Vorsicht vor dem Ideenklau beim Bewerbungsgespräch!

Vorsicht beim nächsten Bewerbungsgespräch! Hier wird gerne geklaut – unfassbar aber wahr! Lest weiter, um zu erfahren, auf welche Dinge ihr achten müsst…

Letzte Woche bin ich fast aus allen Wolken gefallen! Angefangen hat alles damit, dass ich nichtsahnend meinen Facebook Feed durchgescrollt habe und auf einen Artikel aus Amerika gestoßen bin, in dem eine Frau von ihren Erfahrungen bei einem Bewerbungsgespräch für eine Top-Management Position berichtet hatte. Es handelte sich dabei um eine Führungsposition im Bereich Innovationsmanagement. Nach der ersten “normalen” Gesprächsrunde, erhielt sie den Anruf, es in die zweite Runde geschafft zu haben und sie hatte somit die Gelegenheit den CEO des Unternehmens kennenzulernen und sich zu präsentieren. Sie war aus dem Häuschen und freute sich schon sehr darauf. Weiters wurde ihr angekündigt, dass es in dieser Runde – neben dem Kennenlern-Gespräch – auch um die Klärung der Details zur Anstellung bzw. zum Vertrag geht. Sie dachte also, dass sie den Job praktisch in der Tasche hätte – so wurde es ihr jedenfalls suggeriert. Als sie beim Termin erschien, wurde ihr jedoch nochmals eine praktische Aufgabe gestellt: Sie sollte sich Gedanken zu einer bestimmten Fragestellung machen und eine Art ad-hoc Konzept präsentieren. Zu Beginn war sie etwas verwundert, nur wollte sie sich natürlich auch vor dem CEO nicht blamieren, weshalb sie das tat, um was man sie gebeten hatte. Doch als der CEO scheinbar sehr interessiert immer tiefer und weiter nachfragte, kam ihr etwas komisch vor. Konnte es sein, dass sie gerade ihr Wissen weitergab und das “for free”?

 

Im Bewerbungsgespräch wird zwar Fachwissen abgefragt, aber …

Ihr Aussagen wurden ab diesem Zeitpunkt immer vager und oberflächlicher, bis sie schlussendlich all ihren Mut zusammennahm und fragte, ob sie dafür nicht einen Consulting Vertrag gegen Bezahlung abschließen wollten. Der CEO riss die Augen auf und sein Kopf lief rot an, er fühlte sich sichtlich ertappt. Die Frau konterte weiter, dass es sich anscheinend um ein Missverständnis handeln musste, da sie zu diesem Termin eingeladen wurde, um die Vertragsdetails zu besprechen. Der CEO wich aus, ging nicht auf ihr Statement ein und die Frau zog daraus ihre Konsequenzen: Sie sagte ihm noch im Gespräch für die Position ab und war froh, schon während der Bewerbungsphase mitbekommen zu haben, mit welchen Spielchen diese Firma gespielt hatte und nicht erst später. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, reflektierte ich über meine vergangen Gespräche, die ich einerseits selbst geführt, andererseits aber als Bewerberin erlebt hatte. Ich dachte mir, dass es sich um diese spezielle Position bei der Frau im Artikel gehandelt haben musste, da mir dies so noch nie widerfahren war. Auch in den Gesprächen, die ich mitbegleitet hatte, wurde kein Fachbereich so fordernd, sodass der Anschein aufkam, dass hier fremde Ideen gratis abgezapft werden. Natürlich werden bei Bewerbungsgesprächen fachspezifische Fragen gestellt. Ein solches ist ja dazu da, Fachwissen abzufragen bzw. auch Herangehensweisen an bestimmte Problemstellungen aus den KandidatInnen herauszubekommen. Ich kann mir trotz alledem vorstellen, dass es da einen Punkt gibt, an den man merkt, dass irgendetwas nicht stimmt.

 

Ein Fall aus Wien …

Letztes Wochenende kam ich mit jemanden ins Gespräch – nennen wir ihn Markus – , der mir von seiner Erfahrung mit einem bestimmten Bewerbungsprozess erzählen wollte. Bei diesen Themen werden auch meine Ohren automatisch größer und meine Neugier steigt, da es immer wieder interessant ist, wie sich andere Firmen bei der Suche nach neuen MitarbeiterInnen so anstellen. Doch ich ahnte nicht, dass diese Geschichte völlige Fassungslosigkeit bei mir auslösen würde. Markus kommt aus dem Kommunikations-/PR-Bereich und bewarb sich für eine derartige Position in einem großen internationalen Unternehmen. Er wurde zur ersten Gesprächsrunde eingeladen und kurze Zeit später kam der Anruf, dass er es in ein Assessment Center geschafft hatte. Markus konnte sein Glück kaum fassen, da es sich um ein renommiertes Unternehmen handelte, welches ihm auch Perspektiven bot, später in den Auslands-Offices arbeiten zu können. Er freute sich sehr und begann sogleich sich auf das AC vorzubereiten: Er las dabei sehr aufmerksam alle News, egal ob online oder print, zu diesem Unternehmen und auch der Blick auf die Homepage durfte dabei nicht fehlen. Alle Infos, die abgefragt werden könnten, hatte er quasi “inhaliert”. Es konnte also nichts mehr schiefgehen! Beim Assessment Center selbst bekam er Aufgaben gestellt, relevante Problemlösungen auszuarbeiten und seine Konzepte danach zu präsentieren. Alles lief gut, die Jury war begeistert und gab ihm auch sehr positives Feedback zurück. Markus hatte das Gefühl, den Job bereits in der Tasche zu haben, als der Anruf kam, dass er sich bitte noch gedulden möge. Inzwischen durchforstete er weiterhin alle News-Channels um Uptodate zu bleiben, was das besagte Unternehmen anging. Dabei bemerkte er, dass jene Idee, die er vor einer Woche der Jury präsentiert hatte, bereits umgesetzt wurde – und zwar 1:1! Gedanken schossen durch seinen Kopf und er wusste nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte, da sie ihn nicht dahingehend informiert hatten.

Da er aber immer noch kein Feedback zu seinem Bewerbungsprozess hatte, beschloss er sich im ersten Schritt mal zu freuen, da es damit wahrscheinlich hieße, dass bald der Anruf vom Unternehmen kommen musste, dass er den Job schlussendlich bekommen hatte. Kurz darauf kam auch der erwartete Anruf und er wurde eingeladen, um das Team kennenzulernen. Jetzt konnte ja wirklich nichts mehr schiefgehen! Markus war überglücklich und ging siegessicher zu diesem scheinbar letzten Termin. Er begrüßte alle künftigen KollegInnen recht herzlich, doch diese waren zu seinem Erstaunen etwas verhalten. Da deren Führungskraft noch nicht im Raum war, baten sie Markus noch um etwas Geduld. Schweigen. Niemand wollte mit ihm sprechen. Als der Vorgesetzte nun endlich den Raum betrat, wurde er herzlich begrüßt und ihm in diesem Atemzug auch gleich mitgeteilt, dass es sich nun wiederum um ein Assessment Center handelte. Markus fiel aus allen Wolken und verstand die Welt nicht mehr! Mittlerweile waren nämlich fast 12 Wochen vergangen: 12 Wochen in denen er interviewt, ausgequetscht und schlicht und einfach hingehalten wurde und dann das! Markus nahm allen Mut zusammen und verwies auf sein präsentiertes Konzept, welches ja sogar bereits umgesetzt wurde. Der Vorgesetzte entgegnete ihm daraufhin, dass seine Kollegin im Management mit genau dieser Idee auf ihn zugekommen war, weshalb diese so umgesetzt wurde. Wie bitte?! Sein Geduldsfaden riss endgültig, doch er ließ sich nichts anmerken und blieb professionell. Er schluckte kräftig, löste die ihm gestellten Aufgaben noch ein letztes Mal – halbherzig aber professionell – und entschied sich dann, dieses Unternehmen aus seinem Gedächtnis zu streichen. 

 

Bitte lasst euch nicht alles gefallen!

Jetzt wisst ihr, warum auch ich sprach- und fassungslos war! Was geht denn hier ab? Also wenn das kein gar institutionalisierter Ideenklau ist, was denn dann? Hier werden vorsätzlich Bewerbungsgespräche durchgeführt, für eine Position, die es so wahrscheinlich gar nicht zu besetzen gibt, um Problemstellungen “gratis” zu lösen. Das Management aus Übersee möchte anscheinend Lösungen präsentiert bekommen, die von den vorherrschenden MitarbeiterInnen in Österreich so nicht zu bewältigen sind und anstatt ein Beratungsunternehmen anzuheuern, welches dafür eine Menge Geld verlangt, hilft man sich mit leeren Ausschreibungen weiter?! OMG! Ich bin heute noch fassungslos! Auch so lässt sich ein gutes Image ganz einfach ruinieren! Und diese Respektlosigkeit und Geringschätzung jener Personen, die sich für das Unternehmen interessieren, ist eine absolute Frechheit! Deshalb meine Bitte an euch: Auch wenn ihr diejenigen seid, die gerade einen Job suchen und diesen vielleicht auch händeringend brauchen, lasst euch bitte trotzdem nicht alles gefallen. Wenn ein Unternehmen euch nur ausnutzen und eure Vorstellungen und Ideen absaugen möchte, dann lasst die Finger davon. Wenn ihr mutig seid, dann sprecht dies offen an, wenn nicht, dann beendet das Gespräch in einer professionellen Art und Weise. Seid euch bewusst, dass dies nicht “normal” ist und man durch solche Situationen nicht “durch muss”. Anscheinend kommt so etwas viel öfter vor, als man denkt – und dies eben nicht nur weit weg in Amerika, sondern auch ganz nah hier in Wien.

**Ani**

4 Comments

Join the discussion and tell us your opinion.

Sylviareply
January 22, 2018 at 09:01 AM

Liebe Ani,

danke für diesen Beitrag! Auch ich kann davon ein kleines Lied singen – nicht so krass wie in deinem Text, aber so ähnlich. Ich denke man sollte zum Beispiel hellhörig werden, wenn in einem Assessment Center Analysen und konkrete Verbesserungsvorschläge für das Unternehmen gemacht werden müssen. Das kenn ich aus eigener Erfahrung und das Unternehmen lacht sich ins Fäustchen, weil sie so viel geballtes Expertenwissen für ihre spezielle Situation kostenlos bekommen. Wirklich mies!
Jeder sollte den Mut aufbringen bei solchen Spielchen “Nein” zu sagen und zu gehen.

Liebe Grüße
Sylvia

Anireply
January 22, 2018 at 08:01 PM
– In reply to: Sylvia

Sehr sehr gerne liebe Sylvia! Da geb ich dir Recht, das ist wirklich eine ganz miese Nummer! Deshalb war es mir auch wichtig, mit allen zu teilen! Man muss sich nicht alles gefallen lassen! **Ani**

AleyKeyreply
March 26, 2018 at 01:03 AM

Sehr wahr und richtig!

Anireply
March 29, 2018 at 07:03 PM
– In reply to: AleyKey

Danke dir! 🙂

Leave a reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.