Top ArbeitgeberIn? Das (miese) Geschäft mit Unternehmens-Auszeichnungen

Wer möchte denn nicht bei einem “Top-Arbeitgeber” oder “Great Place to Work” arbeiten? Jedes Jahr werden die verschiedensten Erhebungen durchgeführt und auch Gütesiegel vergeben, sodass Unternehmen die Möglichkeit haben, sich positiv am Arbeitsmarkt zu positionieren. Jedes möchte dadurch ein gutes Image erzeugen, um so die Talente anzulocken. Oft passiert dies aber auch ohne zutun des jeweiligen Unternehmens und noch öfter spielen ganz andere Faktoren eine Rolle, warum man derartige Auszeichnungen, Rankings etc. erhält …

 

Man braucht ein Siegel um zu zeigen, dass man top ist – NOT!

Im Jahr erreichen mich ca. 40 Mails, in denen mir suggeriert wird, dass das Unternehmen wofür ich tätig bin, ein Gütesiegel beantragen sollte oder in jenem super Ranking den so-und-so-vielten Platz erreicht hat. Was all jene Mails damit aussagen möchten ist, dass dies super wichtig für das Employer Branding des Unternehmens ist, denn nur so könne man sich als Top ArbeitgeberIn positionieren. Derartige Rankings und Gütesiegel gibt es schon recht lange am Markt. Früher, als diese ganz neu auftauchten, waren viele Unternehmen bestrebt diese in Anspruch zu nehmen, da man sich so aus der Masse hervorheben konnte. Man druckte das Siegel einfach auf jegliche Unternehmenswerbungen, Stelleninserate etc. Um ein solches Siegel zu erhalten, musste man lediglich einige Kriterien erfüllen, natürlich dafür zahlen und schon war eine neue Employer Branding Maßnahme erfüllt. Mittlerweile ist der Hype um diese Auszeichnungen etwas abgeflaut, da sie kurz gesagt inflationär wurden. Ein Siegel als tolle/r ArbeitgeberIn brachte nicht mehr den gewünschten Erfolg, da man über die Jahre so nicht mehr herausstechen konnte. Die Firmen, die diese Siegel und Auszeichnungen anboten, die gibt es aber immer noch und ja, die möchten natürlich auch noch weiterhin Geld verdienen. Das Timing ist ja gerade nicht das Schlechteste …

 

So machen Sie Ihr Unternehmen zu einem/einer attraktiven ArbeitgeberIn!

Der Kampf um Unternehmen, die hier partizipieren ist härter geworden, nicht zuletzt, da ja jedes Unternehmen versucht, die Top Talente anzuwerben und keiner so recht weiß, wie man dies am besten erreichen kann. Der Fachkräftemangel hat also wiederum einen Employer Branding Boom erschaffen, da erkannt wurde, dass man sich durchaus am Markt positionieren muss. Tut man dies nicht, so bleibt man unbemerkt – bei möglichen BewerberInnen, Talenten und auch bei KundInnen. Es hat also schon seine Berechtigung, kräftig die Werbetrommel zu rühren. Doch diese einfach nur zu rühren, wird auch nicht den gewünschten Erfolg bringen, die Frage ist mehr: Wie macht man als Unternehmen auf sich aufmerksam, sodass die Authentizität nicht darunter leidet. Noch mehr Mails erreichen mich, in denen mehrfach die gewünschten Buzzwords genannt werden, um so Angebote, die angeblich die Wahrnehmung als attraktive/n ArbeitgeberIn steigern sollen, in Anspruch zu nehmen. Dazu kann ich sagen, dass hier mehr als eigenartige Programme beworben werden, doch möchte ich heute den Fokus auf die vorhin angesprochenen Unternehmensauszeichnungen legen. Ich persönlich finde es ja sehr schade, dass aus dieser anfangs gut gemeinten Initiative, Unternehmen als tolle ArbeitgeberInnen hervorzuheben, so ein unfaires Geschäft geworden ist. Was steckt hier nämlich dahinter?

 

Gütesiegel, Auszeichnungen, Rankings uvm. – eine Maschinerie

Mittlerweile gibt es gefühlte tausende Befragungen von Studierenden, MitarbeiterInnen etc. die Unternehmen nach verschiedenen Kriterien bewerten sollen. Manchmal werden in der Auflistung Unternehmen bereits vorgegeben, manchmal können diese selbst ergänzt werden etc. Zuallererst kann gesagt werden, dass es die Firmen oft nur in dieses Ranking schaffen, wenn bereits “Geschäftsbeziehungen” zwischen dem Institut etc. bestanden haben. Es werden aber auch Firmen direkt recherchiert, die dann aufgenommen werden, denn damit ist der erste Schritt zur ausgeklügelten Ausschlachtung bereits getan. Wie ich das meine? Ganz einfach! Ich möchte gar nicht wissen, ob solche Befragungen überhaupt repräsentativ sind, doch jedenfalls kommt zum Schluss ein Ergebnis, also ein Ranking der Unternehmen heraus. Dieses bekommt man dann per Mail zugesandt, à la “Gratuliere, Sie haben den x. Platz bei unserer Top-Arbeitgeber Befragung belegt!” Zu Beginn freute ich mich sehr über diese überraschenden Mails, da ich einerseits gar nicht wusste, dass wir dort mitmachten, andererseits da man ja bereits als Kind darauf trainiert wurde, irgendwo zu gewinnen bzw. zumindest gut abzuschneiden. Liest man jedoch weiter, offenbart sich das geschickte Geschäft: “Möchten Sie eine detaillierte, auf Sie zugeschnittene Auswertung, sowie unsere Urkunde/Siegel etc. verwenden, so können wir Ihnen folgende Pakete anbieten…”

 

So kommt man unter die TOP 10

Mein gutes Ranking kann ich also erst verwerten, sobald ich Geld dafür locker mache – habe ich ein schlechtes Ranking erreicht, so gibt es dafür natürlich auch Angebote, mit Tipps, speziellen Insights uvm. wie ich als Unternehmen im nächsten Jahr einen besseren Platz bekommen kann. Diese Vorgehensweise ist zwar reine Geldmache, aber ja, noch nachvollziehbar und vor allem nicht illegal. In meiner bisherigen Berufslaufbahn sind mir jedoch ein paar Situationen untergekommen, in denen ich nur noch schlucken konnte, speziell wenn derartige Befragungen nicht von Marktforschungsinstituten durchgeführt werden. Bieten Firmen diese an, die darüber hinaus noch weitere Dienstleistungen stellen, dann hatte ich auch schon Sätze wie den folgenden gehört: “Wenn Sie unser Paket XY kaufen, dann kann ich Ihnen garantieren, dass Sie im Ranking unter die TOP 10 kommen.” Seitdem machen mich Mails, die mich über irgendwelche Auszeichnungen, Rankings, Siegel etc. informieren, nur noch wütend, da die meisten schlichtweg einfach unseriös agieren. Mir ist wichtig, dass auch euch diese Maschinerie, die hier dahinter steckt, bewusst wird. Im Grunde seid ihr, also jene Menschen, die sich über Unternehmen vorab informieren möchten, die Leidtragenden. Man kann diesen Auszeichnungen nicht immer vertrauen bzw. sollte man genau hinsehen, bevor man einem solchen Glauben schenkt. Dahinter stecken leider oft Geschäftsbeziehungen, Abmachungen, etc. die somit kein neutrales Ergebnis gewährleisten. Darüber hinaus gibt es bereits so viele Befragungen und Rankings, dass man “den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht” – und die Auszeichnungen unterschieden sich natürlich je nach AnbieterIn. Wie soll man da noch den Überblick bewahren können (auch aus Unternehmenssicht!)?

 

Traurig aber wahr, aber “Geld regiert nunmal die Welt” und dies macht auch nicht vor ArbeitgeberInnen-Auszeichnungen halt.

 

**Ani**

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