„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf?!“ – „Ja, war geil!“

In meiner Karrierelaufbahn als Personalistin haben mich oft Personen angesprochen, wie sie denn mit den berühmt-berüchtigten Lücken im Lebenslauf (kurz: CV) umgehen sollen: kreativ sein, vertuschen, verheimlichen oder ehrlich und offen mit diesen umgehen? Hier gibts die Antwort!

In den letzten Jahren habe ich so viele Bewerbungsgespräche geführt, dass ich schon aufgehört habe mitzuzählen wie viele es nun wirklich waren. Einerseits sind diese interessant, da man sehr viele Menschen und deren persönlichen Geschichten kennenlernt, andererseits entwickelt man damit auch eine bestimmte Routine in der Gesprächsführung und auch im Gefühl, welches man zu diesen Menschen entwickelt. Damit meine ich, dass man eine gute Menschenkenntnis erlangt, und so stimme ich die Fragen sehr genau auf die jeweilige Person ab, um auch mögliche blinde Flecken zu vermeiden.

Den perfekten Lebenslauf? Den gibt es nicht!

Aufgrund dieser Vielzahl an Gesprächen, habe ich auch so einige „Taktiken“ gesehen, wie Menschen mit ihren Pausen, Lücken oder wie man diese auch immer nennen mag, umgehen. Somit habe ich ein gutes Gefühl bekommen, welche Verhaltens- und/oder Vorgehensweisen adäquat ankommen und welche eher zu einem inneren Kopfschütteln führen. Dabei ist es schon ganz normal, Lücken in der eigenen Karrierelaufbahn zu haben. Sei es, weil man nicht den passenden Job findet, weil man ins Ausland gehen wollte oder aufgrund privater Rückschläge eine Auszeit brauchte. Dies sind alles legitime Gründe, die uns alle irgendwann treffen können.

Trotzdem kommt es mir so vor, dass es in unser aller Köpfe ist, den perfekten Lebenslauf präsentieren zu wollen: ohne Lücken, ohne Fehler – nur mit Sternchen, glatt poliert. Tja, nur dies entspricht so wenig der Realität, wie das Coverbild der Instyle. Wir müssen uns von dieser glatten und perfekten Karrierelaufbahn verabschieden und auch Niederschläge, Kanten und Ecken zulassen – denn dies ist nun mal unser Leben! Zusammengefasst, möchte ich euch noch folgende Hinweise bzw. Tipps zum Thema „Umgang mit Lücken im Lebenslauf“ mitgeben:

**Lücke ist nicht gleich Lücke**

Zu allererst ist es nötig die IST-Situation zu analysieren: Wann ist eine „Lücke“ denn wirklich eine „Lücke“? Dies ist vor allem dann wichtig, wenn ihr euch schon vor einem Bewerbungsgespräch Sorgen macht, dass ihr eine mögliche Lücke nur schwer begründen könnt. Liegen zwischen einem Jobwechsel 2 oder 4 Wochen, dann ist es meiner Meinung nach noch keine Lücke, die man großartig thematisieren bzw. erklären muss. Ab ca. 2 Monaten würde ich von einer Lücke sprechen, die es dann zu thematisieren gilt.

**Angriff ist die beste Verteidigung**

Dieser fast schon abgedroschene Satz ist schon seit langem zu einem wichtigen Arbeitsmotto für mich geworden: Es bringt nichts zu warten, ob etwas passiert bzw. thematisiert wird. Weiters macht es auch keinen guten Eindruck, wenn der/die PersonalistIn selbst jede Lücke im CV ansprechen muss – dies wirkt so, als wenn man jegliche Informationen dem/der KandidatIn aus der Nase ziehen muss. Und dies bewirkt weiters, dass man den Eindruck bekommt, dass diese Person etwas zu verheimlichen hat. Deshalb gilt: Lücken aktiv und offen ansprechen, ehrlich sein! Dies verschafft die notwendige Authentizität, die gerade im Bewerbungsgespräch so essentiell ist.

**Verkaufen, Verkaufen, Verkaufen**

Nachdem ihr eure Lücken nun so offen und ehrlich angesprochen habt, gilt es diese trotzdem dementsprechend gut zu verkaufen. Und mit verkaufen meine ich nicht, die Situationen zu verschönern bzw. eine Notlüge daraus zu machen. Nein, ich finde, dass es ganz speziell auf das Wording und die Argumentation ankommt! Hat man eine längere Lücke im CV, da man beispielsweise keinen Job gefunden hat, wird es einem nicht weiterhelfen, wenn man in Selbstmitleid versinkt und sich als total unqualifiziert verkauft. Liegt es in diesem Beispiel vielleicht am Alter, so sollte man genau diesen Punkt offen ansprechen.

**Mach die Lücke zu einer positiven Lücke**

Bleiben wir sogleich bei dem Fall, dass man keinen Job findet und schon seit Monaten auf der Suche ist: die Lücke wird immer größer und größer und die Frustration steigt mit jedem Tag. Es ist wiederum ganz wichtig, hier nicht in Selbstmitleid zu verfallen, sondern diese Auszeit als Chance zu nützen! Gibt es vielleicht eine Ausbildung oder einen Kurs, den ihr schon immer gerne machen wolltet, dann ist jetzt die beste Zeit dafür! Vielleicht wird euch auch gerade jetzt bewusst, dass ihr im vergangenen Job sowieso nicht glücklich wart – dann ist es jetzt Zeit für eine berufliche Neuorientierung. So eine Art von Lücke lässt sich immer gut argumentieren, da man die Zeit für sich und für einen möglichen künftigen Job gut genutzt hat.

Ihr seht: Lücken im CV bedeuten nicht gleich den Weltuntergang und somit auch nicht, dass ihr den heiß-begehrten Job sowieso nicht bekommt. Bleibt authentisch und steht zu eurer Laufbahn, auch wenn sie vielleicht wie eine Achterbahn aussieht ❤

**Ani**

One thought on “„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf?!“ – „Ja, war geil!“

  1. Danke für dein Beitrag Ani!
    Ich finde, vor allem die ältere Generation (50+ aber vor allem 60+) hat Probleme damit solche Lücken zu akzeptieren. „Damals“ war das Leben mehr oder weniger vorbestimmt, man war sein Leben lang mit der gleichen Person verheiratet und so war es mit dem Job auch. Inzwischen gibt es für uns junge Leute so viele Möglichkeiten, dass wir garnicht entscheiden können was wir machen sollen bzw. wollen. Eine Lücke im CV kann aber ein Berg voller Erlebnisse im privaten Bereich sein. Ich hoffe wirklich, dass du recht hast, und eine Lücke kein Problem ist solange sie sinnvoll und gut begründet ist – liegt aber vielleicht daran weil ich mich selbst in eine befinde 😉

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