Spart euch doch einfach eure Kommentare zu meinen Tattoos!

Ein Gesprächsthema, welches anscheinend nie aus der Mode kommt, ist jenes über Tätowierungen. Sehen Menschen meine Tattoos, erlebe ich oft staunende, aber auch interessierte Gesichter. Nach dem Gesichtsausdruck kommen aber meist die Kommentare dazu und ratet mal welche Menschen am liebsten über Tattoos sprechen möchten? Richtig, jene, die gar keine haben bzw. am allerliebsten jene, die auch nie welche möchten.

Beim Thema Tätowierungen scheiden sich die Geister, aber eines ist sicher: Jede/r glaubt, dass er/sie mitreden kann! Nur weil man sichtbare Tattoos auf bzw. unter der Haut trägt, heißt es längst nicht, dass man ungefragt die eigene Meinung dazu abgeben kann. Es ist auch keine unaufgeforderte Einladung, die subjektive “Expertise” dazu abgeben zu können. Tattoos sind auch kein Modetrend, der wiederum verschwindet – wie beispielsweise Pastelltöne oder Einhorn-Taschen. Tattoos sind für mich der persönliche Ausdruck, im besten Fall der Ausdruck von Kunst am eigenen Körper, den man mit Stolz trägt. In meinem Umfeld höre ich immer wieder Leute sagen: “Das war’s dann aber jetzt mit den Tattoos! Zu viele schauen dann nicht mehr schön aus!” Tja, erstens bist du nicht mein Vormund und zweitens ist es immer noch mein Körper – aber vielen Dank für deinen Kommentar. Woher nehmen sich manche Leute so etwas heraus? Ja, es gibt Personen, die könnten sich auf gar keinen Fall vorstellen, sich Tinte unter die Haut stechen zu lassen – ist ok und akzeptiere ich auch. Nur warum können gerade solche Menschen nicht akzeptieren, dass die umgekehrte Variante auch ihre Berechtigung  hat? Auch die Beurteilung was “schön” und “hässlich” ist, kann sich niemand anmaßen. Ich gehe doch auch nicht in eine fremde Wohnung und kritisiere das neue Ecksofa in Himmelblau?!

Irgendwo ist es ja auch witzig, dass man mit ein paar bunten Stellen am Körper so für Gesprächsstoff sorgt, denn da kommen doch schon ein paar teils lächerliche Fragen auf einem zu. Mein ältestes und dazu größtes Tattoo ist jetzt 4 Jahre alt, wobei es danach weitere 2 Male überarbeitet, also gecovert wurde (siehe Foto). In den 4 Jahren habe ich bereits so manche Fragen über mich ergehen lassen müssen. Anstatt euch mein Best Of der kuriosesten Fragen zusammenzuschreiben, möchte ich lieber mit folgenden Gegenfragen kontern:

 

Warum sollte es denn nicht weh tun?

Beim Tätowieren wird mittels einer Nadel Farbe unter die Haut gestochen. Ja klar tut es weh! Jede/r von uns hat aber ein anderes Schmerzempfinden und weiters kommt es auch auf die jeweilige Körperstelle an. Wenn jemand sagt, dass es bspw. am Handgelenk so höllisch weh tut, dass man dabei fast umkippt, dann muss dies nicht für alle Menschen zutreffen. Bei mir hat diese Stelle zum Beispiel teils kaum, dann aber 2 mm weiter wiederum sehr weh getan. Die Schmerzen sind aber auszuhalten und wenn man etwas möchte, dann nimmt man diese doch gerne in Kauf! Vielleicht ist es gut, zu Beginn mit einem kleineren Motiv zu beginnen und nicht beispielsweise gleich mit dem gesamten Oberarm.

 

Warum glaubst du zu wissen, was schön bzw. hässlich ist?

Es hat mir noch kaum eine Person ins Gesicht gesagt, dass er/sie meine Tattoos hässlich findet, doch meist verraten sie ihre Blicke. Viel öfter kommt es vor, dass über andere gesprochen wird: “Schau, der da drüben! Also das Tattoo an der Wade geht doch gar nicht!” Tja, es wird schon einen Grund haben, warum sich eine Person dieses oder jenes stechen hat lassen. Für ihn hat es eine Bedeutung, andere finden es hässlich. Ist ja auch alles legitim, aber es gibt so manche Meinungen, die muss man nicht unbedingt kundtun bzw. diese nicht ausführen und weiter begründen. Das Tattoo ist gestochen – ändern kann man sowieso nichts mehr dran und es wird schon einen Grund gegeben haben, warum man sich genau jenes Motiv ausgesucht hat. Darüber hinaus sind mir individuelle Tattoos lieber als sogenannte “Mainstream-Tattoos”, die man an jeder zweiten Person begutachten kann. Leben und Leben lassen – wie wärs damit?

 

Weshalb kannst du dir nicht vorstellen, dass Menschen ihren Körper als Leinwand oder Hülle betrachten?

Viele Menschen haben unterschiedliche körperliche Wahrnehmungen: Manchen sehen ihren Körper als “unbeflecktes Heiligtum” an, den man ja nicht “verschandeln” darf, andere wiederum als Hülle oder gar Leinwand, die es durch die Jahre hindurch mit Erfahrungen, Eindrücken oder einfach nur Schönem zu schmücken gilt. Keine/r von uns ist “besser” oder “schlechter” wenn er/sie sich schmückt oder nicht. Manche von uns haben Narben, Sommersprossen etc. und andere eben Tattoos. Dies macht doch keinen Unterschied – oder denken wir immer noch Schubladen und ziehen Äußerlichkeiten vor, die wiederum zu Vorurteilen und Interpretation führen? Aus diesem Zeitalter sollten wir uns doch bald mal verabschieden…

 

Kannst du dir etwa nicht vorstellen, dass dir etwas dein Leben lang gefällt?

Die häufigste Frage ist jene nach dem Bereuen bzw. nach dem wie etwas im Alter aussehen soll. Ich habe keine Ahnung, ob ich meine Tattoos bereuen werde und ich habe auch keine Ahnung, ob sie mir noch gefallen werden, wenn ich “alt” bin. Und wisst ihr was: Ich lebe mit dieser Ungewissheit – Punkt. Es gibt Dinge, die kann man nicht vorhersagen, die weiß man einfach nicht. Ich habe mich dazu entschieden, dieses “Risiko” einzugehen und es einfach zu tun. Unser Leben ist nicht unendlich. Ich könnte morgen bereits von einem Auto auf der Straße überfahren werden. Tja, dann war’s das mit mir. Im Leben muss man auch manchmal Dinge wagen, von denen man im Vorhinein nicht zu 100% abschätzen kann, ob sie auf einen längeren Zeitraum hinweg Gültigkeit bzw. in diesem Fall Gefallen besitzen. So ist es nun mal. Doch ich habe mir im Gegenteil die Frage gestellt, ob ich es vielleicht bereuen würde, es nicht getan zu haben, wenn es mit mir mal zu Ende gehen sollte. Ich glaube ihr kennt die Antwort 🙂

**Ani**

 

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