Dear HR-People …

Jede/r von uns hat eine andere Meinung, wenn es um HR-Abteilungen bzw. die Menschen darin geht. Wenn man wie ich so mitten drinnen ist, dann wir man schnell betriebsblind. In den letzten Jahren ist mir jedoch eines eines aufgefallen: Wir haben im Allgemeinen einen recht schlechten Ruf und man sagt uns nach negativ und träge zu sein – dies muss sich ändern …

Der Personalbereich ist ein sehr spannender Bereich eines Unternehmens, da es neben dem obersten Management eine der wichtigsten Steuerungszentralen ist. Arbeitet man in so einem Umfeld, ist man aber auch in der berühmt-berüchtigten “Sandwich Position”. Dies meint, dass man auf der einen Seite die Interessen des Unternehmens, andererseits auch jene der MitarbeiterInnen vertreten muss und für beide Seiten gute und vor allem tragbare Lösungen finden muss. Schaut man nicht auf die Wirtschaftlichkeit hinter bestimmten Maßnahmen, so wird das Unternehmen bald nicht mehr am Markt bestehen bleiben können. Verliert man die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen aus den Augen, so findet man bald eine negative Unternehmenskultur vor, woraufhin sich auch bald die Talente verabschieden werden und das Unternehmen sein Business nicht mehr in einer gewissen Qualität aufrecht erhalten kann. HR oder eben auch Human Resources ist dazu da, so gut es geht beide Interessensgruppen zufrieden zu stellen. Klingt spannend – ist es auch! Überhaupt wenn man bedenkt, dass sich die Anforderungen in den letzten Jahren sehr verschärft haben und KundInnen zu gewinnen und auch zu halten immer herausfordernder wird.

Aus Gesprächen habe ich des öfteren das Feedback bekommen, sehr positiv und vor allem lösungsorientiert zu agieren – so gesehen ist es gewissen Menschen in meinem Arbeitsumfeld aufgefallen, dass ich mit besten Wissen und Gewissen diesen Spagat gut zu erfüllen versuche. Ich war aber jedesmal doch recht überrascht, da ich annahm, dass diese Art zu arbeiten “normal” sei, also zu meiner Arbeit in der Personalabteilung gehöre, für Lösungen zu sorgen, mit denen alle zufrieden sind. In den meisten Fällen erklärte man mir, dass HR-Abteilungen aber oft als “Verhinderer” gesehen wurden, die zu allen Vorschlägen und Ideen “nein” sagten. Oft hörten sie gerade aus dieser Ecke, dass dieses und jenes so nicht funktioniert und nicht geht, doch keine Lösungsmöglichkeiten, wie man aus der Situation das beste machen könnte. Liebe HR-KollegInnen, ich bin doch schon sehr verwundert. Passend dazu, liest man in jedem 2. Artikel, wie träge die Personal-Welt denn sei und dass auch diese mehr auf Innovation und Modernität setzen sollte, sonst würde sie sich schlussendlich selbst wegrationalisieren. Und wenn ich mir mein Umfeld so anhöre, dann haben diese Artikel in irgendeiner Art und Weise auch recht.

 

Dear HR-People …

… die Welt dreht sich und wir müssen uns mitdrehen bzw. die Richtung und die Geschwindigkeit mitsteuern. Es kann nicht sein, dass wir generell als jene Personen gesehen werden, die neue Lösungen verhindern und keine Vorschläge zur Umsetzung präsentieren. Ich bin mir bewusst, dass dies Einzelfälle sind und nicht alle Personalabteilungen so arbeiten – sonst hätte man uns wahrscheinlich bereits aufgelöst. Es gibt also kreative Talente innerhalb von HR, die die Arbeitswelt mitgestalten und zu einem Ort machen möchten, wo ein produktives Miteinander passieren kann. Gut so! Allen anderen kann ich nur folgende Punkte mit auf dem Weg geben …

 

… be Transformers!

Agilität, Interdisziplinarität, Arbeitsplatz der Zukunft, Marketing, Aging Workforce Management und noch viele weitere Begriffe beschreiben unsere künftige HR-Welt. Das alleinige Schalten von Stelleninseraten, Vorstellungsgespräche führen und Arbeitszeugnisse ausstellen waren einmal und gehören der Vergangenheit an! Auf uns kommen herausfordernde aber spannende Zeiten zu, denn wir sind diejenigen, die die Organisation fit machen müssen. Die Führungskräfte bauen auf uns und müssen uns als PartnerIn auf Augenhöhe verstehen, um diese Herausforderungen meistern zu können, nicht als “Verhinderer” oder “Bremser”. Doch nicht nur in der Beratung müssen wir unsere Position stärken, wir sollten endlich mal beginnen vor unserer eigenen Haustüre zu kehren! Noch immer wird Professionalität mit einer gewissen “Steifheit” gleichgesetzt, dabei heißt es gerade jetzt raus aus der Komfortzone, die Krawatte und die Pumps zurück in den Schrank und auf neue und kreative Lösungen gesetzt, die der Organisation und deren AkteurInnen helfen und den Wandel mitgestalten, als diesen zu beobachten und abzuwarten!

 

… focus on Performance!

Fast jede Geschäftssparte setzt auf Innovation und vor allem auch auf die sogenannte Gamification. Gemeint ist damit, Prozesse einerseits zu digitalisieren, andererseits aber diese anders, vor allem spielerischer zu gestalten. Dies erhöht ungemein die Akzeptanz und schafft dabei noch ein positives Gefühl. Genau dieses fehlt den meisten Arbeitsprozessen. Somit lassen sich durch Gamification verstaubte Abläufe modernisieren und einfach gesagt witziger gestalten. Welcher Prozess eignet sich besser als das Performance Management, welches im Unternehmen gamifiziert werden kann?! Bereits im Alltag benutzen viele von uns Schrittzähler oder Smart Watches, um so Daten über unsere eigene sportliche Performance zu erheben. All dies passiert spielerisch und motiviert uns darüber hinaus auch noch selbst, immer mehr und mehr Daten von uns zu sammeln und diese dann schlussendlich auszuwerten und zu vergleichen. Es gilt deshalb den Markt nach geeigneten Performance Management Tools, die uns genau darin unterstützen, zu sondieren und die regelmäßige MitarbeiterInnen-Beurteilung aufzupeppen.

 

… delete those job descriptions!

Die Verwaltung von Positions- und Arbeitsbeschreibungen ist passé! Verabschiedet euch am besten gleich davon! In Zukunft muss eine Organisation viel agiler werden, weshalb es auch wichtig ist, die Projekte und Aufgaben nach Interessen und Stärken zu vergeben. Dies verlangt natürlich einerseits von uns, dies überhaupt zu ermöglichen und die Rahmenbedingung zu schaffen, dass dies im Unternehmen gelebt werden kann. Andererseits müssen die MitarbeiterInnen dafür Bereitschaft zeigen bzw. auch dahin gebracht werden, in derartigen Strukturen arbeiten zu können. Dies erfordert einen Cultural Change, bei dem alle – das Management, die Führungskräfte und die MitarbeiterInnen – an einen Strang ziehen müssen und das wohl gemerkt in die selbe Richtung! Damit geht unabdingbar die Vertrauensarbeitszeit einher, da MitarbeiterInnen über Ziele bzw. Erfolge und Misserfolge gemessen werden und nicht nach deren An- oder Abwesenheit.

 

… create Experiences!

“Der/die KundIn steht im Mittelpunkt” – diesen Leitsatz kennen alle Personen, die sich bereits mit Marketing & Sales in irgendeiner Art und Weise beschäftigt haben. Dieser Spruch gilt künftig auch umso mehr für den Personalbereich. An alle KollegInnen, die sich darüber noch keinerlei Gedanken gemacht und diesen Leitsatz bis dato nicht in ihrer Arbeit mitbedacht hatten: Es wird allerhöchste Zeit umzudenken! Die MitarbeiterInnen stehen im Fokus, denn Talente und künftige Führungskräfte fallen nicht einfach so vom Himmel und wünschen sich in eurem Unternehmen arbeiten zu dürfen. Deshalb ist es wichtig – im Sinne des Marketings – Employee Experiences zu schaffen und MitarbeiterInnen eine inspirierende Arbeitsatmosphäre, die passenden Benefits und eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Kreativität und Innovation erfordern entsprechende Rahmenbedingungen. Es gilt sich mehr auf die Bedürfnisse einzustellen und eine Employee Journey zu designen, die von der Bewerbung bis zur Trennung reicht und MitarbeiterInnen individuell begleitet. Die Ziele dessen, müssen eine bessere Produktivität, die Steigerung der Innovationskraft und im Gegenzug auch die Stärkung der Resilienz sein. Hier müssen gerade wir aktiv dafür Sorge tragen, diesen Prozess bzw. diesen Wandel mitzubegleiten und mitzugestalten. Kein/e andere/r außer uns hat dieses immens große und vielfältige Wissen über die Organisation und deren AkteurInnen. Wir müssen dieses endlich nutzen und die Rahmenbedingungen so gestalten, um auch eine authentische Employer Brand zu schaffen. Die wichtigsten BotschafterInnen sind die MitarbeiterInnen. Nutzt man diese als MultiplikatorInnen und teilen diese beispielsweise Unternehmens-Infos, vakante Stellen etc. in sozialen Medien, dann stärkt dies die Bindung zum Unternehmen ungemein und man erreicht die gewünschte Zielgruppe auf eine Art und Weise, wie sie auch keine gutbezahlte Marketing- oder Recruiting-Kampagne hinbekommen würde.

 

Wir dürfen uns also nicht mehr als reine Verwaltungsabteilung verstehen, die banal Aufträge vom Management o.Ä. annimmt und ausführt. Das HR-Management der Zukunft bzw. der näheren Gegenwart muss Transformation vorantreiben und die Arbeitsplätze der Zukunft mitgestalten. Digitalisierung und Effizienz dürfen nicht mehr vor der eigenen Türe halt machen! Moderne Personalarbeit muss mit der Zeit gehen, sodass eine PartnerInnschaft auf Augenhöhe entstehen kann. Wir dürfen uns nicht durch unsere eigenen Scheuklappen wegrationalisieren, sondern unsere Position als treibende Kraft des Wandels stärken. Dear HR-People, ich hoffe ihr seht dies genauso?

**Ani**

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