„Sorry, aber Budget gibt es dafür keines!“ #fairbloggerrelations im Jahr 2017?

Zu meinem fast 1 1/2 jährigen Bestehen, gibt es nun einen bisschen anderen Karrierepost: Den heutigen Artikel widme ich jenen KooperationspartnerInnen, die ihr Werk nicht verstanden haben und mich fassungslos, sauer oder nur erstaunt gemacht haben. This is for you!

Seitdem ich meinen Blog gestartet habe, bekam ich schon jede Menge an Kooperationsanfragen, was mich einerseits stolz, anderseits aber auch ein wenig ratlos machte. Ich stehe zwar mit beiden Beinen fest im Berufsleben und habe dort auch schon so einige Situationen erlebt und Erfahrungen sammeln können, doch die „Blogger-Welt“ ist dann doch nochmals ganz eine andere. Bloggen ist ja bekanntlich mein Hobby, weshalb ich einerseits auch nicht die Zeit habe, mich groß um Kooperationen zu kümmern (leider!), andererseits mir deshalb meine KooperationspartnerInnen sehr gut aussuche.

Kann ich mich mit Dienstleistungen oder Produkten nicht identifizieren, lehne ich alle Anfragen ab. Somit könnt ihr sichergehen, dass alles, was ihr hier am Blog oder auf meinen Social Media Kanälen seht, auch 100% zu mir passt und ich vollkommen dahinterstehe. Ich weiß, diese Sätze lest ihr auf fast jedem Blog bei fast jedem Blogger, doch es ist nun mal so. Meine Zeit ist mir zu kostbar, als das ich Kooperationen eingehe, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Was bringt es mir auch? Wie gesagt, Bloggen ist mein Hobby und gerade in meiner Freizeit möchte ich das tun, was mir auch wirklich Spaß macht und worauf ich auch wirklich Lust habe.

Blogger VS „Medienprostituierte“

Die meisten Anfragen, die ich bekomme, sind wirklich wertschätzend und personalisiert formuliert. Da hat sich jemand auf der anderen Seite wirklich Mühe gegeben und meinen Blog bzw. meine Social Media Kanäle angesehen. Es gibt aber auch Kooperationsanfragen, die diesem Bild nicht entsprechen und sogar noch schlimmere. Diese werdet ihr auch nie zu Gesicht bekommen, doch möchte ich heute Raum dafür schaffen, um auch zu sagen: So bitte nicht! Als Blogger, speziell wenn man nicht davon leben muss, kommt man sich schon sehr als BittstellerIn bzw. als Mittel zum Zweck vor. Oft geht die Menschlichkeit bzw. Persönlichkeit verloren und man kommt sich nicht selten als „Medienprostituierte“ vor.

Sorry für die krasse Wortwahl, doch dieses Gefühl kommt bei so manchen Kooperationsanfragen doch schon durch. Ich persönlich achte bei Anfragen immer darauf, dass es eine gewisse Ausgewogenheit gibt. Soll heißen, Firmen und auch ich sollen beide einen Mehrwert von einer Zusammenarbeit haben. Natürlich hält es sich derzeit hinsichtlich der finanziellen Abgeltung noch in Grenzen, da mein Blog noch nicht so groß ist, sodass ich Tausende an Follower aufweisen kann, doch es gibt da doch schon ein paar andere Parameter, die man beachten muss.

Sorry, aber Budget gibt es dafür keines!

Erst vor ein paar Wochen erhielt ich eine Anfrage von einem bekannten Schmuckhersteller, die mich vorerst ganz stolz machte. Ich bin schon seit Jahren Fan von dieser Firma und fühlte mich natürlich super geehrt, dass eine Kooperationsanfrage von genau jener Firma ankam. Die Anfrage war personalisiert (also mit meinem Namen versehen) formuliert und es ging im Großen und Ganzen um Instagram Posts für die Marke. Ich las die Anforderungen, die damit verbunden waren, die dann doch recht rigoros geschrieben waren: Mind. 3 Instagram Posts, diese und jene Hashtags, Beschreibungen, wie genau die Bilder auszusehen haben und in welchen Abständen, nämlich über 3 Wochen hinweg, sie erscheinen sollten. Also nicht gerade wenig Arbeit! Ganz zum Schluss fand ich noch den Satz: Wir haben dafür aber kein Budget, du darfst den Schmuck aber gerne behalten. YEAH! Wie großzügig! Und das von einer riesigen Firma, die mit Sicherheit ein großes Werbebudget hat! TOP!

Wie gesagt, mein Blog ist nicht wirklich groß, also mit großen Einnahmen rechne ich nicht, doch in diesem Fall war ich auf jeden Fall die vorhin erwähnte „Medienprostituierte“. Abgespeist mit etwas Schmuck, welcher dem Unternehmen in der Herstellung Peanuts kostet, bekamen sie so doch eine gewisse Reichweite und damit kostengünstige Werbung! Für genau 5 Minuten überlegte ich und ließ die Konditionen nochmals Revue passieren, doch mein Bauchgefühl sagte sofort: Lass die Finger davon! Es fühlte sich nicht richtig an! Ich kam mir ausgenutzt vor und meine Arbeit nicht wertgeschätzt. Nein, das soll es nicht sein! Schade, denn das Unternehmen und deren Produkte hatte ich bis dato immer sehr positiv in Erinnerung. Dies hatte sich ab diesem Zeitpunkt geändert, und ich beschloss meinen Unmut Raum zu geben und zwar in einem – natürlich trotzdem sehr wertschätzend – formulierten Mail an die betroffene PR-Agentur.

In jedem Fall gilt die win-win Situation!

In meinen kurzen aber intensiven Blogger-Dasein habe ich doch schon recht viel, aber natürlich noch weit nicht alles mitbekommen, doch eines kann ich sagen: Auch wenn man einen kleinen aber feinen Blog hat, mit wenigen aber dafür treuen LeserInnen, darf man sich nicht ausnutzen lassen – auch in dieser Konstellation muss es eine win-win Situation geben, sodass beide Seiten zufrieden sind. Dies zielt nicht automatisch auf den monetären Faktor ab, aber dafür auf qualitativ hochwertige Artikel/Fotos/Videos etc. mit langfristigen Folgeaufträgen, Verlinkungen, die Möglichkeit auf Gewinnspiele, Testimonials, Produkte etc. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass es sich für beide Seiten fair anfühlt und dass ihr nicht das Gefühl habt, ausgenutzt zu werden.

Für mich selbst gibt es auch noch viel zu lernen. Die meisten meiner Anfragen, eigentlich fast alle, sind darauf ausgelegt, ohne Budget mit Blogger zusammenzuarbeiten. Immer noch setzen viele Firmen auf Masse, anstatt auf Qualität. Schade, denn dadurch geht die Authentizität vollkommen verloren. Schon klar, dass ich mit meiner Größe und Bekanntheit keine exklusiven Kooperationen ergattere, aber mit gefühlten 100 anderen Blogger gleichzeitig ein Produkt zu bewerben, wirkt schon etwas komisch. Auf diese Seite der Medaille hat man aber als Blogger auch keinen Einblick – keine Ahnung wie viele genau mein Angebot noch bekommen.

Ja, es ist Arbeit!

Zum heutigen Zeitpunkt bin ich froh, Bloggen als mein Hobby ansehen zu können und damit nicht mein Leben bzw. meine Existenz absichern zu müssen. Hut ab vor allen, die in dieser Branche Fuß gefasst haben und davon leben können bzw. müssen. Es ist schon eine ganz spezielle Branche, mit ihren ganz eigenen Regeln. Als Personalistin gehört es zu meinen Kompetenzen, immer beide Seiten einer beruflichen Beziehung zu sehen: Das Unternehmen hat ein bestimmtes Budget, mit dem es wirtschaften muss und demnach auch nur Beziehungen eingeht, die gewinnbringend sind und einen Mehrwert bieten. Die MitarbeiterInnen bzw. in diesem Fall die Blogger, die wertvolle Zeit, Energie, Kraft und Kreativität in die Zusammenarbeit stecken, möchten demnach auch wertgeschätzt und dementsprechend entlohnt werden.

Es hört sich ja relativ einfach an, doch sieht die Realität immer noch anders aus. Liebe Unternehmen, versteht endlich, dass die vielen bunten Bilder und tollen Beiträge Zeit kosten und einen gewissen Aufwand darstellen. Klar, man macht es aus Spaß und auch weil man sich mit euch und euren Produkten/Dienstleistungen identifizieren kann, doch am Ende des Tages bedeutet es eines: ARBEIT  – und diese gehört, wie auch überall anders, entlohnt und wertgeschätzt.

**Ani**

PS: Wenn ihr Interesse an den Erfahrungen meiner Blogger KollegInnen zu diesem habt, dann schaut doch mal bei der lieben Sylvia (PR Spionin) vorbei, die eine Blogparade zu diesem Themenschwerpunkt gestartet hat. Vielen Dank dafür, auch diesem wichtigen Aspekt den entsprechenden Raum zu geben ❤

10 thoughts on “„Sorry, aber Budget gibt es dafür keines!“ #fairbloggerrelations im Jahr 2017?

    1. Lieber Nicolas, die Antwort findest die weiter unten im Text: es muss nicht immer eine monetäre Entschädigung sein – je nach Aufwand eben. Es kann ja durchaus eine Verlinkung oder die Aussicht auf weitere Kooperationen etc sein..

  1. Toll geschrieben und wirklich wahr! Das was du machst ist toll, deine Themen und die Art und Weise wie du dich gibst und schreibst wirken immer authentisch. Das ist doch genau das worauf es ankommt 🙂 Bitte immer weiter so!

    LG & busssi

  2. Liebe Ani,
    danke nochmals, dass du mit diesem Text bei der Blogparade mitmachst!

    Völlig richtig: Als von einem Unternehmen / einer Agentur angeschriebener Blogger wirst du immer nur eine Seite der Medaille sehen und nicht wissen, in welchem Gesamtkontext dein Beitrag dann erscheint, wieviele noch für die gleiche Kampagne gebucht sind. Ich finde, da gehört auch mehr Transparenz von den Unternehmen her, damit Blogger eine gute Entscheidungsgrundlage haben, ob sie bei einer Kooperation mitmachen oder eben nicht.

    (Btw: Schreibst du mir bitte auch einen kurzen Kommentar unter meinen Beitrag, damit ich auch dich unter meinen mitmachenden Bloggern dabeihabe und nicht den Überblick verliere? Danke! 🙂 )

    GLG Sylvia

    1. Hi Sylvia, vielen Dank an dich für die Initiative!

      Richtig, wobei mich auch schon Anfragen erhalten haben, wo ausgewiesen war, wie viele andere Blogger noch angeschrieben wurden (zB.: „du bist eine von x auserwählten Bloggern“). Es ist einfach ein Prozess, wo beide Seiten noch dazulernen müssen 🙂

      Ja, kommentiere auch gleich deinen Beitrag! Alles Liebe, Ani

  3. Hallo Ani, mich bringt der Kommentiertag heute auf deinen Blog. Und beim Herumblättern bin ich nun auf diesem Artikel hängen geblieben. Ich blogge inzwischen schon seit fünf Jahren und mittlerweile mit zwei Blogs. Ich könnte zu diesem Thema ganze Bücher schreiben. Wobei ich dazu sagen, zu 95 % erfahre ich große Wertschätzung. Mag an meinen Nischen und an meinem Alter liegen. Trotzdem erlebe ich auch absolute Frechheiten. Liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

    1. Wow! Das glaub ich dir- da kennst du bestimmt viele Geschichten 🙂 Vielen Dank fürs Folgen ❤ Das freut mich wirklich sehr! Alles Liebe aus Wien

  4. Hallo Ani! Auch ich bin über den Blogger-Kommentiertag zu dir gekommen und mag deinen Blog sehr – die Vielfalt, DEINE Geschichten, wer du bist und deine Themen. Ich blogge seit einem guten Jahr über ein Nischenthema. Und das Bloggen zu beginnen war auch eher eine Impulsentscheidung. Langsam wachse ich hinein und zeige wer ich bin, was mich interessiert, es wird authentischer. Trotzdem kann ich in meiner Branche nicht wirklich mit Entschädigungen für Beiträge rechnen – dafür lasse ich mich aber auch nicht unter Druck setzen oder stressen. Als Mutter arbeite UND blogge ich nur, wenn mein Sohn schläft, da kann ein Produkttest schon ein paar Monate dauern. Die Produkte werden mir meistens geschenkt bzw. gibt es manchmal noch Sponsoring für Gewinnspiele und ich erwähne und zeige die Produkte auf meinen Kanälen und auch vor Ort in Beratungen immer wieder her, also ich denke die Kooperationspartner profitieren schon von mir 🙂

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