Review: (Dis)Honesty: The Truth About Lies (Netflix Dokumentation)

Wer von euch glaubt, dass er/sie ein aufrichtiger und „guter“ Mensch ist? Ja genau, wir alle schätzen uns genauso ein. Dann lehnt euch kurz zurück und denkt nach, wann ihr das letzte Mal gelogen habt. Es muss sich nicht um eine große verheerende Lüge handeln, es sind ja meist die kleinen „Notlügen“, die wir (fast) täglich benutzen – nicht wahr?

Wie ihr ja vielleicht mitbekommen habt, hatte ich letzte Woche wiederum 2 ganze Tage Ausbildung, Freitag und Samstag. Gerade wenn draußen die Sonne scheint, ist es hart, volle 8 Stunden in einem kleinen Seminarraum zu verbringen. Deshalb „belohne“ ich mich nach solchen Tagen immer selbst, meist mit einer Kleinigkeit. Dies reicht oft schon aus, um wiederum mit sich ins Reine zu kommen und motiviert weiterzumachen. Meine Belohnung letzte Woche waren ein paar leckere Makronen, ein Gläschen Sekt und ein entspannter Samstagabend – (fast) ohne Instagram, Facebook und Co.. Kurz gesagt: ein wenig Netflix & Chill. Ich hatte an diesem Abend mal wieder Lust, eine gute Dokumentation zu sehen. Die Frage war nur wiedermal: Welche? Durch Zufall entdeckte ich eine, die sich mit Ehrlichkeit und Lügen auseinandersetzte. Ich folgte meinem Bauchgefühl und so entschied ich der Doku mit dem Namen „(Dis)Honesty: The Truth About Lies“ eine Chance zu geben.

 

Lügen oder nicht Lügen …?

Es war gut so, denn sie regte mich an, ein wenig über mich selbst zu reflektieren. Aber nun zur Handlung: Die Dokumentation handelt vom US-amerikanisch-israelischen Psychologen und Hochschullehrer Dan Ariely, der sich im Rahmen einer Studie mit 40.000 TeilnehmerInnen mit den Motivatoren von Menschen zu Lügen sowie den daraus resultierenden Konsequenzen, beschäftigt. Ihm geht es vorrangig darum, psychologische Verhaltensweisen und Muster aufzuzeigen, die es ermöglichen, dass sich Menschen für aufrichtig halten, aber dennoch Lügen verbreiten. Deshalb führt er sozialpsychologische Studien, vorrangig mit StudentInnen durch, in denen er die Meinung zu einem bestimmten Thema abfragt, die im Anschluss daran durch eine Bezahlung entlohnt wird. Eine Situation war beispielsweise jene: Alle saßen gerade im Hörsaal, die Feedbackbögen wurden verteilt, einer von ihnen – ein engagierter Schauspieler – gab den Bogen bereits nach 30 Sekunden ab und erhielt dafür sein Honorar. Es war also sehr offensichtlich, dass dieser beim Ausfüllen geschummelt hatte bzw. die Antworten nicht nach besten Wissen und Gewissen abgab. Dies löste aus, dass die „Schummelrate“ der anderen somit auch in die Höhe ging. Das Experiment wurde nun mit einem Studenten – auch ein engagierter Schauspieler – wiederholt, der allem Anschein nach, von einer anderen Uni kam (erkennbar aufgrund des Logos auf seinem Pullover). Dieser gab wiederum nach 30 Sekunden seinen Bogen ab, nahm sein Geld und ging hinaus. Bei dieser Situation schummelte keine/r der anderen Studierenden. Wieso? Es geht hier um Zugehörigkeit und einem Gruppengefühl.

 

Gruppenzwang oder doch Gruppenzugehörigkeit …?

In der Dokumentation wird einem also rasch bewusst, dass wir schneller und „leichter“ lügen, wenn ein/e andere/r beginnt, der/die zu einer Gruppe gehört, zu dieser wir uns auch zugehörig fühlen. Also wenn die beste Freundin lügt, dann werden wir uns eher ihr anschließen und bei der Lüge mitmachen, als wenn dies eine uns fremde Person tun würde. Zwischen den Sequenzen in denen die Studie erklärt und die Experimente gezeigt werden, kommen in Interviews Menschen zu Wort, welche von den Folgen einer teils kriminellen Lüge erzählen, mit der sie vor Jahren aufgeflogen waren. Dies waren bekannte amerikanische Persönlichkeiten, wie beispielsweise ein Radrennfahrer, der gedopt hatte, ein Aktienhändler, der dahingehend betrog oder auch ein Basketball-Schiedsrichter, der illegal an Basketball-Wetten teilnahm. Fast alle begannen mit einer kleinen (Not)Lüge, die aber schnell wuchs und immer größer und damit auch immer illegaler wurde, bis sie alle mitsamt im Gefängnis landeten. Die Dokumentation regt wirklich zum Nachdenken an: Wann habe ich das letzte Mal gelogen? War es eine Lüge, die jemand anderen beruhigt oder geholfen hatte („Ja Mama, keine Angst, es ist alles bestens!“)?

 

Wie hält ihr es mit Lügen? Sind Notlügen OK, oder seid ihr vielleicht schon einmal so richtig aufgeflogen?

 

**Ani**

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