„Mein Job nervt total!“ Welche Gründe zu einer inneren Kündigung führen

Dauerstress, Teilnahmslosigkeit, Unruhe, Erschöpfung und Arbeit nach Vorschrift – dies können Anzeichen dafür sein, dass du innerlich bereits mit deinem Job abgeschlossen hast. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Endlich Freitag! Endlich Wochenende! In den sozialen Medien wird der Ausklang der Arbeitswoche regelrecht gefeiert. Hunderte Memes, Videos etc. sind zu finden, die alle denselben O-Ton haben: Den Freitag biegen wir noch runter, dann ist endlich Wochenende! Dann beginnt das Leben, so könnte man sagen. Auf eine gewisse Art und Weise gehört dies auch so zelebriert und natürlich freut sich jede/r auf freie Zeit, die man mit FreundInnen, Familie etc. nutzen kann. Diese Freizeit ist auch sehr wichtig, sodass die Batterien wieder aufgeladen werden und man gut für die kommende berufliche Herausforderung gerüstet ist. So wie der Freitag bzw. das Wochenende gefeiert wird, so entdeckt man spätestens am Sonntag genauso viele Sprüche, Bilder etc., die ihre „Trauer“ über das Ende der Woche ausdrücken. Oh Gott, es ist Sonntag, das heißt, der Montag ist nicht mehr weit!

Wie gesagt, auch ich finde diese Dinge witzig und teile sie auch sehr gerne auf meinen sozialen Netzwerken, weil hier doch schon ein paar sehr kreative Ideen dabei sind. Doch viele Menschen sehen diese witzigen Videos nicht mehr als lustig an, sondern sie spiegeln dabei zu 100 % deren Gemütszustand. So setzt bei vielen spätestens am Sonntag Nachmittag die „Montagsdepression“ ein, weil einem bewusst wird, dass es bald wieder heißt: Ab in die Arbeit! Natürlich gibt es auch Phasen, in denen man lieber in die Arbeit geht und jene, in denen man am liebsten zu Hause bleiben möchte. Das ist ganz normal und gehört zum Arbeitsalltag dazu. Doch wenn die Phase des „Nicht-Wollens“ schon eine ganze Weile andauert und auch keine Besserung in Sicht ist, dann deutet dies auf eine innere Kündigung hin.

Es ist immer wichtig nicht in die Opferrolle zu verfallen!

Es gibt 2 Arten von Kündigung: die innere, wo uns selbst bewusst wird, dass wir einfach nicht mehr wollen, können bzw. nur mehr Dienst nach Vorschrift machen etc. und die juristische, wo wir unserem Gefühl Taten folgen lassen und ein Kündigungsschreiben aufsetzen, welches wir tatsächlich auch abgeben. Mehr Mut erfordert jedenfalls, sich einzugestehen, dass man etwas an der derzeitigen Situation ändern möchte und weiters die entsprechenden Schritte zu setzen. Ich sehe es als äußerst wichtig an, hier nicht in die Opferrolle zu verfallen: Alle anderen haben Schuld an meiner Situation, die Chefin nervt und verlangt Unmögliches, der Kollege ist nicht auszuhalten und die Unternehmenspolitik ist sowieso eine Frechheit. Bevor man sich auf alles andere konzentriert und die Energie damit verschwendet Fehler, Schuld etc. bei anderen zu suchen, so sollte man die Kraft nutzen, sich über seine persönliche Situation klar zu werden und gegebenenfalls etwas daran zu ändern.

Fakt ist auch, dass mit der richtigen MitarbeiterInnen-Führung einer inneren Kündigung bereits im Vorfeld entgegengewirkt werden kann, sodass es dazu erst gar nicht kommt. Wichtig ist hier zu wissen, welche Gründe zu einer solchen führen:

RICHTUNGSLOSIGKEIT

Wenn ich nicht weiß, welche Visionen, Strategien etc. das Unternehmen hat, für welches ich arbeite, dann fehlt mir die Orientierung. Passen meine Werte mit jenen des Unternehmens zusammen? Wenn mir beispielsweise Umweltschutz am Herzen liegt, doch dieser Punkt in der Unternehmensvision keinen Platz hat, dann entsteht hier ein innerer Konflikt, der kurz- bis mittelfristig zu Unzufriedenheit bzw. weiters zur inneren Kündigung führt.

FEHLENDE WERTSCHÄTZUNG, ANERKENNUNG, FEEDBACK

Die Grundprinzipien der Führung sozusagen: Bringe ich meinen MitarbeiterInnen zu wenig Wertschätzung entgegen, gebe ich kein Feedback zu deren geleisteten Arbeit, feiere ich keine Erfolge, nehme ich alles als selbstverständlich hin, dann werde ich eine gewisse Fluktuation zu spüren bekommen. So eine MitarbeiterInnen-Führung ist definitiv nicht auf Langfristigkeit ausgelegt und somit auch nicht auf Erfolg. Ein Umfeld, in dem man sich nicht wertgeschätzt und wohl fühlt, wird man früher oder später verlassen.

MIKROMANAGEMENT, KONTROLLE

Den schlimmsten Fehler, den man als Führungskraft, neben den vorher angeführten Punkten machen kann, ist das so genannte Mikromanagement. Dies bedeutet, dass man sich in noch so kleine Details der Aufgaben der MitarbeiterInnen einmischt und mitspricht. Selbstständiges Arbeiten ist somit so gut wie gar nicht möglich, im Gegenteil, man wird noch kontrolliert und jeder Handgriff hinterfragt. Mit jedem Tag steigt so das Frustpotential.

KEINE WEITERBILDUNGS- UND ENTWICKLUNGSMÖGLICHKEITEN

Zu den Aufgaben einer Führungskraft gehört unter anderem das Entwickeln der eigenen MitarbeiterInnen. Hört sich sehr simpel an, ist aber in der Praxis ein sehr heikles und oft emotional besetztes Thema. Natürlich möchte man „gute“ MitarbeiterInnen nicht einfach so ziehen lassen, denn wer erledigt dann die Arbeit bzw. wird der/die NachfolgerIn die Themen anders erledigen, als der/die VorgängerIn. Die Arbeitssituation, die immer stabil gewirkt hat und auch sehr gut funktioniert hat, wird gefährdet, da sich der/die MitarbeiterIn anderen (verantwortungsvolleren) Aufgaben widmen möchte. Verwährt man als Führungskraft den MitarbeiterInnen diese Entwicklung, so entsteht ein großes Gefühl der Unfairness, welches sich dann rasch zu Unzufriedenheit und Frust entwickelt. Eine Konsequenz ist die innere sowie die juristische Kündigung.

Zu einer Arbeitsbeziehung gehören immer 2 Seiten: jene der Führungskraft, die ihre Aufgabe dementsprechend wahrnehmen muss und dafür sorgen soll, dass sich die MitarbeiterInnen entwickeln, motiviert bei der Arbeit, nicht unter- oder überfordert mit den gestellten Aufgaben sind und sich auch immer am aktuellsten Wissensstand befinden. Auf der anderen Seite befinden sich die ArbeitnehmerInnen, die genauso ihr Stück zum Erfolg der Firma, der Abteilung, des Teams und schlussendlich auch zum eigenen Erfolg beitragen. Deshalb ist es wichtig, etwaige Missstände oder Unzufriedenheiten so früh wie möglich zu kommunizieren und anzusprechen, um so das Ruder vielleicht noch umreißen zu können, bevor es dann schlussendlich zur inneren Kündigung kommt.

Wart ihr schon mal in einer Arbeitssituation, wo ihr bereits innerlich gekündigt habt? Was sind eure Erfahrungen damit?

**Ani**

4 thoughts on “„Mein Job nervt total!“ Welche Gründe zu einer inneren Kündigung führen

  1. Liebe Ani,

    danke für den Beitrag, ich hab wieder etwas dazugelernt: Mikromanagement!

    Ich hatte mal eine Chefin, die jeden Tag verglich, wann ich mich von der Firma abmeldete und wann ich die letzte E-Mail geschrieben habe. Dabei ging es jedoch nicht darum, dass ich zu wenig gearbeitet hätte, sondern das Gegenteil war der Fall, ich hab mehr gemacht, als ich aufgeschrieben hab. Dabei ging es um Differenzen von 5 Minuten! Das ist für mich dann auch Mikromanagement – oder wenn man so will, der unbedingte und verbissene Versuch, ein Haar in der Suppe zu finden in dem man massig Zeit dafür aufwendet, solche Vergleiche anzustellen… Tja!

    Alles Liebe, Sylvia

    1. Wahnsinn! Die Zeit hätte sie für ihre eigentliche Führungsaufgabe nutzen sollen..! Ja auch eine Art des Mikromanagements.. Danke Sylvia!

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