Guru, Rockstar, Ninja?! Wie aussagekräftig sind Visitenkarten heutzutage noch?

Jetzt, wo alle über Digitalisierung, Internet of Things, Blockchain und noch mehr dieser Dinge sprechen, sehen unsere “good old” Visitenkarten etwas altbacken aus – aber es gibt sie noch! Beliebter wie noch nie zuvor, wird das obligatorische “Karten-Tausch-Spiel” bei noch fast jedem Termin/Kennenlernen praktiziert. Doch geht es vielen nicht um diese kleine bedruckte Stück Karton, sondern vielmehr darum, welche Jobbezeichnung darauf geschrieben steht …

 

Die Visitenkarte: Ein unterschätztes Relikt?

Ich kann mich noch genau an damals erinnern, als ich die ersten Schritte ins Arbeitsleben gewagt hatte: Schon immer faszinierten mich jene Personen, die irgendwelche “wichtigen” Wörter in ihrer Jobbezeichnung stehen hatten, wie beispielsweise “ManagerIn”, “Expert” oder “Coordinator”. Das klang alles so, als hätten genau diese Menschen ihre Karriereziel im Beruf erreicht, denn so verhielten sie sich auch. Heute weiß ich, dass viele Jobbezeichnungen mehr Schall und Rauch sind und man davon nicht auf Leistung schließen kann. Vor einigen Jahren bereits ist diese “Fassade” gebröckelt, nämlich zu jenen Zeitpunkt, als schon der/die HausmeisterIn als “Facility ManagerIn” bezeichnet wurde. Heutzutage möchte jede/r etwas managen, wichtig sein, zeigen, dass man unersetzbar ist, oder? Manchmal blitzt es heute noch durch, dass sich Menschen in ihrer Tätigkeit minderwertig fühlen, obwohl sie tolle Arbeit leisten und mit durchaus spannenden Themen konfrontiert sind. Doch scheint sie in ihrer Euphorie ein kleines bedrucktes Kärtchen zu bremsen, nämlich ihre Visitenkarte und damit gemeint der Jobtitel der darauf geschrieben steht. Kleines Kärtchen – große Wirkung möchte man meinen …

 

Rollen- VS. Berufsbezeichnungen: Was hilft Barrieren im Kopf aufzubrechen?

So wie die Welt generell immer in Veränderung ist, so ist auch der Umgang mit den Visitenkarten bzw. den Jobtiteln ein anderer als noch vor ein paar Jahren. Sagen wir mal so: Es wird! Es gibt bereits Unternehmen, die gänzlich auf Jobtitel verzichten, da diese ja wiederum die Hierarchie widerspiegeln. Da wir ja bereits fast alle agil arbeiten und keine Hierarchien mehr brauchen, wird auch kein hochtrabender Jobtitel mehr benötigt. Dahinter steckt die Managementmethode Holocracy von Brian Robertson, die bekannt dafür ist, mit demokratischen Organisationsformen zu experimentieren. So haben bereits Unternehmen auf das Anführen von Rollenbezeichnungen, anstatt von Berufsbezeichnungen. Diese Umstellung soll weiters auch eine Auswirkung auf die persönliche Flexibilität haben, da starre Berufsbezeichnungen auch Barrieren im Kopf schafft. Identifiziert man sich mit seiner Rolle, wird diese Barriere gebrochen, da eine Rolle beispielsweise auch nicht an eine bestimmte Abteilung gebunden ist und somit die Kommunikation untereinander sowie das übergreifende Arbeiten gefördert werden kann. So ähnlich verhält es auch mit den Bezeichnungen “Junior”, “Senior” etc. Damit soll das Skill- sowie das Erfahrungslevel eines/einer MitarbeiterIn erkennbar gemacht werden, doch sind gerade solche Bezeichnungen Auslöser für ein Hierarchiegerangel und sagt kaum etwas über die Fähigkeit einer Person aus. Wie wir ja wissen, sagt Alter rein gar nichts über Fähig- und/oder Fertigkeiten aus.

 

Guru, Rockstar, Ninja …? WTF?

Ein weiterer Trend, der gerade bei jenen Personen oder Firmen, die aus dieser “Geilheit auf klassische Titel” ausbrechen möchten, ist jener, sich einfach ganz individuelle zu schaffen, um so wiederum aus der Masse herausstechen zu können. Hierbei kommen wiederum völlig absurde Wortspiele zu Tage, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Hier sind meine TOP’s:

 

**Chief Flavor Officer**

Kein geringerer als Justin Timberlake träg diesen Titel beim Getränkehersteller Bai Brands. Warum? Dahinter steckt ein simpler Werbevertrag, wie ihn viele Prominente haben. Keiner weiß so richtig, was dies sein soll, doch so lange Justin die Getränke in die Kamera hält, ist ja alles gut.

 

**Paranoid in Chief**

In der Abteilung für Netzsicherheit bei Yahoo werden die MitarbeiterInnen bereits seit Jahren als “Paranoids” betitelt. Typisch Silicon Valley eben! Da darf sich die Führungskraft dieser Personen dann eben “Paranoid in Chief” nennen – besser als die sonst bekannte Bezeichnung “Chief Information Security Officer”.

 

**Happiness Hero**

Diese Bezeichnung lässt ja recht viel Interpretationsspielraum offen, denn wer möchte denn kein Happiness Hero in einem Unternehmen sein? Das dürfte doch jemand sein, der allseits beliebt ist, oder? Dahinter steckt das Unternehmen “Buffer” aus San Francisco, welches ihre MitarbeiterInnen im TechSupport so betitelt: Hierbei gehts um Mails beantworten, Fragen im Call Center entgegenzunehmen und weiterzuleiten – und das alles mit einem kleinen Lächeln im Gesicht …

 

**Wizard of Light Bulb Management**

Diesen doch recht umständlichen Titel hat sich der Innovationsmanager Tom Evans aus Princeton selbst gegeben. Der Speaker bietet Unternehmen “Aha-Momente”, die sie sich bei ihm einkaufen kann. Besser laufen jedoch seine Vorträge zu Themen wie Meditation und Mindfulness.

 

Ihr seht, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Welche skurrilen und ungewöhnlichen Bezeichnungen habt ihr schon bemerkt? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen, bekanntlich bin ich ja sehr neugierig 🙂

 

**Ani**

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