„Wie viel verdienst du eigentlich?“ Einkommenstransparenz und Gehaltsvergleiche unter KollegInnen

Ein großes Tabuthema in der Arbeitswelt ist immer noch das Gehalt: Wer verdient wie viel? Wer bekommt für welche Leistung wie viel Abgeltung? Am Arbeitsplatz selbst ist es aber durchaus üblich, dass KollegInnen untereinander über das Einkommen des/der jeweils anderen spricht. Aber: „Über Geld spricht man nicht!“ – oder etwa doch?

Das Thema Nummer 1, über jenes zwar in den Abteilungen nicht so viel gesprochen wird, da geheim, unangenehm oder wie man es auch immer stigmatisiert, ist das Gehalt. In der Personalabteilung dagegen ist dies allgegenwärtig. Fast jeden Tag wird man in irgendeiner Art und Weise damit konfrontiert. Ändert sich eventuell etwas am Einkommenssystem? Wurde der Kollektivvertrag neu verhandelt? Muss eine Position besetzt werden? Befindet man sich mitten in Gehaltsverhandlungen mit künftigen MitarbeiterInnen? Oder möchte ein/e bestehende/r MitarbeiterIn mehr Gehalt? Diese und viele Situationen mehr, bestimmen unter anderem den Alltag in einer Personalabteilung.

Ein weiteres Thema, welches immer mit jenem des Einkommens zusammenhängt, ist der Vergleich untereinander. „Mein/e KollegIn bekommt aber viel mehr für die selbe Tätigkeit! Das ist doch unfair!“ Diesen Satz habe ich in meiner Karriere bereits unzählige Male gehört, und eines kann ich dazu sagen: Er bringt euch überhaupt kein Stückchen voran! Als PersonalistIn oder auch als Vorgesetzte/r ist dies eine der Killerphrasen überhaupt und schießt euch schneller ins Out als euch lieb ist. Eine Gehaltsverhandlung so zu beginnen macht deshalb überhaupt keinen Sinn. Abgesehen davon halte ich nichts von den ständigen Vergleichen mit anderen.

Sich ständig mit anderen zu vergleichen führt in eine mentale Sackgasse

Grundlegend muss gesagt werden, dass die jeweilige Führungskraft dafür verantwortlich ist, dass es in der Abteilung eine Ausgewogenheit bezüglich der Gehälter herrscht. Klingt ganz easy, ist aber in der Realität wirklich schwer einzuhalten: Da gibt es MitarbeiterInnen, die sind vielleicht schon sehr lange im Unternehmen, manche können bereits mehrere berufliche Stationen vorweisen, andere bringen einschlägige Vorerfahrung mit oder vakante Ausbildungen auf den verschiedensten Niveaus. Ich spreche hier absichtlich nicht von Unterscheidungen im Geschlecht, da ich in diesem Beitrag nicht auf geschlechtsspezifische Unterschiede bzw. auf Diskriminierung aufgrund des Geschlechts eingehen werde. Mir ist durchaus bewusst, dass diese Unterschiede in der Realität existieren, doch sollen sie hier nun nicht Thema sein.

Jedenfalls ist es schwer aufgrund jener Umstände, die ich euch exemplarisch oben angeführt habe, sich mit anderen zu vergleichen. Es macht wenig Sinn, da wir einfach nicht gleich sind. In meiner beruflichen Laufbahn hatte ich einen einzigen Fall, wo ein Vergleich unter KollegInnen Sinn machte: Beide hatten damals vor Jahren die Lehre im selben Unternehmen begonnen, waren somit gleich alt, genossen die gleiche Ausbildung und verfolgten ihren weiteren Weg im Unternehmen auch in der selben Abteilung. Aber wie oft kommt so ein Fall im Alltag vor? Es liegt anscheinend in unserer Natur, sich andauernd mit jemanden anderen zu vergleichen. Dabei gilt aber, sich natürlich nur mit jenen zu vergleichen, die augenscheinlich mehr haben oder jenen, denen es einfach besser geht.

Warum vergleicht sich niemand mit Menschen, die es nicht so gut getroffen hat?

Kaum eine/r schaut auf Menschen, die es vielleicht nicht so gut getroffen hat. Jene, die beispielsweise mit einer schweren Krankheit kämpfen, die jahrelang vergeblich nach einem Job suchen, die sich mit wenig Geld durch’s Leben schlagen müssen uvm. Nein, wir sehen immer nur alles, was wir nicht besitzen und wollen uns immer weiter nach oben optimieren. Grundsätzlich ist es ja nichts schlechtes, sich Ziele zu stecken und diese eifrig zu verfolgen, doch es gibt einen Punkt, da geht dies weit über ein gesundes Maß hinaus. Es zieht uns in eine Negativspirale, dadurch, dass wir ja nur mehr Ungerechtigkeiten sehen. Ich bin zwar keine Psychologin aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Einstellung gesund für uns und unsere Psyche ist.

Deshalb gilt es auf uns zu schauen: Wie lebe ich? Bin ich mit meinem Leben zufrieden? Bin ich zufrieden mit meiner Entlohnung für jene Aufgabe, die ich zu erledigen habe? Eine gute Schule hierfür ist die Tätigkeit in der Personalabteilung. Als MitarbeiterIn hat man natürlich Zugriff auf alle Gehaltsdaten der MitarbeiterInnen im Unternehmen. Man ist bei Gehaltsverhandlungen dabei und weiß, wie viel jede/r einzelne – egal in welcher Hierarchie – verdient. Würde ich mich tagtäglich mit jedem/jeder vergleichen, dann würde ich wahrscheinlich durchdrehen und nur mehr frustriert sein. Für mich sind Gehälter oder Löhne ganz einfach Zahlen, die nicht mit einer Emotion verbunden sind. Ich denke, so geht es auch den KollegInnen in der Buchhaltung oder im Controlling, wenn sie beispielsweise Rechnungen in Millionenhöhe anweisen müssen. Es sind einfach Zahlen in unterschiedlichen Höhen, die in Relation mit vielen verschiedenen Einflussfaktoren stehen.

Ich persönlich halte eine gewisse Einkommenstransparenz in Unternehmen für sinnvoll, um dieses Thema endlich zu enttabuisieren und somit auch mögliche Diskriminierungen von vornherein auszuschließen. Dies muss jedenfalls unser Ziel sein! Natürlich ruft eine gewisse Transparenz immer Neid hervor, doch wie bei jeder Veränderung, wird auch diese irgendwann angenommen und als „normal“ angesehen. Blicken wir nach Schweden, die ja die VorreiterInnenrolle in Europa einnehmen, so zeigen sie uns, dass es funktionieren kann.

**Ani**

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