Tauwetter-Stimmung im Management: Wir sind cool und per Du!

Wie mir bereits in letzter Zeit recht oft aufgefallen ist, geht ein regelrechter Tauwetter-Trend im Management um. Keine Ahnung, ob es in diversen Management-Lehrgängen oder Vorträgen erwähnt wird, aber es geht eindeutig in Richtung “Coolness” und “Lockerheit”, speziell in den obersten Hierarchieebenen…

 

“Der Start-Up-Wind weht in Richtung Großkonzern!” – TOP!

Im sogenannten Kampf um die Talente am Arbeitsmarkt schrecken auch die TOP Führungskräfte nicht zurück, sich und ihr Wesen zu verändern bzw. verändern zu wollen. Es scheint zumindest so, da alle auf einmal “cool”, “hip” und vor allem “locker” sein wollen. Es herrscht also Tauwetter-Stimmung in den obersten Hierarchieebenen. Keine Ahnung woher dieser Stimmungswechsel kommt, aber scheinbar dürfte aufgrund der großen Konkurrenz im Sinne des/der attraktivsten ArbeitgeberIn ein wenig Start Up-Wind in Richtung der großen Unternehmen geweht haben. Diese Lockerheit, das Arbeiten auf Augenhöhe, aber auch die meist fehlenden Hierarchieebenen machen für viele das so genannte “Start Up Life” interessanter als ein internationaler Großkonzern mit vielen Ebenen und meist veralteten Strukturen sowie Menschen dahinter. Tja, da muss man als Unternehmen schon mal mithalten können. Wo wird diesbezüglich am ehesten und schnellsten angesetzt: Richtig, bei einem selbst, in dem man vorgibt auf einmal auf das “Sie” verzichten zu müssen, ins “Du” zu wechseln und so zu tun, als wäre man hip, cool und total locker – so ganz ohne Krawatte versteht sich…

 

“Ich bin dein Chef! Ich bin aber total locker und cool!” – NOT!

Ich selbst nehme diesen Trend jedenfalls wahr. In den bekannten Online Business Netzwerken ist dies am meisten spürbar, da auch viele Führungskräfte erkennen, dass sie den “Online Trend” gut für sich selbst nutzen können und es auch etwas bringt, hier vermehrt Zeit zu investieren. Wurden soziale Netzwerke noch vor einiger Zeit stark verpönt, wird jetzt der Nutzen von der richtigen Handhabung für einem selbst recht rasch ersichtlich. Liken, Kommentieren und auch Sharen werden auf einmal cool, denn so zeigt man jedenfalls, dass man mit der Zeit geht und “trendy” ist. Was die meisten jedoch übersehen ist, dass man es – trotz Online-Welt – auf jeden Fall mitbekommt, wenn etwas nicht “real”, also echt ist. Setzt jemand ein bestimmtes Verhalten auf und möchte sich einfach nur schnell “darstellen”, dann fällt dies mit Sicherheit auf. Was folgt ist nämlich das Gegenteil von dem, was man damit ursprünglich erreichen wollte. Dieses “fake”-Verhalten kann bis zum Shitstorm führen, eines geschieht aber mit Sicherheit: Es fällt kein gutes Licht auf die Person und auch das Unternehmen, welches repräsentiert werden soll.

 

“Der Mensch als Individuum rückt wieder in den Mittelpunkt!” – TOP!

Im Allgemeinen finde ich diesen Trend, hin zu mehr “Gelassen- oder Lockerheit”, das Begegnen auf Augenhöhe und das Loswerden von Hierarchiedenken sehr gut. Es geht genau in eine Richtung, die ich zu 100% unterstützen und gutheißen kann, denn es sollte das Individuum im Zentrum stehen, mit all den Leistungen, der Einstellung, der Motivation und den Menschen, so wie er/sie nun mal ist. Was helfen uns Hierarchiedenken, Distanz aufgrund von Positionsunterschieden und eine Pinguin-Kleiderordnung, um in irgendein Schema hineinzupassen, welches begünstigen soll, Karriere zu machen? Diese Tauwetter-Stimmung kommt da recht gelegen, denn die Auflockerung zeigt, dass der Trend ganz klar in diese Richtung geht. Dass sich Menschen in ihrer Einstellung und ihrem Tun nicht von heute auf morgen ändern können, ist auch verständlich und dass sogenannte “Baby-Steps” notwendig sind, um Veränderung herbeizuführen, lässt sich auch nicht abstreiten. Nur ein bestimmtes Verhalten herbeizuzwingen, um so wahrgenommen zu werden, obwohl man im tiefsten Inneren “einfach nicht so ist”, das hat noch niemanden geholfen. Dieser Zwang “cool” und “lässig” zu wirken, artet dann schlussendlich doch nur in Fremdschämen aus.

Deshalb liebe Führungskräfte, seid offen für Neues, für Veränderung, für ein Umdenken in der Organisation, sodass auch Alternativen ihre Berechtigung haben und Anderssein seinen fixen Platz besitzt – und vor allem: Begegnet euren MitarbeiterInnen auf Augenhöhe und behandelt diese mit dem gleichen Respekt, dann kommt die Coolness und Lockerheit ganz von alleine bei euren Mitmenschen an.

**Ani**

2 Comments

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Sarareply
March 21, 2018 at 04:03 PM

Ich finde den Trend auch wirklich toll, da man sich einfach in einem Unternehmen wohler fühlt, wenn keine angespannte Atmosphäre Herrscht, wenn der Vorgesetzte den Raum betritt. Die Frage bleibt aber jedoch, ob diese Lockerheit auch nicht nur gespielt ist. Aber ich finde den Trend allgemein auf jeden Fall ziemlich gut :). Hoffentlich übernehmen das auch wirklich die meisten Unternehmen in Zukunft :).
<3 Sara von The Cosmopolitas

Anireply
March 25, 2018 at 01:03 PM
– In reply to: Sara

Hi Sara! Ja, ich hoffe auch, dass ManagerInnen künftig diese Lockerheit einfach annehmen und leben als vorzuspielen, weil es gerade “in” ist. Aber ich denke, wir sind da auf einem guten Weg 🙂

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