Wie ist das eigentlich so mit Initiativbewerbungen?

Dies ist eine Frage, die mir in letzter Zeit häufiger gestellt wurde, weshalb ich mich dazu entschloss, diesen Beitrag zu schreiben, auch, um darüber hinaus gleich mit einem Mythos aufzuräumen: Bringen Initiativbewerbungen wirklich etwas oder sind sie reine Zeitverschwendung?

Vor einigen Wochen war ich beruflich auf einer Karrieremasse an einer Universität unterwegs. Viele StudentInnen kamen bei uns am Messestand vorbei und interessierten sich für Praktika, andererseits aber auch für Einstiegspositionen. Man freut sich natürlich, wenn großes Interesse am Unternehmen besteht, andererseits ist man aber nicht immer in der glücklichen Lage den InteressentInnen die passenden Jobs anzubieten. Spätestens hier taucht die Frage nach der Möglichkeit einer Initiativbewerbung auf.

Natürlich bietet fast jedes Unternehmen den BewerberInnen an, sich initiativ, also eine Bewerbung ohne konkreten Bezug zu einer Stellenausschreibung, zu bewerben. Aber ob dies wirklich Sinn macht bzw. den gewünschten Erfolg bringt? Ich kommuniziere immer offen, dass man sich bei einer solchen Bewerbung nicht große Hoffnung machen darf. Es muss einem bewusst sein, dass man in einer Datenbank mit vielen anderen InteressentInnen landet, wo die Chance, dass man irgendwann einmal angeschrieben wird, gleich gegen Null geht. Natürlich hat das Unternehmen die persönlichen Daten so bereits im System und auch der/die jeweilige Recruiter hat vielleicht kurz schon mal ein Auge auf die Unterlagen geworfen, doch das war’s dann in den meisten Fällen.

Mein persönliches Experiment

Aus Sicht des Unternehmens macht es nur bedingt Sinn, eine BewerberInnen-Datenbank anzulegen, da dies auch ein enormer Aufwand an Pflege und Aktualisierung bedeutet. Meist wird dies vernachlässigt, weil auch die nötigen Ressourcen dazu fehlen. Vor einigen Jahren als meine Haupttätigkeit noch im Recruiting von neuen MitarbeiterInnen lag, startete ich eine Art Selbstversuch: Ich bekam den Auftrag eine ExpertInnen-Position auszuschreiben und geeignete BewerberInnen zu selektieren. Da ich wusste, dass sich genau diese Art von ExpertInnen bereits bei uns initiativ beworben hatten, machte ich mir die Arbeit und selektierte alle aus der Datenbank. Ich schrieb jede/n einzelne BewerberIn an und verwies auf unsere ausgeschriebene Position. Fazit: es antworteten vielleicht eine Handvoll auf mein Mail und diese Wenige dankend mit einer Absage. Der Aufwand stand somit in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis.

Schade eigentlich! Ich hätte mir von diesem kleinen Experiment selbst mehr erwartet, aber ja, dies war nun der erste und auch letzte Versuch aus Initiativbewerbungen heraus eine Stelle zu besetzen. Es gibt aber mit Sicherheit auch gegenteilige Beispiele, wo aus Datenbank-Recherchen schnell und gut Positionen besetzt werden konnten. Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte die Möglichkeit einer Initiativbewerbung nicht runterspielen aber auch nicht fälschlicherweise in den Himmel loben. Eine Ausschreibung kostet heutzutage nicht mehr viel und man erreicht damit eine große Anzahl an Menschen, die sich gerade aktuell für eine Veränderung interessieren. Dies führt auch dazu, dass man den Recruitingprozess rasch einleiten und auch wiederum beenden kann.

Da Effizienz und Kosten für Unternehmen wichtige Themen sind, greift man immer wieder auf diesen klassischen Prozess zurück. Trotzdem könnt ihr natürlich die Möglichkeit nutzen eure Unterlagen breit zu streuen, rechnet aber bitte nicht damit, dass ihr großen Erfolg dabei habt. Doch wer weiß, auch Wunder passieren ja heutzutage noch 🙂

**Ani**

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