Who run the World? Können Männer noch Karriere machen?

Höre ich wieder genauer in mein Umfeld hinein, so wird er wieder spür- und merkbar: Denn er ist wieder da, der Ruck in die positive Richtung! Frauen kämpfen sich aus der #metoo-Opferrolle, und es werden strukturelle Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt geschaffen, die eine Gleichstellung von Frauen und Männern begünstigen. Von welchen hier die Rede ist? Einfach mal weiterlesen…

Letzte Woche hatte ich die Möglichkeit mal wieder aus meinem “Alltagstrott” herauszukommen und wieder die allgemeine Stimmungslage einzufangen, die im beruflichen Kontext herrscht. Ich habe wieder mitbekommen, welche Themen die Menschen interessieren, welche sie bewegen, aber auch welche ihnen Unsicherheit geben. Derzeit ist es immer noch so, dass in einem Saal voller Führungskräfte, ein sehr großer Männer-Anteil vorherrscht. Dies ist unverkennbar. Irgendwo insgeheim versteckt wissen wir doch alle, dass Diversität die Produktivität, die Effizienz und die Leistungsbereitschaft eines/einer jeden Einzelnen stärkt und positiv beeinflusst. Warum geht es dann immer noch nicht in unsere Köpfe hinein, dies auch aktiv umzusetzen und angehen zu müssen, damit dies auch gelebte Realität wird.

Obwohl der Frauen-Anteil in diesem Saal verschwindend gering war, wehte doch ein sehr starkes Lüftchen in Richtung Empowering von Frauen, der manchmal sogar zum Orkan wurde. Klare Worte wurden gefunden, um auf die derzeitige Situation aufmerksam zu machen, in einem Rahmen, wo nicht vorrangig Frauen ein Thema waren. Es braucht auch meiner Meinung nach keine eigenen “Frauenveranstaltungen”, um auf die vorherrschende Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen aufmerksam zu machen. Diese Thematik soll als “selbstverständlich”, als “ganz normal” angesehen werden. Indem man eigene große Veranstaltungen daraus macht, fallen Frauen wiederum der Exklusion zum Opfer. Es hat den Anschein, als möchte man etwas von “außen” ins bestehende System hineinbringen – den “Feind” sozusagen. Dieses Bild wird leider oft damit verbunden.

 

Die “Gläserne Decke”: Frau als Mitarbeiterin & Mann als Vorgesetzter 

 

Doch Frauen sind alles andere als “Opfer”, als etwas “Bedrohendes” welches man von außen in ein scheinbar funktionierendes System einfügen möchte. Wir sind Teil der Gesellschaft und müssen gleichwertig betrachtet werden. Deshalb ist es wichtig Maßnahmen zu setzen, um diese Gleichberechtigung zu erlangen, die aber aus dem System heraus entstehen bzw. punktuell gesetzt werden muss. Ähnlich wie es bei dieser Veranstaltung geschehen ist: Da wurde über Wirtschaftlichkeit, Veränderung und über die Zukunftsperspektiven des Unternehmens gesprochen, dazwischen wurde das Fehlen von Frauen in Führungspositionen diskutiert und auch sogleich Maßnahmen präsentiert, wie das Unternehmen diese “Gläserne Decke” durchbrechen kann. Dabei fielen auch klare Worte in Richtung der männlichen Führungskräfte, die auch beispielsweise das Fehlen von männlichen Bewerbern in bestimmten weiblich dominierten Bereichen kritisierten. Doch: Wie häufig kommt es aber vor, dass eine rein weibliche Abteilung dann einen männlichen Vorgesetzten hat? Wo kommt denn dieser Mann her? Ein typisches Beispiel der Gläsernen Decke….

Doch welche Maßnahmen, abgesehen von der Einführung einer Frauenquote, die meiner Meinung nach nur zu sehr viel Unmut und Schuldzuweisungen führt, können Unternehmen setzen? Inspiriert von den skandinavischen Ländern, die uns in punkto dessen meilenweit voraus sind, muss vom oberen Management “sanfter Druck” auf das mittlere Management ausgeübt werden, um hier etwas bewegen zu können. Das Thema Gleichstellung muss immer latent präsent im Unternehmenskontext sein. Der sanfte Druck beginnt bereits beim Aufnahmeprozess, der künftig strenger gemonitort wird: Welche Positionen werden ausgeschrieben? Wie viele männliche und wie viele weibliche BewerberInnen gibt es? Welche Qualifikationen haben beide? Es sollen weiterführend bei gleicher Qualifikation Frauen den Zuschlag bekommen bzw. aber auch umgekehrt Männer, wenn der Bereich frauendominiert ist. Diese Maßnahme geht zu 100% in Richtung Gleichstellung und meint nicht Bevorzugung von Frauen in jeglichen Positionen. Wichtig ist, dass dies bei gleicher Qualifikation gilt und dass bei “Nichteinhaltung” ein rechtfertigendes Statement abgeliefert werden muss, warum in diesem Fall anders entschieden wurde.

 

“Können Männer noch Karriere machen?”

 

Dies ist meiner Meinung nach zwar ein sehr straffes Programm, doch unbedingt notwendig, um in Unternehmen ein Umdenken bewirken zu können. Es müssen Impulse gesetzt werden, um Frauen den Eintritt, aber auch den Aufstieg ermöglichen zu können – um die “male Borders” durchbrechen zu können. Dabei müssen sie auf Gesellschaftsebene unbedingt aus der “Opferrolle” herausgeholt werden. Es liegt ja meistens nicht daran, dass Frauen keine Ambitionen haben, in einem Bereich Karriere zu machen – wobei Karriere nicht immer mit Hierarchie und Führung gleichgestellt werden muss. Es reicht oft, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass dies gelingt. Die Herausforderung der Vereinbarkeit von Beruf und Kinder wird beispielsweise immer präsent sein, da nun mal nur Frauen Kinder gebären können.

Im Rahmen dieser Veranstaltung kam nach Vorstellung der Maßnahmen sogleich die Frage eines männlichen Teilnehmers auf: “Können Männer dann überhaupt noch Karriere machen?” Ich muss zugeben, dass mich diese sehr geärgert hatte, denn es geht ja nicht um Bevorzugung, sondern um Gleichstellung. Dies bedeutet ja nicht Ausgrenzung, sondern ein Miteinander. Dass Männer mit Ironie und Witz auf gewisse Veränderungen reagieren, ist ja altbekannt und nur ein Ausdruck von Unsicherheit bzw. der Versuch eine ernste Thematik ins Lächerliche zu ziehen, um sich so den möglichen Konsequenzen entziehen zu können. Doch die Frage zeigt auch, dass Männer sich dessen bewusst werden, dass künftig die Konkurrenz um eine Position stärker wird. Der “Freunderlwirtschaft” sowie den “Gefälligkeiten” unter Männern wird so ein Riegel vorgeschoben, und zumindest sorgt dieser Schritt für mehr Transparenz in der Stellenbesetzung.

Who run the World?

**Ani**

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