Boss, Bossy, Bossing – wenn Führungskräfte mobben

Das Thema “Mobbing” wird oft mit jenen unter KollegInnen gleichgesetzt. Menschen auf der selben Hierarchiestufe versuchen jemanden aus der Gruppe auszuschließen und dies vorsätzlich, durch konkrete Handlungen und über einen längeren Zeitraum hinweg. Worüber jedoch kaum gesprochen wird, ist jener Fall, in dem die Führungskraft einzelne MitarbeiterInnen mobbt = Bossing. Dieser kommt gar nicht so selten vor, wobei zu allererst geklärt werden sollte: Ab wann kann man nun wirklich von Mobbing/Bossing sprechen?

 

Bossing: der Beginn

Abgemagert, traurig und extrem fertig stand sie vor mir. Vor einigen Jahren vertraute sich mir eine ehemalige Arbeitskollegin an, da sie es auch nicht mehr verheimlichen konnte: Sie wurde gemobbt und das von ihrem eigenen Chef. Ich traute meinen Ohren nicht und dachte mir sofort, dass dies nicht sein könnte. Noch nie hatte ich gehört, dass Mobbing von einer Führungskraft ausging. Das widersprach ja jeglichen Grundsätzen, Ethiken und sogar dem österreichischen Recht, da die Fürsorgepflicht des/der ArbeitgeberIn hier festgeschrieben wurde. Ich dachte mir, dass sie da etwas missverstanden hatte, wahrscheinlich alles nicht so eng ist und nur, wenn man ein paar Auseinandersetzungen mit dem Chef hatte, es ja nicht gleich Mobbing heißen würde, oder? So fragte ich konkret nach, und sie schilderte mir alles im Detail. Ich war sprachlos. Es ging weit mehr darüber hinaus, nicht der gleichen Meinung zu sein. Es ging so weit, dass er sie von den restlichen ArbeitskollegInnen abschottete. Zuerst wurde sie in ein Einzelzimmer versetzt, welches sich doch ein großes Stückchen weit entfernt von den anderen befand. Danach ging er regelmäßig mit allen anderen MitarbeiterInnen zusammen Mittagessen, doch sie wurde nie gefragt – “klug” gemacht, jetzt wo sie ja so weit weg saß und es nicht einmal mehr mitbekam. Sie erfuhr von ihren KollegInnen, dass diese sie auch nicht mehr fragen durften, ob sie mitgehen möchte. Weiters war er für sie telefonisch, sowie persönlich kaum erreichbar, fast nie. Er unterdrückte jeglichen Kontakt, die Abstimmungen wurden so fast unmöglich und sie kam mit ihrer Arbeit nicht mehr voran. Jetzt hatte er sie dort, wo er sie haben wollte: Er konnte nun ihre mangelnde Arbeitsleistung bzw. ihren Output anprangern und machte sie nun aufgrund dessen bei allen anderen außerhalb der Abteilung schlecht.

 

Bossing: das Ende

Die Negativspirale drehte sich nun immer schneller und weiter nach unten. Sie war eine sehr gewissenhafte Person, die ihre Arbeit immer gut und schnell erledigen wollte. Dies war so nun nicht mehr möglich und das machte ihr zusätzlich zu schaffen. Sie aß kaum noch etwas, versperrte sich immer mehr öfter in ihrem Büro und mied jeglichen Kontakt. Diese Abkapselung führte dazu, dass nun auch ihre engsten KollegInnen dem mobbenden Chef glaubten und diese ganze Situation ihn in seiner Argumentation noch mehr stützte. Neben der mangelnden Nahrungsaufnahme, kamen noch Schlafdefizite hinzu, Heulkrämpfe und ein zerstörtes Selbstwertgefühl. Es war schlimm sie so zu sehen, denn man sah ihr diese Misere schon sehr an. Doch was tun? Sie vertraute sich einer Kollegin aus der Personalabteilung an, die für das Thema “Mobbing” zuständig war. Diese Kollegin war dazu da, den Erstkontakt herzustellen, Erstgespräche zu führen und die Betroffenen dann gegebenenfalls an eine beratende Stelle weiterzuleiten. Dies tat sie auch, denn in so einem Fall konnten nur ExpertInnen entsprechende Hilfestellungen geben. Nach einigen Beratungseinheiten tat sie den für sie richtigen Schritt: Sie suchte sich außerhalb der Firma eine neue berufliche Aufgabe und ließ diesen ganzen Ballast zurück. Diesen Schritt hatte sie nie bereut, im Gegenteil, sie ist jetzt sehr zufrieden mit ihrem neuen beruflichen Karriereweg und wurde erst letztens in eine leitende Position befördert.

 

Bossing: was tun?

Anhand dieser Geschichte einer ehemaligen Kollegin wollte ich euch zeigen, dass das sogenannte “Bossing”, also das Mobbing durch eine Führungskraft, passieren, vorkommen und zur schlimmen Wirklichkeit werden kann. Was in diesem Fall besonders wichtig bzw. heikel ist, ist die konkrete Definition, wann es Mobbing ist bzw. wann Handlungen zur “normalen” Führungsaufgabe gehören. Diese Grenze ist vielleicht nicht immer besonders greifbar und scharf, doch in diesem Falle äußerst wichtig. Gerade im Fall von Mobbing, kann es schnell passieren, dass Menschen dessen bezichtigt werden, obwohl es aus ExpertInnen-Sicht nicht der Definition von Mobbing bzw. Bossing entspricht. Hier geht es um zielgerichtete Aktionen, die über einen längeren Zeitraum (mind. 6 Monate) hinweg andauern. Als betroffene Person ist es wichtig ein sogenanntes Mobbing-Tagebuch zu führen und die Handlungen zu dokumentieren. Weiterführend sollte man sich Vertrauenspersonen anvertrauen, so wie es damals auch meine Kollegin getan hatte. Es ist jedenfalls ein sehr heikles und sensibles Thema, speziell wenn es sich um Bossing handeln sollte. Ich bin mir selbst auch nicht sicher, ob in diesem Falle je ein “normales” Arbeitsverhältnis zwischen diesen beiden Personen herrschen kann, wahrscheinlich nicht. Somit wäre es ein guter Schritt, wenn man versucht sich zu versetzen lassen bzw. sich eine/n neue/n ArbeitgeberIn sucht – wie im Falle meiner Kollegin – und so ganz neu durchstarten kann.

 

Falls ihr Mobbing oder sogar Bossing in eurem Umfeld beobachtet, dann ist meine Bitte: Nicht die Augen verschließen und wegsehen – denn genau dies ist das schlimmste für die Opfer. Sucht am besten ein persönliches Gespräch mit dem Opfer und teilt mit, dass auch ihr diese Handlungen wahrnehmt. Bietet eure Unterstützung und Hilfestellung an. Mobbing oder auch Bossing darf nicht totgeschwiegen, sondern muss aufgezeigt werden. Holt euch hierfür am besten Rat und Hilfe in eurer Personalabteilung.

 

**Ani**

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