Rituale im Arbeitsumfeld: Der Anker im Veränderungsprozess

Mehr Agilität, mehr Flexibilität und natürlich eine digitale Transformation wird gebraucht. Wir sind schon fast täglich mit Veränderungen konfrontiert, sodass diese zu einer Konstante in unserem Arbeitsalltag geworden sind. Die große Frage, die in derartigen Prozessen immer auftaucht, lautet: Und wie nehmen wir hier am besten die Unternehmenskultur mit? Da lohnt sich wie immer der Blick über den großen Tellerrand, denn die Lösung scheint so naheliegend …

Immer höher, schneller und weiter! Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht irgendwelche Änderungen in unserem Arbeitsumfeld ergeben. Derzeit sind fast alle derartigen Veränderungen von der sogenannten Digitalisierung initiiert. Es werden Prozesse analysiert und gegebenenfalls abgeändert bzw. verkürzt, innovative Ideen gepitcht und weiterverfolgt und sogar ganze Arbeitsräume werden umgestaltet. Am Umfeld wird also kräftig herumgewerkelt, doch oft wird auf das wichtigste in einem Unternehmen vergessen: Die Menschen, die in diesem System arbeiten. Jedes Unternehmen hat seine eigene Unternehmenskultur, die von und durch die MitarbeiterInnen geprägt und geschaffen wird. Prozesse sind hier schnell umgestellt, doch Einstellungen, Werte und Denkweisen eben nicht. Es hilft in diesem Fall auch nicht wie mit dem Vorschlaghammer gewisse Veränderungen zu erzwingen. Sehen Menschen ihre Werte und ihre Kultur angegriffen, so gehen sie automatisch in die Abwehrhaltung, und dies ist somit der Tot jeglicher Erneuerungen. Wie lässt sich nun eine Unternehmenskultur im Umfeld von Veränderungen stärken bzw. wie lassen sich diese so herbeiführen, dass die eigene Kultur dadurch gestärkt und nicht abgeschwächt wird? Das Zauberwort in diesem Fall heißt “Rituale”.

 

Rituale? “Kleine greifbare sich wiederholende Handlungen …”

Um große Veränderungsprozesse in kleinen Schritten in Gang zu bringen, werden Rituale benötigt. Hier können wir ruhig einen Blick in die Pädagogik, Religion oder Psychotherapie werfen, da hier sehr oft mit Ritualen gearbeitet wird. Was meine ich hier mit “Rituale”? Es sind kleine und greifbare Handlungen, die gemeinsam im kollektiv nach vorgegebenen Regeln durchgeführt werden und somit neue Werte und Bedeutungen in die Organisation tragen. Aufgrund der gleichbleibenden Wiederholung von gewissen Handlungsweisen, hilft es dem Individuum, aber auch der Gruppe neue Verhalten zu erlernen und zu festigen. So können es Unternehmen schaffen den nötigen Wandel proaktiv und nachhaltig zu gestalten und für die notwendige Partizipation zu sorgen. Damit diese Theorie auch greifbarer wird, habe ich ein paar Beispiele recherchiert, die gut zeigen, wie auch kleine Rituale für Veränderungen in der Unternehmenskultur sorgen und diese stärken:

 

Facebook & die gedruckten Quotes

Im Facebook Headquarter ist üblich, dass wichtige Zitate, die im Rahmen eines Vortrages am Campus fallen, an den hauseigenen Grafiker, der sich auch am Campus befindet, geschickt werden. Dieser fertigt dann noch während des Vortrages Poster an, druckt diese aus und befestigt alle am gesamten Campusgelände. Wenn man nun aus dem Vortragsraum herauskommt, hat man so die wichtigsten Zitate vor Augen und kann nochmals alles Revue passieren lassen. Diese eignen sich auch hervorragend für einen nachträglichen fachlichen Austausch mit den KollegInnen.

 

Dropbox & das Cupcake-Welcome-Kit

Dropbox hat 5 Kernwerte – einer davon ist ein schlichtes Bild eines lachenden Cupcake. Warum das? Weil sich das Unternehmen selbst nicht zu ernst nehmen möchte. Beginnt man also bei Dropbox zu arbeiten, so bekommt man ein ganz spezielles Kit noch vor dem ersten Arbeitstag zugeschickt: Eine wunderschön designte Box voller Cupcakes. Diese zaubert dann schon vor Arbeitsbeginn ein Lächeln ins Gesicht.

 

Toyota fragt sich 5x “Warum?”

Bei Toyota wird angenommen, dass jedes Problem eine neue Chance ist. Sobald etwas schief geht, sind die dortigen ManagerInnen darauf trainiert, sich 5x nach der Reihe zu fragen “Warum?”. Dies soll helfen, die wirkliche Ursache des Fehlers zu finden und sich nicht mit oberflächlichen Antworten zufrieden zu geben. Dieses Ritual soll weiters helfen größere Probleme zu lösen und somit neue Wege aufzuzeigen.

 

Starbucks & die Coffee-Tasting-Experience

Starbucks CEO Howard Schultz erkannte, dass er das Kerngeschäft, also Qualitätskaffee zu servieren, nur mit Hilfe seiner MitarbeiterInnen verbessern und sichern konnte. Um alle MitarbeiterInnen dahingehend zu sensibilisieren, musste jede/r neue MitarbeiterIn an einem sogenannten “Ritual Tasting” teilnehmen: Sein/e oder ihr/e Store ManagerIn servierte seine oder ihre liebsten Kaffeesorten und erklärte dazu die Geschichte: wo kamen diese Kaffeesorte her, wie wachsen diese und auch wie werden diese gebraut. Dies ist eine richtige Zeremonie, in der die Werte nochmals bei beiden, also bei den neuen MitarbeiterInnen und den ManagerInnen, sichtbar und spürbar gemacht werden.

 

Ihr seht, es sind oft die kleinen Rituale, die einiges auslösen und Veränderungsprozesse gut begleiten können. Welche Rituale habt ihr in eurem Unternehmen? Ich freue mich auf eure Rückmeldungen 🙂

**Ani**

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