Der Rotstift ist passé! Mein Plädoyer für eine zeitgemäße Fehlerkultur

„Mist, jetzt hab ich das schon wieder verbockt!“ Die Suche nach dem/der Schuldigen ist eine weitverbreitete Art mit Fehlern umzugehen. Nicht nur in Unternehmen, sondern es beginnt oft schon zu Hause, im Kindergarten, in der Schule, in der Universität etc. Wer Fehler begeht ist dumm, und da wir alle nicht als dumm abgestempelt werden wollen, schauen wir darauf, dass eben keine Fehler passieren. Dies wurde uns jedenfalls so eingetrichtert, doch ist diese Haltung überhaupt noch zeitgemäß?

„Wo gehobelt wird, dort fallen Späne!“, so ein altes bekanntes Sprichwort, welches ManagerInnen oft als Synonym dafür verwenden, dass Fehler in einer gewissen Art und Weise erwünscht sind. Denn nur jemand, der wirklich arbeitet und auch Neues ausprobiert, dem können Fehler passieren. Allen anderen, die sich eher zurückziehen und nur nach einem Schema arbeiten, denen wird so schnell nichts passieren. So die Theorie! In der Praxis sieht es dann doch recht anders aus.

Denn unterläuft mal ein Fehler, wird kurzerhand ein/e Schuldige/r gesucht. Es muss anscheinend eine Genugtuung sein, den/die ÜbeltäterIn dann gefunden und zur Rede gestellt zu haben. Da ist die Theorie, dass Fehler ja einer Lernerfahrung und Weiterentwicklung gleichkommen ganz schnell dahin: „Aus Fehlern wird man schlau!“ Doch warum haben wir hier diesen Gap zwischen Theorie und Praxis?

Wie fast alles, beginnt sich auch dieser Habitus in der primären Sozialisation, also in der frühen Kindheit zu manifestieren. Schon wir wurden so erzogen, dass Fehler bestraft werden, jedoch erwünschtes Verhalten oft nicht gelobt wird. Der Fokus ist somit auf dem devianten Verhalten (= Handlungen, welche den gesellschaftlichen Regeln und Erwartungen widersprechen), welches auch in der sekundären Sozialisation (Schulzeit) mit dem Rotstift, als „Fünfer“, als „Sitzenbleiben“ oder als Minus bestraft wird. Speziell alle Verhaltensweisen, die wir in der primären und sekundären Sozialisation „angelernt“ bekommen, speichern sich sehr tief in unser Selbstbewusstsein, in unser Handeln und unsere Denkweise.

Somit ist klar, dass man als Erwachsene/r dementsprechend handelt, überhaupt dann, wenn man sich noch in einer Situation befindet, wo sehr viel Druck ausgeübt wird – sprich, in einer Führungsposition, wo es gilt Unternehmensziele zu erfüllen. Trotzdem bedeutet Führung, beides unter einem Hut zu bekommen, also seine MitarbeiterInnen weiterzuentwickeln und die Ziele gemeinsam mit dem Team zu erreichen. Ja, dies ist sehr herausfordernd und trotzdem DIE Aufgaben einer Führungskraft schlechthin. Ihr seht, Führungsarbeit lässt sich nicht so nebenbei erfüllen und erfordert ein hohes Augenmerk und Empathie. Mehr zum Thema Führen & Führungskraft, habe ich euch bereits hier zusammengefasst.

In der heutigen Zeit, die eine sehr schnelllebige ist und wo man die Möglichkeit hat, Ideen auch recht rasch in die Tat umzusetzen, ist hier unbedingt ein Umdenken notwendig. Konzentrieren sich Unternehmen zu sehr auf die Suche nach einem/einer Schuldigen, so verpassen sie die Chance, ihre Fehler ins Positive zu kehren. Der Fokus sollte jedenfalls auf der Lösung des Problems liegen. Alle Kräfte sollten so mobilisiert werden, aus Missständen zu lernen und nicht nach Schuldigen zu suchen. Passiert dies nicht, so kann man ganz schnell von jenen überholt werden, die eine zeitgemäße Fehlerkultur leben.

Das Symbol des Rotstifts sollten wir mit unserer Schul- und Studienzeit ablegen und gleichzeitig auch abhaken. Das Wort „Fehler“ sollte kein schweres Schlucken oder gar Angstzustände bei uns verursachen, denn alle großen Errungenschaften in unserer Welt passierten nicht ohne dass die daran Beteiligten mindestens einmal daran gescheitert sind. Es ist also eine Utopie zu glauben, dass „alles glatt läuft“ und dies zum Erfolg führt. Im Gegenteil: Es geht darum Fehler zu machen, diese zuzulassen, aber unbedingt daraus zu lernen! Denn nur dann kann Großes entstehen…

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Fehlerkultur in eurem Umfeld gemacht? Werdet ihr öfter für Fehler bestraft oder doch für Erfolge gelobt?

**Ani**

 

8 thoughts on “Der Rotstift ist passé! Mein Plädoyer für eine zeitgemäße Fehlerkultur

  1. Hallo Ani,
    in der Tat ist das so ne Sache mit der Fehlerkultur. Bei kleinen Fehlern ist man des öfteren gnädig und besinnt sich des Credos, die Sache zu betrachten, das Fehlverhalten zu korrigieren, die Person an sich aber nicht persönlich anzuprangern. Bei größeren Vergehen wendet sich das Blatt und man fragt sich als Mitarbeiter, wer hier noch glaubwürdig ist. Es wird persönlich angegriffen, beleidigt und gepoltert, was das Zeug hält. Ich habe beide Formen erlebt und bin mittlerweile der Meinung, dass eine reine Sachbetrachtung nur dann möglich ist, wenn die eigenen Glaubenssätze kritisch hinterfragt und Werkzeuge zum konstruktiven Feedbackgeben erlernt wurden. Andernfalls kommt man immer wieder zu den negativen Gefühlen des Versagens zurück, egal, ob die Ursache bei einem selbst oder beim Gegenüber lag.
    LG
    Ewa

  2. Fehler passieren, das ist ganz normal.
    Ich kann nur aus Erfahrung sprechen, dass ich durch meine Fehler lernen konnte. Zum Beispiel in der Arbeit, als ich dort neu angefangen und mal etwas falsch gemacht habe, hat mich meine Kanzleileiterin darauf aufmerksam gemacht (hatte zum Glück nie welche, die mich gleich runter machen wollten deswegen) und dafür habe ich mir das für die Zukunft gemerkt und diesen Fehler dann nicht mehr so schnell bzw. gar nicht mehr gemacht.
    Schöner Beitrag wiedermal 🙂

    Liebe Grüße, Patricia

  3. Wiedermal ein Text zum Nachdenken. Fehler sind menschlich, aber ich habe mir wirklich noch nie darüber Gedanken gemacht, dass es mir anerzogen wurde, jemand Schuldigen zu finden. Mittlerweile gestehe ich mir meine Fehler ein, allerdings war das früher ganz anders, wenn ich an meine Teenie-Zeit denke…

    xx,Trixi

    1. Kommt mir sehr bekannt vor – aber ich denke die Teenie Zeit ist auch da, sich zu finden und festzulegen was man für sich möchte und was nicht.. also alles ein Lernprozess 🙂

  4. Also ich benutze immer den Spruch, es gibt keine positiven oder negativen Erfahrungen – nur Erfahrungen aus denen man lernt, also kann man nichts falsch oder Fehler machen, denn alles bringt einen weiter und man lernt daraus! Dein Beitrag ist wirklich toll und macht nachdenklich und ich finde es schön, wie du ihn mit dem Rotstift als Symbol untermalt hast!

    Liebe Grüße

    Nicky

    1. Da hast du Recht – nur im Alltag wird dies oft schnell vergessen.. Somit muss man sich dies immer wieder ins Gedächtnis rufen.. Danke liebe Nicky!

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