Krank in die Arbeit? Wie uns der Präsentismus langfristig schadet!

Hier ein Schnupfen, da ein Räuspern, dort ein Niesen – es ist November, also Winter und die Grippe- und Schnupfenzeit ist angebrochen. Wie jedes Jahr. Und auch jedes Jahr quälen sich viele ArbeitnehmerInnen trotz Krankheit in die Arbeit. Warum dieser Präsentismus nicht zu unterschätzen ist und man sich eigentlich nichts Gutes tut…

Die letzte Arbeitswoche war ein regelrechter Horror für mich: Es sind gerade so viele Menschen auf die unterschiedlichste Weise krank. Anstatt zu Hause zu bleiben und sich auszukurieren, kommen sie aber ins Büro und versuchen ihre Arbeit zu erledigen. Doch dies geht meistens schief, da sie ja gar nicht fähig sind, sich zu konzentrieren.

Ich darf mich beim Präsentismus nicht ausnehmen. Auch ich bin schon öfter krank in die Arbeit gegangen, weil noch etwas dringend fertiggestellt werden musste oder wichtige Termine anstanden. Gut getan hat es mir nie. Auch meine Fehlerquote schoss in die Höhe und ich ärgerte mich im Nachhinein, warum ich dies gemacht hatte. „Es dankt dir sowieso niemand, wenn du krank zur Arbeit kommst“ – dies ist ein Satz, den man in diesem Zusammenhang häufiger hört. Ich persönlich stimme diesem nicht zu, denn jede/r von uns ist soweit selbstbestimmt zu entscheiden, wenn es besser ist zu Hause zu bleiben und sich auszukurieren.

Es gibt aber Menschen, die immer wieder krank in der Arbeit erscheinen und dann den ganzen Tag leidend im Büro sitzen. Jedem/Jeder KollegIn erzählen sie dann leidvoll, wie schlimm es denn ist und welche Symptome sie nicht gerade quälen. Keine Ahnung, ob sie dies aufgrund von Rechtfertigung tun, sodass ja jede/r sieht und damit glaubt, dass sie nun wirklich krank sind oder um einfach Aufmerksamkeit zu erregen und sich in den Mittelpunkt stellen zu können. Eines ist jedenfalls sicher: Es nervt!

Dann gibt es auch wiederum jene Menschen, die – und das meist zurecht – Angst haben ihren Job zu verlieren und deshalb krank in der Arbeit erscheinen. Dies ist die schlimmere Form und auch jene, die sehr stark auf die Psyche schlägt. Aufgrund des hohen Leistungsdrucks bzw. der Sorge um finanzielle Einbußen, schleppen sich viele krank an den Arbeitsplatz. Es gibt sogar Unternehmen, da gehört es „zum guten Ton“, nicht zu Hause zu bleiben und in jeder Lebenslage zu erscheinen. Fakt ist, dass hier die Führungskraft als Vorbild dienen muss. Erst wenn diese bei Krankheit zu Hause bleibt und die eigene Gesundheit priorisiert, werden die MitarbeiterInnen guten Gewissens nachziehen.

Denn dieser Präsentismus kann fatale Folgen haben:

… because it’s your fault!

Krank zu arbeiten führt zu einer höheren Fehlerquote beim Abarbeiten der Agenden. Dies ist Fakt. Sobald die eigene Batterie nicht voll ist, läuft man nur auf Sparflamme und kann keine 100%ige Leistung mehr bringen. Die Konzentration schwindet und die To Do’s werden halbherzig erledigt, sodass diese einfach erledigt sind. Weiters ist effizientes Arbeiten nicht möglich, weshalb gewisse Arbeiten länger benötigen als sonst. Unter’m Strich ist ein/e kranke/r MitarbeiterIn ein/e teure/r MitarbeiterIn! Je mehr Fehler entstehen, desto weniger haben auch wiederum KollegInnen ihre Freude, die diese den Schaden eventuell wieder ausmerzen müssen.

… because it’s selfish!

Einfach gesagt: es ist ein egoistischer Akt, sich krank ins Büro zu schleppen! Denn schon auf dem Weg ins Büro, hat man vermehrten Kontakt mit anderen Personen, die man so wiederum ansteckt. Das perfekte Beispiel sind die öffentlichen Verkehrsmittel. In der Winterzeit mutiert die U-Bahn zum Bakterienherd. Es ist jedes Jahr ein Graus! Hat man den Bazillendschungel dann bewältigt, tauchen dann noch die kranken KollegInnen auf, die durch diesen falschen Präsentismus glauben, sie tun einem dann etwas Gutes. Falsch gedacht. Was soll denn Bitte daran gut sein, die bis dato gesunden KollegInnen anzustecken? Fällt die halbe Abteilung aufgrund von Krankheit aus, wird auch der/die ChefIn keine Freude haben.

… because it’s harmful!

Dieser Präsentismus geht ja vielleicht ein paar Jahre gut, denn unser Körper hält schon recht viel aus und vor allem durch. Doch je älter wir werden, desto weniger verzeiht uns unser Körper dieses Verhalten. Er merkt sich jedes einzelne Mal, wo wir ihn überlistet, übergangen und nicht auf ihn gehört haben. Nicht nur einmal habe ich darüber gelesen, dass bereits junge ArbeitnehmerInnen  aufgrund einer nicht-auskurierten Grippe sogar gestorben sind. Dieses Thema darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Die eigene Gesundheit ist das höchste Gut! Sie lässt sich nicht mit Geld kaufen, und es gilt sie zu hegen und zu pflegen. Bitte überlegt künftig, ob es nicht für euch und für euer Umfeld besser wäre, wenn ihr ein paar Tage zu Hause im Bett verbringt – dafür aber wieder fit und gesund im Büro erscheint um wirklich 100 % geben zu können!

**Ani**

5 thoughts on “Krank in die Arbeit? Wie uns der Präsentismus langfristig schadet!

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