welche Punkte sie in der Führung achten bzw. Wert legen sollen.

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Mein Fazit:

Ein MUSS für jede/n PersonalistIn! Dieser Tag hat mir so viele neue Erkenntnisse, Perspektiven und vor allem Inspiration gebracht. Vielen Dank an dieser Stelle für die tolle Organisation und die TOP Key Speaker. Meine Erkenntnis: HR goes Digital! Gerade im Personalwesen haben wir viel Aufholbedarf – wir dürfen nicht stehenbleiben und die digitalen Neuerungen an uns vorbeiziehen lassen, denn sonst werden auch die BewerberInnen bzw. zukünftigen MitarbeiterInnen an uns vorbeiziehen. Hier gilt es noch das Mindset zu ändern und dahingehend zu bewegen. Wir müssen offener für die digitale Welt werden, natürlich vernünftig und umsichtig damit umgehen, jedoch nicht ignorieren und es als einen kurzlebigen Trend „abtun“. Speziell in Österreich stecken wir noch sehr in den Kinderschuhen, das haben zumindest die internationalen Speaker verdeutlicht.

Der Oktober 2017 wird auf jeden Fall in meinem Kalender für die nächste HR Inside Summit vorgemerkt!

**Ani**

 

P.S.: eine weitere Zusammenfassung des Events von der lieben Eva (HRweb.at) findet ihr hier

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