Talk About: Und was machst du so?

Endlich war es soweit! Mein allerliebster Storyteller Ali Mahlodji brachte vor über einer Woche sein erstes Buch auf den Markt: „Und was machst du so“ hat er es genannt, und es erzählt seine persönliche Geschichte. Als kleiner Fan habe ich es mir natürlich sofort besorgt und auch bereits ausgelesen. Was ich davon halte? …

Freitag, 11. August 2017. Heute war Ali Mahlodji’s Buch „Und was machst du so“ erschienen. Gleich nach Arbeitsende flitzte ich zur Buchhandlung und besorgte mir eine Ausgabe. Ali hatte es bereits einige Monate vor dem Erscheinungsdatum in seinen Instastories angeteasert, und ich freute mich schon sehr darauf. Ich war auch gespannt auf seine persönliche Geschichte, sein „Erfolgsrezept“ quasi, wie er sein nicht so einfaches Leben gemeistert hatte. Ali, der selbsternannte Storyteller und Superheld, der vor einigen Jahren die Berufsinformationsplattform „whatchado“ gründete und auch bereits auf vielen Konferenzen, bei Vorträgen etc. auftrat, erzählte bereits dort von seiner schwierigen Kindheit und den vielen Steinen, die ihm im Laufe seiner Karriere in den Weg gelegt wurden.

Dass ich whatchado toll finde, habt ihr ja bereits mitbekommen: Den allerersten Artikel auf meinem Blog damals vor eineinhalb Jahren habe ich dieser Plattform gewidmet, und ich bin immer noch der Meinung, dass sie eine der größten und besten Ideen überhaupt ist. Es gibt mittlerweile so viele Berufe, dass niemand mehr so richtig einen Überblick hat – wie auch, wenn sich ja auch die Bezeichnungen andauernd ändern. Wer konnte damals vor ein paar Jahren beispielsweise ahnen, dass sich der Beruf als HausmeisterIn in Facility ManagerIn ändern würde?! Weiters hatte auch niemand eine Ahnung, wie man denn zum gewünschten Traumberuf finden würde: Welche Ausbildung braucht man dazu, welche Wesenszüge füllen den Beruf erst richtig mit Leben und geht es eigentlich ganz anders, wie etwa durch einen Quereinstieg? Diese und mehrere Fragen werden mit Hilfe der Plattform beantwortet und zwar durch ein „Matching“: Wie auf einer Dating-Plattform kann man Vorlieben etc. mit jenen der Personen matchen, die bereits ein Interview für whatchado gegeben haben und deren Video auf der Plattform einzusehen ist.

Vom Flüchtling und Schulabbrecher zum internationalen Unternehmer

 

Ali Mahlodji Und was machst du so_1

Aber nun zu Ali selbst und seinem Buch. Auf 312 Seiten und in zwei großen Kapiteln mit mehrere Unterkapiteln beschreibt er seinen – oft auch sehr holprigen Weg – zum Erfolg. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit „seiner Geschichte“: die Flucht aus dem Iran,  den Schulabbruch, sein Stottern, seine vielfältigen Jobs, sein Kampf mit Depression und Burn Out, die Idee zu whatchado und wie er auch in der Lehre von Jugendlichen seine Berufung fand. Im zweiten Kapitel geht er auf die Gründungsgeschichte von whatchado ein und wie er damit die „Welt retten wollte“ bzw. immer noch will. Er beschreibt sehr gut, wie es auf einmal war, für Menschen, also für MitarbeiterInnen und indirekt auch für deren Familien verantwortlich zu sein, wie er sich plötzlich mit rechtlichen Themen auseinandersetzen musste, wie er an InvestorInnen gekommen ist, um seinen Traum verwirklichen zu können und warum es die Aufgabe einer Führungskraft ist, sich ersetzbar zu machen.

Dieses zweite Kapitel war es, was mich am meisten interessiert hatte: Wie schafft man es von einer Idee zu einem Unternehmen, welches zudem einen gesellschaftlichen Beitrag bietet und somit soziale Verantwortung übernimmt, aber trotzdem wirtschaftlich überleben kann und ein „klassisches“ Business sein kann? Ali beschreibt hier sehr gut den recht steinigen Weg zu dem Unternehmen, wie es jetzt besteht. Weiters legt er seine Philosophie als Führungskraft offen dar: Warum der/die beste ChefIn nicht alles wissen muss, warum er drei Jahre daran arbeitete, sich ersetzbar zu machen und warum Zufälle, der einzig wahre rote Faden im Leben sind. Die besten Zitate aus seinem Buch habe ich euch nun herausgesucht:

„Zu meinen Führungskräften sage ich immer: Ihr seid wie Fußballcoaches. Auch ein Fußballcoach war vielleicht einmal der beste Fußballer der Welt und hat alle Tore geschossen. Als Coach aber steht er am Seitenrand, gibt sein Wissen weiter, schaut, dass der Spieler besser wird und ihn hoffentlich  einmal übertrumpft.“

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„Man gründet nicht nur, um sich selbst geiler zu finden. Eigentlich ist das Unternehmen erst dann erfolgreich, wenn das System von selbst beginnt, sich um die anfallenden Aufgaben zu kümmern und nicht einen Aufseher braucht, der mit Zuckerbrot und Peitsche den Leuten sagt, was sie zu tun haben.“

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„Dieser Moment des Loslassens war einer der härtesten meines Lebens. Ich wollte mich von Anfang an ersetzbar machen. Und als es dann passiert ist, hat es verdammt wehgetan. Das eigene Ego ist doch wesentlich stärker, als man denkt.“

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„Wenn ich ein pessimistischer Grantler wäre, hätte die Welt mir nicht so viel gegeben. <<What goes around, comes around>>. Deshalb versuche ich, jeden Menschen mit Respekt und auf Augenhöhe zu behandeln. Weil alles, was ich im Leben mache und wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe – das zahlt in diese Welt ein.“

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„Zwei Tage vor der Vertragsunterzeichnung habe ich begriffen, welche Verantwortung wir für ihn und seine Familie tragen. Mir war drei Tage lang schlecht. Wenn irgendetwas nicht geklappt hätte und wir ihn vor die Türe hätten setzen müssen, wäre seine ganze Familie davon betroffen gewesen. Das hat mir Magenschmerzen bereitet.“

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„Wenn der Chef der klügste Mensch im Raum ist, ist er der Flaschenhals, an dem sich die Entscheidungen ansammeln. So ein Unternehmen kann nicht schnell sein. {…} Stattdessen stellten wir eine einfache Regel auf: Wenn Besuch ins Büro kam und zum Chef wollte, durfte er nicht sofort merken, wo oder wer der Chef war. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem weniger Hierarchien existieren als in anderen Unternehmen. Schließlich arbeiten wir gemeinsam an einer Sache und verbringen mehr Zeit miteinander als mit unseren Familien. Außerdem hasse ich jeden Gedanken daran, dass ich ein Chef bin.“

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„Unsere Mitarbeiter sind aber auch Superhelden. Natürlich können sie weder fliegen, noch sind sie unverwundbar. Doch sie arbeiten jeden Tag daran, Jugendlichen ohne Orientierung neue Perspektiven zu geben. Das macht sie in unseren Augen zu Superhelden. Jeder Mitarbeiter bei whatchado hat deshalb neben seinem offiziellen Jobtitel einen Superheldentitel auf seiner Visitenkarte stehen.“

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„Die Gründer mögen whatchado in die Welt gesetzt haben, aber wir alle halten es gemeinsam am Leben. Mit dieser Einstellung haben wir Mitarbeiter gefunden, die für kein Geld der Welt zu kaufen sind. Unser Einstellungskriterium war ihr Charakter und nicht ihr Uni-Abschluss. Euphorische, positive Leute, die Lust hatten, etwas umzusetzen, oder raus aus ihrem alten Job wollten, der ihnen jede Energie raubte.“

Ali Mahlodji Und was machst du so_2

Ich finde Ali’s Einstellung zum Thema Gründen und vor allem zu den Themen Führen, Entwickeln und Motivieren von Menschen modern, zielführend sowie äußerst vorbildlich. Wir müssen endlich verstehen, dass die Führungsgrundsätze von vor ein paar Jahren veraltet sind – die Welt dreht sich weiter und somit müssen auch diese Grundsätze dringend einem Update unterzogen werden. Auch ich sehe es so, dass man MitarbeiterInnen nur über ihre Motivation bzw. ihre Einstellung, Werte etc. steuern und somit glücklich und zufrieden machen kann. Geld ist dabei auch ein wichtiger Faktor, doch nicht der entscheidende bzw. ein sehr kurzfristiger, der nicht von langer Dauer ist. Dies beschreibt Ali in seinem Buch sehr gut und ausführlich.

Das Buch gehört definitiv zu meinem Must-Reads! Es hilft darüber hinaus, sich seine persönliche berufliche Situation wiederum vor Augen zu halten und dieses zu reflektieren: Ist dies der Job, der mich erfüllt? Ist es der Job, auf den ich rückblickend sagen kann, dass dieser mich glücklich gemacht hat und ich mein Leben so leben konnte, wie ich es mir vorgestellt/erträumt habe? Kann ich später sagen, dass ich in meinem Leben zufrieden war, dass ich nicht für andere gelebt habe, sondern für mich und mir damit meine Träume erfüllt habe? Dies Bedarf nicht nur eines gewissen Weitblicks und einem hohen Maß an Selbstreflexion, sondern vor allem den Mut, sich seine Situation einzugestehen und gegebenenfalls daran etwas zu ändern.

Ich kann euch nur sagen: Traut euch! Liest sein Buch, lernt eine andere Seite – eine moderne Seite – der Arbeitswelt kennen und macht euch mit den Werten der Zukunft vertraut. Diese neue Perspektive wirft garantiert ein anderes Licht auf eure(n) Beruf(ung). Viel Spaß!

**Ani**

2 thoughts on “Talk About: Und was machst du so?

  1. Hallo!

    Wenn ich nicht schon mitten im ersten Kapitel wäre, würde ich mir „Und was machst du so“ spätestens jetzt definitiv holen. So… ich bin dann mal weiterlesen 😀

    Liebe Grüße
    Sabrina

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