Was belastet Führungskräfte?

Status, Geld, Verantwortung, Macht – diese Dinge verbindet man ja sehr gerne mit dem Job als Führungskraft. Fragt man bei Bewerbungsgesprächen nach dem langfristigen beruflichen Ziel, so lautet die Top-Antwort also immer noch: Führungskraft. Dass dieser Job kein Zuckerschlecken ist, speziell in der heutigen Zeit, ist vielen noch nicht so wirklich bewusst. Wie sieht denn also die andere Seite der Medaille aus, die mit dieser Berufswahl einhergeht? Was belastet Führungskräfte?

 

Ich will Führungskraft werden!

“Also in spätestens 5 Jahren sehe ich mich als Führungskraft, zumindest eine Teamleitung strebe ich an.” Dies ist wohl einer der häufigsten Sätze, die ich als Recruiter auf die Frage “Wo sehen Sie sich in 5-10 Jahren?” bekommen habe. Viele BewerberInnen (diese Aussage kam aber leider häufiger von männlichen Kandidaten) sahen die vielen Vorteile, die mit einer Führungsposition einhergehen: ein höheres Einkommen, Verantwortung, Gestaltungsspielraum, ein eigenes großes Büro, Auto und viele weitere Statussymbole. Mit diesem Begriff werden fast immer noch die positiven Dinge konnotiert, wie beispielsweise die vorher genannten. Vielen ist nicht bewusst, dass speziell Führungskräfte eine enorm große Verantwortung tragen, nicht nur für jene Menschen, die für sie arbeiten, sondern auch für den Erfolg und/oder Misserfolg des Unternehmens für das sie tätig sind oder welches sie eventuell sogar selbst besitzen. Damit einher gehen oft schlaflose Nächte, weil der Druck in den oberen Etagen immer größer wird und damit auch die Halbwertszeit einer Führungskraft.

 

Die Belastungen sind vielfältig

Doch was belastet Führungskräfte nun am meisten? Ist es der Druck, sind es die Arbeitsbedingungen oder doch ein ganz anderer Aspekt? Antworten darauf gibt der Management Report des Hernstein Instituts, der bereits seit 17 Jahren ein Stimmungs- und Meinungsbild unter den Führungskräften in Österreich und Deutschland erhebt. Hier werden die täglichen Herausforderungen thematisiert, aber auch die Trends und Entwicklungen, die Führungskräfte wahrnehmen oder wie es ihnen in ihrer Führungsrolle geht. Die Umfrage (Verlinkung zur Quelle) zu den belastenden Faktoren von Führungskräften wurde bereits 2015 mit insgesamt 1.500 ProbandInnen in Österreich und Deutschland durchgeführt und ergab folgende Ergebnisse:

 

Wie empfinden Führungskräfte ihren Arbeitsalltag?

57 % der Führungskräfte sprechen davon, dass sie die eigene Arbeit nicht oder nur teilweise frei von Unterbrechungen erbringen können

48 % der Führungskräfte beschreiben ihre eigene Arbeit als nicht oder nur teilweise plan- und abschätzbar

44 % der Befragten geben an, keine oder nur teilweise ausreichende Pausenmöglichkeiten in der Arbeit zu haben

 

Gibt es administrative Unterstützung?

35 % der befragten Führungskräfte haben keinerlei administrative Unterstützung. In dieser Gruppe zeigen sich auch tendenziell erhöhte Belastungswerte was die Bewältigung des eigenen Arbeitspensums betrifft

34 % der befragten Führungskräfte bekommen Entlastung durch eine Teamassistenz, die mehreren Personen zuarbeitet

 

Welche Auszeiten bieten Unternehmen Führungskräften an?

In 52 % der Unternehmen gibt es Angebote zu erweiterten Karenzzeiten

Auf Teilzeitangebote können 49 % der befragten Führungskräfte in ihren Unternehmen zugreifen. 15 % der Befragten arbeiten in Teilzeit, Frauen öfter als Männer: 23 % vs. 11 %

Sabbatical-Angebote gibt es bei 49 % der Befragten, 7 % haben diese schon genutzt

 

Was würden Führungskräfte an ihrer Führungsrolle ändern?

Auf Platz 1 liegt das breite Themenfeld der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei werden von 15 % der Befragten Zusammenarbeit im Team, Konflikte am Arbeitsplatz, die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten sowie das Arbeitsklima im eigenen Unternehmen genannt

Auf Platz 2 liegt die Veränderung der Arbeitsinhalte, für 11 % der Befragten ist dies ein Thema

Auf Platz 3 liegt der Wunsch, die Organisationsstruktur im eigenen Unternehmen zu verändern. 10 % der Befragten erwähnen hier Beispiele von der Positionierung der eigenen Rolle im Gesamtgefüge bis hin zu Abbau von Bürokratismus

 

Obwohl die Studie bereits 3 Jahre alt ist, haben die genannten Faktoren meiner Meinung nach immer noch Aktualität, wenn sich diese nicht noch eher verstärkt haben. Nach meiner Einschätzung wird die Planbarkeit der eigenen Aufgaben in Zukunft noch schwieriger werden, da das Tempo immer mehr zunimmt. Hier gilt es die Führungskräfte auch künftig verstärkt zu unterstützen, sodass diese unterschiedliche Angebote “zum Ausgleich” nutzen können, wie etwa Jobsharing. Laut Studie würden dies Führungskräfte gerne verstärkt in Anspruch nehmen, doch fehlt es am Angebot durch die Unternehmen. Die Führungsarbeit besteht großteils daraus, mit zwischenmenschlichen Bedürfnissen zu arbeiten. Wissen MitarbeiterInnen nicht weiter, dann wird der/die ChefIn hinzugezogen – und genau hier beginnt die klassische Arbeit einer Führungskraft. Dass genau hier viele Veränderungsbedarf sehen, ist nicht verwunderlich. Ich hoffe, dass dies daraus resultiert, dass noch immer viele die Arbeit mit ihren eigenen MitarbeiterInnen an zweiter Stelle, hinter den fachlichen Aufgaben, sehen.

 

Jedenfalls freue ich mich auf ein baldiges Update dieser Befragung, denn aufgrund der neuen Arbeitsanforderungen, wird sich auch die Führungsarbeit stark verändern.

**Ani**

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