Hatte ich sie, die “Time of my Life”?

“Wie die Zeit vergeht”- ist einer der häufigste Sätze, die ich im Laufe der letzten Jahre gesagt hatte. Ich verstehe nicht, warum es mit zunehmenden Alter so scheint, als würde die Zeit nur so wie im Fluge vergehen? Fast schon ein wenig melancholisch stelle ich mir dann die Frage: “Hatte ich sie, die Zeit meines Lebens?”

 

D-Zug & Hamsterrad

Ich bin ja froh, dass es anscheinend nicht nur mir so geht: Auf Instagram habe ich in letzter Zeit des öfteren gelesen, dass sich viele vorkommen, als würden sie in einem D-Zug sitzen. Die Stunden, Tage und Wochen ziehen an uns vorbei als wären sie Wolken. Jetzt sitzen wir bereits bei sonnigen Temperaturen im Garten und schlürfen einen leckeren Aperitif, doch vor kurzem war doch erst Silvester, oder? Wo ist denn die Zeit hin? Oder besser gefragt: “Was haben wir die letzten Wochen/Monate alles gemacht, damit die Zeit so schnell vorbeigeht?” Gute Frage, denn es läuft doch eh alles wie immer? Meistens bewegen wir uns sowieso in einer Art “Hamsterrad”, welches großteils Schlafen und Arbeiten beinhaltet, wobei man eben noch versucht andere nette Dinge hier hineinzuzwängen, sodass man doch noch etwas vom sogenannten Leben hat. Ich denke ja, dass dieses Hineinpacken von jeglichen Dingen viel damit zu tun hat, dass die Zeit nur so verrinnt und man sie gar nicht aufhalten geschweige denn auskosten kann.

 

Unvergesslich & kurios

Wer schwelgt denn nicht gerne in Erinnerungen und möchte in jedem Moment die “Time of my life” haben? Es wird uns ja auch suggeriert, dass wir bestimmte Dinge, wie Events, Reisen etc. machen müssten, dann das wäre dann DAS ultimative Erlebnis, was man auf gar keinen Fall versäumen dürfte. Da stellt sich bei mir unweigerlich die Frage: Kann man denn schon im Vorhinein wissen, dass genau dieses oder jenes Erlebnis so einprägsam wird, dass es “die Zeit unseres Lebens” wird? Ich meine nein. Dies zu beurteilen verlangt das Ereignis erlebt zu haben – und am besten ohne jeglichen Erwartungen im Vorhinein. Wie oft dachte ich mir: “Dort muss ich hin, das wird auf jeden Fall genial und unvergesslich!” Tja, es stellte sich dann als recht 0815 heraus, und so verschwand es bald wiederum aus meinem Gedächtnis. Es gibt aber auch Events, auf die man sich wochenlang im Vorhinein freut, die dann noch kurioser und somit unvergesslicher werden als eigentlich erhofft. Bei mir war es so mit meiner Maturareise. Ein paar aus unserer Klasse buchten gemeinsam eine organisiertes Reise in die Türkei mit viel Musik, Party, Alkohol etc. Kurz davor stellte sich heraus, dass es zu gefährlich war dorthin zu reisen, da in der Nähe ein Krieg dank des damaligen Präsidenten Bush, angezettelt wurde. Ein anderer Veranstalter reagierte rasch und organisierte kurzerhand eine ähnliche Reise nach Griechenland. Dazu konnte man gratis umbuchen und dies taten wir auch. Anscheinend war diese Reise zu kurzfristig organisiert worden, da das Hotel vor Ort noch fast ein Rohbau war, rundherum noch gebaut wurde und auch bei ein paar umliegenden Hotels spätestens um 11 Uhr Nachtruhe war. Fazit der Reise war: ein Maturant hatte ein gebrochenes Bein, 2 Crew-Mitglieder saßen für eine Nacht im Gefängnis, der Alkohol ging aus und es regnete durch die Stromleitungen durch – wir bekamen dementsprechend fast unser gesamtes Geld zurück.

 

Gegenwart & Erinnerungen

Wie die Geschichte von meiner Maturareise zeigt, gibt es auch solche Ereignisse, die mit Sicherheit auf immer und ewig im Kopf verhaften bleiben. Es war wirklich meine chaotischste Reise, die ich je hatte – doch dazwischen hatten wir unseren Spaß und lernten viele neue Leute aus ganz Österreich kennen. Ich finde ja, dass man an sich gar nicht richtig merkt, wie schnell die Jahre an uns vorbeiziehen. Es sind mehr alle Dinge um uns herum, die uns zeigen, hey, du bist ja schon richtig alt geworden. Wenn man mich fragt, fühle ich mich immer noch wie Anfang 20. Doch höre ich ein paar “alte” Songs, die in den 90er Jahren oder 2000er Jahren aktuell waren, mit denen ich viele schöne Momente und Erinnerungen verbinde, dann wird mir klar, dass all dies bereits 15 bis 20 Jahre her ist. Puh, das hört sich nach einer verdammt langen Zeit an – ist es ja im Grunde auch, doch wo ist das alles hin? Ich bin ein Mensch, der gerne in Erinnerungen schwelgt, sich gerne alte Fotos ansieht, an schöne, aber auch an nicht-wiederholungswürdige Zeiten zurückdenkt. Ein bisschen kommt dann schon der ausgediente verstaubte Satz auf “Früher, da war noch alles cooler”, doch dann versuche ich mich schnell in die Gegenwart zu holen und an all die schönen Dinge zu denken, die es damals nicht gegeben hatte.

Wir leben schon in einer coolen Zeit, die Vergangenheit ist wichtig, sie hat uns teils zu dem gemacht, was wir heute sind. Doch es ist noch wichtiger, sich darin nicht zu verirren. Unser Blick sollte immer in die Zukunft gerichtet sein, gemeinsam mit den Lessons Learned aus der Vergangenheit. Dabei schadet es aber nicht, die alten Songs aus den 90ern zu hören und ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen – was meint ihr?

**Ani**

2 Comments

Join the discussion and tell us your opinion.

Juliareply
May 03 at 08:05 AM

Ah das ist ein schöner Beitrag liebe Ani <3 Ich glaube "Die Zeit deines Lebens" ist die ganze "Lebenszeit". Man kann nicht im Vorhinein sagen, welche Momente und Erlebnisse einen am Ende prägen werden und oft sind es gar nicht die großen Sachen, von denen man es sich gedacht hätte, sondern kleine, die man so gar nie erwartet hätte. Uns immer nur zu fragen, ob wir gerade die beste Zeit unseres Lebens leben, hält uns meiner Meinung nach davon ab unser Leben zu leben. Einfach leben, einfach genießen. Das ist glaube ich auch schon alles. <3 Alles Liebe Julia

Anireply
May 04 at 07:05 PM
– In reply to: Julia

So schöne Worte meine Liebe! Danke dafür – ich kann dir nur zu 100% zustimmen. Dies sollten wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen und nicht auf Zwang eine tolle Zeit erleben wollen. Dickes Bussi und alles Liebe

Leave a reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.