Das Alphatier – eine vom Aussterben bedrohte Art

Wie ich hier auch schon in den letzten Artikeln aufgezeigt hatte, befinden wir uns gerade in einem Transformationsprozess: Unternehmen müssen sich neu strukturieren und aufstellen, der Konkurrenz- und Zeitdruck wird immer härter und auch die Führungskräfte sind mehr gefordert als zuvor, da der Kampf um die besten Talente bereits ganz stark im Laufen ist. Aber nicht nur diesbezüglich ist es heutzutage nicht der einfachste Job, Führungskraft zu sein. Vielmehr geht es darum die Art zu Führen zu überdenken bzw. im worst case umzustellen. Viele sprechen hier auch vom agilen Führen, aufgrund der volatilen Strukturen. Ich möchte heute das Augenmerk auf eine ganz spezielle Art der Führungspersonen legen, die man künftig so nicht mehr vorfinden wird: Das Alphatier – eine vom Aussterben bedrohte Art …

 

Führung im Wandel

Es gibt mehrere Wege um seine MitarbeiterInnen zu einem bestimmten Ziel zu führen und sie dahingehend weiterzuentwickeln, wobei dies auch gleich die beiden Basis-Aufgaben einer Führungskräfte darstellen, falls dies jemanden noch nicht so bewusst war. In Zeiten des schnellen Wandels werden – zum Glück – damals für wichtig und unumgängliche Wege der Führung obsolet bzw. sogar kontraproduktiv. Denken wir nur an die Kontrolle am Arbeitsplatz. Noch vor einigen Jahren war es eine Hauptaufgabe des/der Vorgesetzten, die An- und Abwesenheit, sowie die Arbeit der MitarbeiterInnen ganz immens zu kontrollieren. Heute unvorstellbar, da im Sinne der Vertrauensarbeitszeit die Arbeit egal wann und wo erledigt werden kann. Das Steuern über Ziele hat sich bis dato so festgesetzt, dass es ein fixer Bestandteil in der Arbeitswelt geworden ist. Die Anwesenheitskontrolle wird auch in den kommenden Jahren immer mehr obsolet werden, da die Strukturen mehr und mehr aufbrechen und damit flexibler werden. Deshalb gibt es in den Führungsriegen eine ganz spezifische Art, die die nahe Zukunft so nicht mehr erleben wird. Ich spreche hier von einer vom Aussterben bedrohten Art, nämlich dem Alphatier.

 

DAS Alphatier weist eher männliche Attribute auf

Das Alphatier ist nicht zwingend männlich oder weiblich, es können beide Geschlechter ein so genanntes Alphatier sein bzw. im Sinne dessen Handeln und Führen. Wobei jene Attribute, die ein solches Ausmachen, doch eher den männlichen Kollegen zugeschrieben werden: übertrieben selbstsicheres und souveränes Auftreten, Ausschalten von anderen Meinungen/Wortmeldungen am Tisch, Übertönen von Stimmen, uvm. Es ist auch eher so ein altes “Männer-Ding”, da die meisten Führungskräfte – auch wenn wir in die Vergangenheit blicken – Männer waren bzw. leider immer noch sind. Es lässt sich manchmal immer noch beobachten, dass Frauen meist den Part der “Fleißigen” übernehmen, die ziel- und lösungsorientiert die Themen abarbeiten, während Männer eher mit Netzwerken, Selbstdarstellung und -vermarktung sowie der Delegation von Themen und Aufgaben beschäftigt sind – egal in welcher Hierarchiestufe. Aufgrund des vorhin angesprochenen Wandels tut sich aber eine sehr große und positive Möglichkeit für uns Frauen auf: Die alten patriarchalen Strukturen beginnen nun wirklich aufzubrechen, da künftig andere Kompetenz notwendig sind, um in der Wirtschaft bestehen zu können. Dies ist unsere Chance, den Platz der vormals sehr präsenten Alphatiere einzunehmen. Nach Marina Friess gibt es 7 wichtige Verhaltensweisen bzw. Codes, die sogenannte Alphatiere ausmachen, die einem Zukunftscheck jedoch so nicht mehr standhalten. Die 4 wichtigsten Codes sind folgende:

 

Der SMALL TALK – CODE

Das Alphatier ist immer auf der Suche nach neuen relevanten Informationen, die es beruflich weiterbringen.  Wenn es diese nicht bekommt, dann ist es sehr schnell gelangweilt und unaufmerksam.

 

Der ZIELE – CODE

Alphatiere gehen nie ohne ein bestimmtes Ziel bzw. Absicht in ein Gespräch. Dabei wird der/die GesprächspartnerIn gezielt ausgewählt. Sie wissen also von Anfang an, was sie erreichen möchten und was nicht.

 

Der MITTELPUNKT – CODE

Das Alphatier ist der festen Überzeugung, dass es der Mittelpunkt des Universums sei. Sie lieben es im Mittelpunkt zu stehen und Aufmerksamkeit sowie Anerkennung zu bekommen.

 

Der DOMINANZ – CODE

Aufgrund ihrer oft direkten und unverblümten Art, wirken Alphatiere sehr oft dominant bzw. sind sie es in den meisten Fällen auch. Dabei lassen sie sich nicht gerne von außen beeinflussen, und auf Widerstand reagieren sie oft aggressiv. Ihr Motto lautet dabei: Du hast zwar recht, aber meine Meinung gefällt mir besser!

 

Ich denke, dass dieser Auszug an Verhaltensweisen von Alphatieren ausreicht um aufzuzeigen, dass diese “Spezies” nicht überleben kann und wird. Die gegenwärtige aber auch künftige Arbeitswelt braucht andere Kompetenzen, als die vorhin genannten. Es geht vielmehr um ein Miteinander als ein Gegeneinander. Nicht die Vorteile für einzelne Personen sind relevant, sondern jene für das Team, für das gesamte Unternehmen. Diese Ego-Tour hat vielleicht bis dato gut funktioniert, nur hat dieses Verhaltensmuster endlich ausgedient. Die Tage des Alphatiers sind also gezählt …

**Ani**

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