„Sei überfordert und jammere darüber!“ Ist Jammern das neue Selbstmarketing?

In letzter Zeit hat mich das Thema Selbstmarketing beruflich, aber auch privat recht verfolgt. „Tu Gutes und sprich darüber“ – kurz zusammengefasst. Nur was passiert, wenn man nichts „Gutes tut“ und trotzdem darüber spricht? Ist Jammern das neue Selbstmarketing?

Ein wichtiger Baustein, um die Karriere voran treiben zu können, ist Selbstmarketing. Menschen, die über sich sprechen, auf sich aufmerksam machen, oder die man einfach kennt, bleiben im Gedächtnis. Jene, die kein Wort über sich und ihre Tätigkeiten, Erfolge etc. verlieren, die gehen in der Masse unter. Punkt. Eigentlich ganz schrecklich, denn nur weil jemand nicht pausenlos über sich selbst und seine Arbeit spricht, bedeutet dies noch längst nicht, dass er oder sie keine gute Arbeit leistet und Aufmerksamkeit verdient.

Aber was soll man machen, so tickt unsere Gesellschaft nun mal. Wichtig ist jedenfalls, dass man sich diesen Umstand (egal ob man diesem positiv oder negativ entgegensteht) bewusst macht. Ich persönlich finde Selbstmarketing extrem wichtig, doch mit jenem Zusatz, dass jede/r es auf seine persönlich Art angehen bzw. umsetzen sollte – Stichwort: Authentizität. Es hat nun mal nicht jede/r von uns die Gabe seine Erfolge für andere gut zu verkaufen, ohne, dass es gleich überheblich und angeberisch beim Gegenüber ankommt.

Gibt es mal nichts Positives zu berichten, dann steht Jammern am Programm!

In letzter Zeit jedoch habe ich öfters in meinem Umfeld beobachten können, dass es Personen gibt, die keine großen Erfolge vorweisen können – nicht weil sie es nicht zustande bringen, sondern weil es vielleicht auch die Aufgaben derzeit gar nicht zulassen – und trotzdem versuchen Selbstmarketing zu betreiben. Wie sieht das aus? In dem sie jammern! „Die Herausforderungen in diesem und jenen Projekt sind so hoch, Person XY blockiert den Fortschritt“ und mein Favorit: „Ich habe so viele Aufgaben zu erledigen! Jetzt muss ich noch X Berichte in der nächsten Stunde fertigstellen“ uvm.

Wenn es eben nichts „Gutes“ zu berichten gibt, dann wird eben geraunzt, wie es bei uns in Wien so schön heißt. Das Raunzen an sich, ist aber gar nicht wirklich das Problem. Mit Sicherheit gibt es Tage, an denen wir alle mal überfordert, unzufrieden etc. sind und den Frust loswerden möchten. Das gehört dazu und ist auch ein gutes Ventil, um den Kummer mal seinen Lauf zu lassen, denn meistens geht es uns danach besser und wir können uns wieder an die Arbeit machen. Ich finde jenen Umstand bedenklich, dass aber nun folgendes passiert: Jene Menschen, die mehr jammern als die anderen, die „einfach nur ihre Arbeit erledigen“, werden noch positiv motiviert, in dem sie „gehört“ werden – das Jammern wird also als neue Selbstmarketing-Strategie gesehen – denn die anderen, die eben nicht Jammern, sind nicht ausgelastet oder gar zu faul, nehmen alles viel zu einfach und zu locker etc.

Selbstmarketing à la Ani

Was passiert denn da? Ist Jammern nun das neue Erfolgsrezept, um Karriere zu machen? Bei diesem Gedanken dreht sich gleich mein Magen um. Sollen jetzt jene Personen „bestraft“ werden, die sich motiviert an die Arbeit machen, da sie ja nicht permanent kommunizieren, wie schwer sie es haben und unter welchen komplizierten Umständen sie ihre Arbeit doch meistern? „Tu Gutes und sprich darüber!“ wird dann ganz schnell zu „Sei überfordert und jammere darüber!“ Und dies pusht nun die Karriere? Aha!

Ich hoffe wirklich inständig, dass dies nur ein kurzer Trend ist, der bald an mir vorüber zieht. Auch kann ich nur hoffen, dass sich dies nur auf mein persönliches Umfeld bezieht und nicht auch wo anders so gehandhabt wird – Bitte lasst es mich in den Kommentaren wissen, sodass ich wiederum beruhigt schlafen kann 🙂 Um hier nun auch einen produktiven Aspekt hineinzubringen, möchte ich euch meine persönlichen Tipps für ein gutes Selbstmarketing vorstellen. Vielleicht könnt ihr ja den ein oder anderen Tipp für euch verwenden:

**Think about yourself**

Stichwort: Selbstreflexion! Klingt einfach, stellt sich dann aber als recht schwieriger Punkt heraus, ist aber die Basis, mir der ihr beginnen müsst. Die Fragen, die ihr euch stellen solltet, lauten hier: Wer bin ich? Wo möchte ich hin? Was möchte ich erreichen und welche Personen muss ich davon überzeugen, um dorthin zu kommen?

**Be open-minded**

Sich Ziele zu setzen ist gut und essentiell, trotzdem ist es wichtig auch offen für andere Meinungen und Sichtweisen zu sein. Eine Mischung daraus (Eigenbild VS Fremdbild) ist ein guter Mix für eine fundierte Ausgangsbasis.

**Be visible**

Sobald diese Ausgangsbasis geschaffen wurde und steht, geht es nun um die konkrete Umsetzung: Die eigene Person sichtbar zu machen. Ich persönlich finde es gut, über Erfolge zu sprechen, wobei dies nicht immer etwas mit der Größe der Tätigkeit zu tun haben müssen. Erfolge sind auch kleine persönliche (Teil)Erfolge, bei vielleicht vorerst banalen Aufgaben, die sich dann aber als recht herausfordernd entpuppen (bspw. De-Eskalation eines/einer schwierigen KundIn, etc.). Weiters spielt hier auch die non-verbale Kommunikation eine wichtige Rolle bzw. die Präsenz: Bietet euer Unternehmen interessante Fachvorträge an? Na dann nichts wie los! Sucht euer Unternehmen Freiwillige, die an einem unternehmensweiten Projekt mitarbeiten sollen? Na dann gleich aufzeigen und dafür anmelden! Auch diese Taten machen euch sichtbar.

**Socialize**

Bist du nun sichtbar, in dem du beispielsweise an Veranstaltungen teilnimmst oder auch deine Meinung/Ideen etc. mit anderen teilst, geht auch das Netzwerken fast wie von selbst – denn auch so kommt man wiederum mit anderen, noch unbekannten, Personen ins Gespräch. Und wie wir wissen, sind Kontakte das A und O hinsichtlich des Erfolgs der eigenen Karriere. Mehr Tipps dazu findet ihr hier.

Wie vorhin schon beschreiben: Das wichtigste beim Thema Selbstmarketing ist, dass ihr authentisch bleibt – denn sonst kann es auch schnell nach hinten losgehen. Es hat weiters auch sehr viel mit „try and error“ zu tun bzw. „learning by doing“, heißt: einfach mal ausprobieren und wenn es nicht funktioniert, dann das nächste Mal eine neue/andere Richtung versuchen. Habt einfach Spaß dabei und bitte: jammert nicht zu viel! 😉

**Ani**

5 thoughts on “„Sei überfordert und jammere darüber!“ Ist Jammern das neue Selbstmarketing?

  1. Liebe Ani,
    leider kann ich Dir nichts schreiben,w as Dich ruhiger schlafen lässt. Das Jammern auf niedrigen Niveau und dann auch noch Karriereleiter erklimmen: das ist Gang und Gäbe.
    Ich hasse das, bin mehrfach über solche Menschen gestolpert. Aber danke für Deinen Blick auf die Dinge, es heißt: innehalten, schauen wer ich bin und was ich will (erreichen will), das werde ich mal wieder tun.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Wiebke

    1. Liebe Wiebke, ja leider.. ich glaube da wird sich nicht viel ändern.. Genau, das beste ist immer noch, sich selbst nicht aus dem Fokus zu verlieren. Liebe Grüße aus Wien ❤

  2. Ich hör sofort auf zu jammern und nehm mir deine Tipps zu Herzen 😉 Versprochen 😉 Ne Spaß bei Seite, wieder einmal ein sehr inspirierender Post liebe Ani! Perfekt auf den Punkt gebracht! Liebe Grüße Iris ❤

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