“Über welches Thema möchten Sie heute sprechen?” Alles über meine Business Coaching Ausbildung

Letzte Woche ist meine Business Coaching Ausbildung zu Ende gegangen und ich durfte mich in einem Life Coaching einem “echten” Fall stellen. Ich musste ganz alleine versuchen, diesen mit all den Techniken, die ich die Wochen und Monate davor gelernt hatte zu lösen. Nach fast eineinhalb Stunden war es dann soweit und es hieß: “Gratulation! Sie haben bestanden!” Nachdem ihr so viel Interesse daran gezeigt, mir so stark die Daumen gedrückt und mir so viele Fragen dazu geschickt hattet, dachte ich mir, alle Infos in einen Blogpost zu verpacken. Hier ist er nun – viel Spaß beim Lesen 🙂

 

Wie kam es zur Ausbildung?

Im HR-Bereich hat man es ja bekanntlich mit den verschiedensten Rollen zu tun: Führungskräfte, MitarbeiterInnen, dem Management, BetriebsrätInnen etc. und auch mit den unterschiedlichsten Themen, die meist nicht immer leicht zu lösen sind. Hier geht es meist um Kulturarbeit, um Change-Prozesse, Konflikt- und Zeitmanagement, aber auch um Strategieberatung. Ihr seht, sehr vielfältig aber auch sehr spannend, da man sich auf die verschiedenen Themen einstellen muss und natürlich auch auf die Personen und ihre Interessen. Speziell wenn es darum geht, Führungskräfte zu beraten bzw. zu unterstützen, kommt man irgendwann an seine Grenzen. Hier hilft es, wenn man “Werkzeuge/Tools” zur Seite gestellt bekommt, die einem die Kompetenz geben, sodass andere sich selbst helfen können. Genau das macht “Coaching”.

 

Was ist Coaching und wie unterscheidet es sich zum Business Coaching?

Coaching ist ein Begriff, der oft sehr unterschiedlich und recht missbräuchlich verwendet wird. Seinen Ursprung hat er aus dem Sportbereich: Hier wird der Coach als TrainerIn der mentalen Fähigkeiten verstanden. Das Setting ist aus der Therapie entlehnt, findet aber immer mehr Adaption an den wirtschaftlichen Kontext. Die Methode ist angelehnt an die systemisch lösungsfokussierte Kurztherapie und an die Gesprächstherapie von Rogers. Es gibt weiters 2 Zielgruppen für die Coaching relevant ist: Business & Privat – der einzige Unterschied ist das Thema, um das es im Gespräch geht, ansonsten sind die Methoden und Techniken, die angewandt werden gleich. Im Coaching geht es also darum, dass die Lösung im Fokus steht und nicht das Problem. Weiters hilft der konstruktivistische Ansatz dabei, die richtige Haltung zu bewahren: Der/die KundIn steht im Mittelpunkt des Gesprächs, wobei das Gespräch auf Augenhöhe stattfindet. Gemeinsam entwickelt man aufgrund des lösungsorientierten Ansatzes alternative Sichtweisen, die wiederum zu neuen Handlungsmöglichkeiten führen. Wichtig zu wissen ist auch, dass Coaching keine Therapie (Psychotherapie) und keine Beratung (Lebens- und Sozialberatung) ist.

 

 

Auf was kommt es beim Coaching an? Wann ist man damit erfolgreich?

Das A und O ist die sogenannte Coaching-Haltung, danach folgen aktives Zuhören und erst zum Schluss kommen die Methoden und Techniken. Klingt zu Beginn sehr banal, ist aber eine recht schwierige und vor allem anstrengende Aufgabe. Die 4 Grundregeln zur Coachinghaltung sind:

 

  1. Empathie und aktives Zuhören
  2. Akzeptanz und Wertschätzung
  3. Ressourcen fokussieren und neutral sein
  4. Authentizität und offen legen

 

Wendet man diese 4 Regel an, so kann man damit schon alleine sehr viele Menschen auf der Suche nach einer Lösung unterstützen. So einfach das auch klingt, wer dies schon einmal ausprobiert hat weiß, wie schwer dies ist und wie viel Energie man selbst dafür aufwenden muss. Damit euer Gegenüber selbst zu einer Lösung kommt, ist es notwendig, dass ihr eure Energie dafür zur Verfügung stellt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man nach ein oder zwei Stunden recht fertig und geschafft ist. Das ist auch der Grund, warum eine Coaching-Einheit erfolgreich war. Der Erfolg liegt darin, das Gegenüber zum Denken angeregt und für sich neue Sichtweisen entwickelt zu haben. Es muss also nicht zwingend sein, dass der- oder diejenige aus der Tür hinausgeht und die ultimative Lösung parat hat. Oft ist der Prozess und der Denkanstoß viel wichtiger und hilfreicher, ganz nach dem Motto: “Zwischen Problem und Lösung besteht keinerlei Zusammenhang.”

 

Welche Fragetechniken hast du in der Ausbildung gelernt?

Grundlegend sind alle “W-Fragen” wichtig, da diese offen sind und dazu anregen weiter auszuholen und mehr zu erzählen – im Gegensatz zu geschlossenen Fragen, die kurz und bündig mit “ja” oder “nein” beantwortet werden können. Darüber hinaus sollen die W-Fragen ziel-, zukunfts- und verhaltensorientiert gestellt werden, wie beispielsweise: “Was müsste wer/wann/was anderes tun, damit ein besseres Ergebnis herauskommt?” oder “An welchem Verhalten würden Sie/jemand anders bemerken, dass Sie das Ziel erreicht haben?” Dabei gibt es weiters verschiedene Fragetechniken, die im Coaching angewendet werden, wie beispielsweise:

 

  • Zirkuläre Fragen (Ziele auf das Umfeld ab: “Was würde Ihre Kollegin zu dieser Veränderung sagen?”)
  • Ausnahmefragen (“Wann war das schon anders?”)
  • Wunderfrage (“Wenn morgen das Problem gelöst ist, woran würden Sie dies festmachen?”)
  • Skalierungsfragen (“Auf einer Skala von 1-10, wo stehen Sie derzeit wenn Sie an xy denken?”)
  • Fragen zur Problemlösungsbalance (“Was ist gut am Gegenwärtigen?”, “Was soll so bleiben?”)
  • etc.

 

Kann man beim Coaching etwas falsch machen, sodass es danach noch schlimmer ist?

Kurz gesagt: Nein. Auch wenn eine Methode, eine Fragetechnik etc. nicht so wirksam ist (das merkt man eh sofort!), dann einfach sein lassen und weitermachen: “Repariere nichts, was nicht kaputt ist”. Ein Problem oder ein Anliegen, das im Coaching Setting behandelt wird, ist meistens so vielfältig, auch wenn man sich zu Beginn denkt, dass es eh nur eine Kleinigkeit ist. Erst wenn man darüber spricht, beginnt es seine Dimensionen zu entfalten. Es gibt hier bestimmte Ebenen (sogenannte Meta-Ebenen), die man ansprechen kann: Werte & Glaubenssätze, Kontext, Beziehungen sowie Emotionen – egal welche man in den Fokus stellt, beim Gegenüber bewirkt es jedenfalls etwas. Ein Konflikt mit einem Arbeitskollegen kann beispielsweise entstehen, wenn die eigenen Werte verletzt werden oder wenn es ein Aufgaben- und Strukturproblem gibt. Entweder man spricht diese Ebenen an, oder die beiden anderen, es wird jedenfalls zur Lösung des Konfliktes beitragen.

 

 

Was war das Schwierigste bei der gesamten Ausbildung?

Ich muss zugeben, am Nervösesten war ich zum Schluss, denn da stand das Abschluss-Coaching, also das Life Coaching am Programm. Davor hatten wir auch schon kurze Sequenzen, in denen wir Zeit zum Üben hatten, doch wenn wir mal nicht weiterwussten, sprang die Trainerin ein und half uns weiter. Beim Life Coaching waren wir mind. 1 Stunde alleine mit einem/einer KlientIn und mussten ohne Vorwissen zum Thema das Gespräch alleine führen. Das war schon sehr aufregend, aber auch lehrreich, da man sich beim Coaching ja grundsätzlich nicht vorbereiten kann. Das ist auch der Unterschied zu allen anderen Ausbildungen: Ich konnte mir zwar die Theorie durchlesen, doch in der Praxis kam es dann doch ganz anders. Ich wusste gar nicht, wie schwer es sein kann, ein Problem oder ein Anliegen gemeinsam zu definieren und dann “auf den Boden zu bringen” sodass es beiden klar wird, woran wir nun wirklich arbeiten. Es wird im Coaching zwar viel gesprochen, doch sehr viel Nebulöses, also nichts Klares und Konkretes. Die Kunst besteht darin, es klar und deutlich werden zu lassen. Dabei muss man aber auf die Haltung (siehe oben) achten und versuchen ja nichts vorzugeben oder das Gespräch absichtlich (oder unabsichtlich) in eine gewisse Richtung zu lenken: Also der Weg wird vom/von der KundIn definiert und nicht vom Coach selbst. Klingt kompliziert? Ist es auch – aber: Übung macht den/die MeisterIn!

 

Wie lange hat die Ausbildung gedauert und wo hast du sie gemacht?

Meine Business Coaching Ausbildung hat ca. 1 Semester gedauert, also 3×2 Workshoptage (FR & SA), sowie 1×2 Tage Life Coaching. Ich habe diese bei Aumaier Coaching gemacht und kann sie dort nur empfehlen. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt, es wurde sehr intensiv auf unsere Fragen eingegangen und uns TeilnehmerInnen ein unheimlich großes und vielfältiges Wissen vermittelt. Die Ausbildung wird bei ca. 4-6 TeilnehmerInnen durchgeführt, es ist also kein Großgruppentraining, wo man selbst irgendwo untergeht und eine/r von vielen ist, sondern es wird wirklich auf die unterschiedlichen Themenstellungen und Bedürfnisse eingegangen. In meinem Fall hat mir das Unternehmen, wo ich angestellt bin, die Ausbildung nach einem MitarbeiterInnen-Entwicklungsgespräch bezahlt. Deshalb sprecht dies gerne auch in eurem Unternehmen an, da die Möglichkeit besteht – je nach der Art eures Jobs – , dass die Ausbildungskosten getragen werden.

 

Ich hoffe, ich habe alle eure Fragen ausführlich beantworten können? Falls noch etwas fehlen sollte, oder euch noch die ein oder andere Frage eingefallen ist, dann stellt sie gerne unterhalb dieses Beitrages. Ich antworte dann gerne direkt darauf.

**Ani**

 

Vielen lieben Dank Natacha für unsere Coaching/Fotoshooting Session und auch ein großes Dankeschön an unsere Fotografin, die liebe Trixi <3 Thx Girls!

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