Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: The Gender Struggle is real!

Vielleicht habt ihr ja letzte Woche das eher unfreiwillige Experiment zweier amerikanischer ArbeitskollegInnen verfolgen können. Fakt ist jedenfalls, dass dieses die Diskussion über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ordentlich entfacht hat. Zeit, sich dem Thema anzunehmen und zu enttabuisieren.

Von Männern eher mit einem Augenzwinkern gesehen, für Frauen kann es tagtäglich zur Qual werden. Die Rede ist von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, welche leider immer noch im Alltag spürbar ist und in den meisten Fällen von Männern ausgeht – wobei es mit Sicherheit Ausnahmen gibt. Die Grenze ist nicht immer leicht zu ziehen. Achtet man besonders darauf, so wird man gleich als „Spaßbremse“ abgestempelt. Doch diese Art von Belästigung kann auch ganz schnell zur psychischen Qual werden.

Ich habe mich dazu entschlossen über dieses Thema zu schreiben, da ich es wichtig finde, hier einerseits Aufklärungsarbeit zu leisten, andererseits aber auch aufzuzeigen, dass dieses Thema immer noch präsent ist – und das im Jahr 2017, wo viele Menschen meinen, dass die Gleichstellung der Geschlechter kein Thema mehr sei. Inspiriert wurde ich von einem eher unfreiwilligen Experiment zweier KollegInnen, die in einer Arbeitsvermittlungsagentur in den USA tätig sind. Hier kurz zur Geschichte, die hier via Twitter dokumentiert wurde:

Das Experiment

Nicole Hallberg und Martin Schneider arbeiten zusammen in einer Arbeitsvermittlungsagentur in der KundInnenberatung. Die Arbeit ist so strukturiert, dass es ein gemeinsames Postfach gibt, auf welches alle MitarbeiterInnen zugreifen können und weiterführend die Fälle abarbeiten. Dazu nutzt jede/r seine/ihre persönliche Signatur. Eines Tages verwendete Martin unabsichtlich die Signatur seiner Kollegin Nicole für die Bearbeitung eines KundInnenfalls. Der/die KundIn antwortete der „vermeintlichen Kollegin“ sehr unhöflich und herablassend. Martin verstand die Welt nicht mehr und wagte das Experiment: Die beiden KollegInnen tauschten fortan für 2 Wochen die Signaturen um herauszufinden, ob es sich um einen Einzel- oder aber den Regelfall handelte.

Vorweg: Das Ergebnis war erschreckend diskriminierend! Martin schrieb selbst, dass „er durch die Hölle ging“: Jede seiner Handlungen wurde hinterfragt und auch andere KollegInnen, zu denen er eigentlich ein gutes Verhältnis hatte, reagierten misstrauisch und skeptisch – er wurde schlussendlich sogar gefragt, ob er nicht zufällig Single sei! Nicole erlebte im Gegensatz zu ihrem männlichen Kollegen einen richtigen Aufschwung in ihrer Karriere: Vorher wurde sie oft von ihrem männlichen Vorgesetzten kritisiert, dass sie zu lange für ihre Tätigkeiten benötigen würde – nun hatte dieser plötzlich Verständnis dafür, dass die männlichen Kunden mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Keine Gleichstellung der Geschlechter in Sicht!

Dieses kleine aber wirkungsvolle Experiment zeigt – wie ich finde – sehr gut auf, dass Frauen immer noch unter gewissen Diskriminierungspraktiken im Arbeitsalltag leiden. Meist sind dies keine „großen“ Dinge, die eindeutig nach Belästigung schreien. Es sind doch eher kleine Gesten, Sprüche, Ausdrücke, Poster oder auch Handlungen, die Frauen mehr oder weniger spüren lassen, dass sie einfach anders – meist sogar – minderwertiger sind als Männer. Wichtig ist, hier sensibilisiert zu sein und die Augen und Ohren offen zu halten, ggfs. Auffälligkeiten und Missstände der jeweiligen Führungskraft zu melden, oder sich auch anonym außerhalb des Unternehmens Hilfe und Rat zu holen.

Die Bezeichnung „sexuelle Belästigung“ wird heutzutage leider bereits sehr flapsig verwendet und auch oft ins Lächerliche gezogen. Doch die einzige Konsequenz aus diesem Verhalten ist, dass jene, von denen diese Art von Belästigung ausgeht, geschützt werden und jene, die diese erfahren, noch mehr darunter leiden müssen. Deshalb hier nochmals kurz zusammengefasst, welche Praktiken nun genau unter sexuelle Belästigung fallen:

  • Poster von Pin-ups im Arbeitsbereich (auch am PC)
  • pornografische Bilder am Arbeitsplatz (auch am PC bzw. Mousepad)
  • Anstarren, taxierende Blicke
  • anzügliche Witze, Hinterherpfeifen
  • anzügliche Bemerkungen über Figur oder sexuelles Verhalten im Privatleben
  • eindeutige verbale sexuelle Äußerungen
  • unerwünschte Einladungen mit eindeutiger (benannter) Absicht
  • Telefongespräche und Briefe oder E-Mails (oder SMS-Nachrichten) mit sexuellen Anspielungen
  • Versprechen von beruflichen Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen
  • Androhen von beruflichen Nachteilen bei sexueller Verweigerung
  • zufällige/gezielte körperliche Berührungen (z.B. Po-Kneifen und -Klapsen)
  • Aufforderung zu sexuellen Handlungen
  • exhibitionistische Handlungen

Quelle: Help.gv.at

Wichtig ist, sich sofort an eine Vertrauensperson zu wenden, sobald diese oder ähnliche Fälle eintreten und sich Unterstützung, Hilfe und Rat zu holen. Dies braucht euch auch nicht unangenehm zu sein, denn es ist euer Recht und sogar indirekt eure Pflicht diesen Missstand aufzuzeigen und dagegen vorzugehen. Es gibt darüber hinaus bereits genug Gesetze, die gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung vorgehen und euch dabei den Rücken stärken. Denn oft muss man erst aufzeigen, um endlich gehört zu werden und eine Änderung herbeizuführen! #NeinHeisstNein

**Ani**

4 thoughts on “Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: The Gender Struggle is real!

  1. Liebe Ani

    Gott sei Dank habe ich nie die Erfahrung gemacht und bin belästigt worden, dennoch ist mir in meinem 11 jährigen Arbeitsleben diverses aufgefallen, was bestimmt auf mein Geschlecht zurück zu führen war.

    Ich persönlich habe mit 16 meine Ausbildung als Hochbauzeichnerin angefangen und schnell gemerkt, dass man als Frau in der Baubranche nur durch Kompetenz ernst genommen wird. Um als Vollwertige Fachkraft wahrgenommen zu werden, musste ich mich zuerst beweisen und kleinste Fehler oder Nichtwissen wurden belächelt. Eine Frau hat ja schliesslich keine Ahnung Technik und Konstruktionen.

    Jetzt arbeite ich in der Immobilienbranche als Verwalterin und muss sagen, dass ich keine Probleme mehr damit habe, ernst genommen zu werden. (Weder von Mitarbeiter noch Kunden). Vielleicht liegt es daran, dass man mit den Jahren „abgehärtet“ wird, das Selbstverrauen und das Auftreten besser wird oder ich einfach mit tollen Leuten zusammen arbeiten kann:)

    Was mich jedoch stört, ist, dass in vielen Branchen die Frau für die selbe Arbeit deutlich weniger verdient als der Mann. Mein ehemaliger Chef stellte aus diesem Grund nur Frauen an, da diese ja „billiger“ wären.

    Liebe Grüsse Jessie

    1. Schlimm, dass du diese Erfahrung machen musstest! Trotzdem wir das Jahr 2017 schreiben, ist dieser Unterschied immer noch präsent – und dies muss sich ändern! Die geringere Bezahlung ist einfach nur eine Frechheit – und auch dies ist ein Fakt der Gegenwart! Danke liebe Jessi für deine offenen Worte ❤

      1. Hallo lieber Unbekannter! Für mich zählt hier keine Datenverschönerung, sondern das, was ich selbst in der Realität beobachte – und das sind gravierende Unterschiede im Umgang sowie auch hinsichtlich der Bezahlung der beiden Geschlechter.. trotzdem Danke für deinen Kommentar!

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