Leider müssen wir Ihnen diesmal absagen… Knock-Out Kriterium Mutter?

Nicht nur in der Medizin fallen Frauen aus dem „normalen Schema“, sondern – so scheint es jedenfalls – auch in der Arbeitswelt. Ist die Angabe von Kindern im CV bereits ein Knock Out Kriterium für den Job?

Eine liebe Leserin, selbst Mutter, hat mich gefragt, ob die Angabe von Kindern im CV bereits ein Kriterium ist, warum man vielleicht nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Speziell wenn es sich um eine Vollzeit-Position handelt, hat sie jedenfalls den Eindruck, landen nur mehr Absagen in ihrem Posteingang. Da ich selbst keine Mutter bin, kann ich dies nicht in diesem Maße nachvollziehen, als Personalistin habe ich natürlich eine Meinung zu diesem Thema.

Gleich vorweg: Elternschaft ist für mich kein Knock Out Kriterium – war und ist es nicht bzw. wird es auch in Zukunft nicht sein! Ich finde dies eine recht zerstörerische Art der Diskriminierung: Wie soll denn die Welt ohne Nachkommen aussehen? Wie geht es dann unserer Wirtschaft? Wer zahlt unsere Pensionen? (*lach*) Ohne unseren Eltern wären auch wir nicht auf der Welt. Und dann im selben Atemzug jene, die sich dieser Verantwortung stellen, mehr Steine in den Weg zu legen und sie zu diskriminieren? Eigentlich völliger Schwachsinn wenn man näher darüber nachdenkt!

Frauen fallen „aus der Norm“ – aber Männer ziehen schon langsam nach!

Ich bin mir auch sicher, dass viele nicht so denken wie ich – sie denken unternehmerischer, was soviel heißt: Ich orientiere mich an der gewünschten Norm, also Vollzeit, flexibel, fleißig. Wird nur eines dieser Kriterien nicht erfüllt, so fällt man schon aus der Norm und „es wird schwierig“. Das Unternehmen muss nun Flexibilität zeigen und auf die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen eingehen. Tja, that’s life! Und da qualifizierte MitarbeiterInnen in der heutigen Zeit bereits rares Gut sind, wird den Unternehmen in Zukunft sowieso keine andere Wahl bleiben.

Ihr seht, ich verwende bewusst nicht nur die weibliche Form, da diese Grenze bereits nicht mehr so starr ist und auch männliche Arbeitnehmer ihre Pflichten als vollwertiger Elternteil wahrnehmen und beispielsweise in Karenz gehen oder sogar in Teilzeit arbeiten. Somit lastet der damit verbundene Unmut nicht nur auf uns Frauen. Und dies ist auch gut so, denn es erfordert, dass Unternehmen umdenken und schon bei der Einstellung keine Vorurteile gegenüber Frauen haben. Gut, Männer können zwar nicht schwanger werden, aber sie können ihr Papamonat in Anspruch nehmen bzw. in Elternkarenz bzw. -teilzeit gehen.

Also wie jetzt?

Da mein Credo Transparenz und Ehrlichkeit ist, rate ich allen Müttern zu ihrer Mutterschaft zu stehen und dies auch in ihrem Lebenslauf ersichtlich zu machen. Ich finde es gut, Schwangerschaft und Karenz im CV zu vermerken und somit auch „Berufspausen“ zu kennzeichnen, sodass keine großen Nachfragen im Gespräch auftreten und diese plausibel erscheinen. Von Anfang an mit offenen Karten zu spielen, ist mit Sicherheit die beste Strategie!

Mir ist es selbst schon in dem einen oder anderen Gespräch passiert, dass die Bewerberin auf einmal mittendrin erwähnte, dass sie eigentlich ein Kind bzw. Kinder habe. In diesem Moment erzeugt es beim Gegenüber automatisch Verwunderung und Verwirrung, denn warum gilt es dies zu verbergen? Die nächste Frage, die mir dann sogleich in den Kopf schoss: Hat sie vielleicht noch etwas zu verbergen? Wahrscheinlich ist diese unnötig, aber dies ist nunmal die Reaktion auf ein solches Verhalten. Schade eigentlich, wenn man schon im Gespräch die Frage nach dem Vertrauen aufwirft, obwohl man die Person erst ein paar Minuten kennt.

Wie tritt man der Diskriminierung entgegen? 

Ich bin mir natürlich dem Umstand bewusst, dass dies viele aus Selbstschutz tun, um endlich zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Weiter gedacht, finde ich diesen Umstand, dass Frauen erst in so eine Situation gedrängt werden, noch schlimmer! Ein Spiegel unserer Gesellschaft, wie sie zu Müttern am Arbeitsmarkt steht. Doch worum geht es Unternehmen, dass sie Frauen, die angeben Mutter zu sein, wirklich aufgrund sie absagen verschicken und sie nicht einmal für den Job in Erwägung ziehen? Ganz einfach: Mütter sind unflexibel! Nämlich in diesem Sinne, dass sie ihre Mutterpflicht über das Unternehmen stellen. Dies ist natürlich ganz klar und auch logisch, doch dies ist die Sorge Nummer 1. Wird das Kind krank, so bleibt zumeist die Mutter zu Hause und kümmert sich.

Deshalb ist es wichtig – auch im Sinne der vorher erwähnten Transparenz – nicht nur die Mutterschaft im Lebenslauf offen zu legen, auch gleichzeitig die Vorurteile und Ängste des/der ArbeitgeberIn zu widerlegen. Nämlich in dem man aufzeigt, wie die Kinderbetreuungssituation aussieht: Wer kann sich sonst noch um das Kind kümmern, wenn dieses krank wird? Auf welches Netzwerk kann man zurückgreifen? Zeigt man dem/der ArbeitgeberIn, dass man einen Plan hat, wenn irgendetwas mit dem Kind oder den Kindern sein sollte, so nimmt man nicht nur einige Fragen im Gespräch vorweg, sondern zeigt auch, dass man das Thema Job ernst nimmt und sich auch mit diesen Situationen – die mit Sicherheit auftreten werden – auseinandergesetzt und eine Lösung parat hat.

Auch dieses spannende Thema zeigt auf, dass das Thema Gleichberechtigung im Jahr 2017 noch nicht wirklich angekommen ist. Wir sind schon ein paar Schritte weiter, doch es liegt noch ein langer  Weg vor uns, bis wir wirklich behaupten können: Es ist egal ob du Frau oder Mann bist – du bekommst den Job, weil du dafür am qualifiziertesten bist.

**Ani**

2 thoughts on “Leider müssen wir Ihnen diesmal absagen… Knock-Out Kriterium Mutter?

  1. Liebe Ani,

    vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag! Ich finde deine Sicht als Personalerin sehr spannend, gerade dieses „Wie kommt es beim Gegenüber an, wenn ich die Kinder im CV nicht erwähne?“. Auch deinen Tipp hinsichtlich Ehrlichkeit und Transparenz finde ich wichtig und richtig.

    Als Mutter von zwei (kleinen) Kindern hab ich auch die Beobachtung gemacht, dass da oft ein „Nein Danke“ auf eine Bewerbung folgt, auch wenn man die Anforderungen sonst wirklich zu 100 Prozent erfüllt. Erst einmal ist mir passiert, dass mich ein potentieller Arbeitgeber bewusst dazu ermuntert hat, meine Kinder im CV anzugeben, weil seiner Meinung nach Mütter Extra-Kompetenzen mitbringen. Also eines kann ich zumindest bestätigen: Als Mutter versuchst du immer sehr effizient zu sein, Leerläufe kann man sich eigentlich nicht erlauben.

    Meiner Meinung nach wäre es in Unternehmen, die Mütter im Bewerbungsprozess bewusst aussortieren, für Mütter sowieso schwierig zu arbeiten, da das Verständnis offenbar fehlt. Dann ist es im Endeffekt wahrscheinlich sogar besser, so einen Job nicht zu bekommen…

    GLG Sylvia

    1. Liebe Sylvia, da geb ich dir vollkommen recht! Trotzdem schade, dass es so eine Art von Diskriminierung in der heutigen Zeit überhaupt noch gibt… Wir müssen das Thema positiv anpacken und wie du sagst, es gibt ja Unternehmen, die die Extra-Skills der Mütter bereits erkennen 🙂 Danke für deinen tollen Kommentar ❤

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