„It’s my way – or the Highway?“ Meine Gedanken zu gut gemeinten Karriereratschlägen

Keine Ahnung warum ich in letzter Zeit so nachdenklich bin, vielleicht weil gestern mein 33. Geburtstag war? Rund um solche Ereignisse im Leben lässt man gerne mal das bisherige Leben Revue passieren bzw. reflektiert man gewisse Entscheidungen, Verhaltensweisen, Ratschläge etc. Deshalb gibt es heute einen sehr persönlichen Karriere-Post…

„Im Leben geht es nicht darum zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht, sondern zu lernen im Regen zu tanzen.“

In jedem Leben bzw. in jeder Karrierelaufbahn gibt es Höhen und Tiefen: Jede/r von uns erlebte schon mal tolle Momente (neuer Job, Beförderung, Gehaltserhöhung etc.), auf die wir stolz waren, doch auch jede/r von uns musste bereits mit den Tiefen kämpfen (Jobverlust, massive Kritik an der Arbeitsweise, Scheitern eines Projekts etc.). Wichtig ist aber, dass man aus den positiven sowie vor allem aus dem negativen Erfahrungen seine persönlichen Erkenntnisse zieht und sich daraus weiterentwickeln kann.

Doch wie weiß ich, ob es mich „in die richtige Richtung“ zieht? Was ist überhaupt das Erstrebenswerte – wo soll mich mein Weg künftig hinführen? Welche Verhaltensweisen sind „die richtigen“, die mich auf diesem Weg begleiten? Besteht eine Karriere darin, so zu sein wie andere es für richtig halten oder ist es nicht besser, in sich hineinzuhören und auf sich selbst zu Vertrauen? Auf wen kann ich denn überhaupt vertrauen oder bin ich doch auf mich allein gestellt?

BE CAREFUL WITH ADVICES!

Diese Fragen sind so essentiell und doch kann mir niemand eine Antwort darauf geben. Es gab bereits einige Menschen in meinem beruflichen Umfeld, die mir Ratschläge erteilten. In diesem Moment war ich mir nicht immer sicher, ob ich auf sie hören sollte oder nicht. Zu Beginn orientierte ich mich eher bezogen auf die jeweilige Position des Ratschlaggebenden à la „Mein Chef wird mir ja wohl – schon aufgrund seiner langjährigen Berufs- und Lebenserfahrung – keinen Blödsinn einreden wollen?!“ Heute kann ich sagen: gut gemeinte Ratschläge haben nicht mehr Qualität und Sinn, nur wenn sie von einer langjährigen Führungskraft bzw. einer Person mit mehr Lebenserfahrung kommen. Hätte ich damals vor vielen Jahren auf meine damalige Führungskraft gehört und hätte deren Rat befolgt, hätte ich niemals im HR-Bereich Fuß gefasst, denn er meinte, ich hätte dafür kein Gespür und kein Potential – ich wäre, kurz gesagt, einfach zu naiv für diesen Beruf.

Jahre später bin ich heilfroh, in der damaligen Situation auf mein eigenes Bauchgefühl gehört zu haben bzw. meiner Intuition gefolgt zu sein. Irgendwas in mir sagte, dass ich diesen Weg weiterverfolgen soll und ich tat es auch: Ich begann mein HR-Studium und suchte weiter nach Jobs in diesem Umfeld. Jetzt bin ich glücklich in meinem Job und in diesem Umfeld und weiß nun, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war. Auch diesen Umstand sehe ich nicht als selbstverständlich an, auch nicht, dass es Personen im meinem beruflichen Umfeld gibt, die mich fordern aber auch fördern wollen. Denn auch dies ist eine Seltenheit: Menschen, die das individuelle Potential erkennen und die persönliche Entwicklung unterstützen.

IT’S ALL ABOUT STEREOTYPES!

Es gibt jedoch gewisse Ratschläge speziell von Personen, die ich wirklich schätze bzw. auch deren Taten ich zu schätzen weiß, die ich jedoch nicht wirklich zuordnen und greifen kann. Es sind gut gemeinte Ratschläge, das mit Sicherheit! Jedoch zeigen sie auch nur eine gewisse Sicht der Dinge auf. Nämlich jene Sicht von diesen bestimmten Personen, die wiederum eine individuelle Vergangenheit, Sozialisation und damit eigene Erfahrungen haben. Ist es dann so, dass diese Ratschläge auch für mich gelten müssen? Aber nicht nur die jeweilige individuelle Vergangenheit spielt hier eine Rolle, sondern es kommt auch noch die geschlechtsspezifische Komponente hinzu. Und die Aussagen in der letzten Woche, von Männern, die im Parlament sitzen und unsere Zukunft gestalten sollen, zeigten, dass sehr wohl noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern „gemacht“ (nämlich im wahrsten Sinne des Wortes) werden.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese gut gemeinten Ratschläge auch für mich zutreffen sollen bzw. ob ich die damit verbundenen Erwartungen überhaupt erfüllen kann? Muss ich mich nun als nun 33-jährige entscheiden, ob ich den Weg als „junge Business Lady“ einschlagen will oder auf meinem bisherigen Weg als „normale junge Mitarbeiterin“ bleibe? Wie ihr wisst, hasse ich es in Stereotypen zu denken, doch wenn euch genau diese Frage gestellt wird, dann beginnt ihr automatisch zu überlegen, für welche Schublade ihr euch entscheiden würdet. Dabei stellt sich für mich die Frage, ob nicht gerade diese „gut gemeinten“ Ratschläge es auch verursachen, diese Schubladen aufzumachen und sich darin einzunisten – sprich, zu einem stereotypen Verhalten führen? Denn: „Als Business-Frau musst du diese und jene Verhaltensweisen an den Tag legen, denn sonst entsprichst du nicht dem Bild der Gesellschaft und kommst eben nicht weiter!“

Muss ich mich in diese Schublade drängen lassen, nur um dazuzugehören, um Karriere machen zu können? Oder ist es nur ein Irrglaube, dass dies der einzig gültige Weg sein muss – geht es nicht doch anders? Geht es nicht auch, wenn ich einfach ich bin? Oder hat mein Ich, mit all den positiven und negativen Eigenschaften, keine Berechtigung Karriere zu machen, nur weil man nicht einem Stereotyp entspricht, den die Gesellschaft (also wir alle) vorgibt? Wichtig ist jedenfalls gut gemeintes Feedback anzunehmen und zu reflektieren, denn jede Meinung hat seine Daseinsberechtigung. Man trifft immer noch selbst die Entscheidung dieses anzunehmen oder eben nicht, und das ist wahrlich keine einfache. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt besinnt man sich und lässt die Vergangenheit wieder einmal Revue passieren.

SO DO I!

Als 18-jährige hatte ich große Träume und wollte die Welt „zu meiner Welt“ machen. Ich wollte das Übel da draußen ausschalten, mit der korrupten Wirtschaft und Politik sowie deren AkteurInnen wollte ich nichts zu tun haben. Diese ganzen „Deals“, Absprachen und geschobenen Dinge stießen mir schon damals schwer auf – und wo bin ich jetzt: mitten drinnen in der jener Wirtschaft, die mir damals so zu wider war! Doch nun, 15 Jahre später, weiß ich auch, dass man nur etwas verändern kann, wenn man eben mitten drinnen ist, das System kennt und versteht, warum etwas so passiert, wie es dann passiert. Dieses Wissen schätze ich sehr und auch meine bisherigen Erfahrungen, denn diese prägten mich. Trotzdem erinnere ich mich oft an mein 18-jähriges Ich zurück, welches gegen dieses Wirtschaftssystem rebellierte. Es steckt sozusagen immer noch in mir und erinnert mich daran:

„I’m ‚a do things my way! It’s my way, my way – or the highway!“

Ich habe für mich entschieden, nun wieder meinem Bauchgefühl zu vertrauen, mich also nicht in irgendeine Schublade stecken zu lassen, sodass ich durch mein stereotypes Verhalten in einer Gesellschaft voran komme, in dem ich deren „hausgemachte“ Regeln befolge. Dies ließe sich auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich gehe meinen Weg, der wohl steiniger und schwieriger ist als der „Highway“, auf dem man gut und rasch vorankommt, indem man sich einfach anpasst und mitschwimmt. Doch ich kann mich so mit ruhigem Gewissen in den Spiegel schauen und zumindest auf mich selbst stolz sein! Ob „Business Lady“ oder eben etwas anderes, ich bin gespannt wo mich mein persönlicher Weg hinführt…

**Ani**

6 thoughts on “„It’s my way – or the Highway?“ Meine Gedanken zu gut gemeinten Karriereratschlägen

  1. ich habe mich auch ganz klar für den steinigen Weg entschieden, aber finde es toll! Es macht mich immer ein Stück stärker, wenn ich wieder eine Kluft überspringen konnte 🙂

    Alles Liebe,
    Trixi

    1. Stimmt! Für die persönliche Weiterentwicklung ist es jedenfalls besser.. aber wer will denn auch schon mit dem Strom mitschwimmen 😉

  2. Liebe Ani,
    ich muss Dir ein großes Kompliment für diesen wunderbaren Beitrag machen!
    Es ist wirklich eine Herausforderung mit diesen ganzen Ratschlägen umzugehen, denn sie sind nur selten gutgemeint und nur selten ehrlich, dafür aber immer öfter manipulativ und auf den eigenen Vorteil gerichtet.
    Ich habe leider immer öfter das Gefühl, dass heute kaum noch jemand dem anderen helfen will, ohne dass dabei was für ihn heraus springt!
    Das Schubladendenken ist so eine Sache, bei der mir aufgefallen ist, das die Menschen, die einem dort hineinstecken selbst das größte Problem damit haben, wenn man selbst von Schublade zu Schublade springt.

    Alles Gute nachträglich wünsche ich Dir! Rebecca
    http://pineapplesandpumps.com/

    1. Hi Rebecca! Erstmals vielen Dank für dein liebes Feedback ❤ Danke auch für deine Meinung zu diesem Thema – sehe ich genauso.. leider gibt es heutzutage kaum mehr Gefallen, wo für die andere Person nichts dabei rausspringt…

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