Nobody’s Perfect! Warum Perfektionismus unserer Karriere schadet

Warum streben so viele von uns nach Perfektionismus? Wer hat uns bloß von Anfang an eingebläut, dass es gut sei, die Kontrolle über all unsere Handlungen, Tätigkeiten etc. haben zu müssen und nichts abzugeben, da andere es einfach nicht gut genug hinbekommen – die Qualität einfach nicht halten können? War der Begriff noch vor ein paar Jahren recht positiv besetzt, stellt er sich nun sogar als regelrechter Karrierekiller dar.

 

Perfektion VS Pareto

“Es muss doch perfekt sein!” Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber der Begriff Perfektionismus wird oft mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht. Wir wollen unsere Leistungen zu 100, wenn nicht zu 1000 % abliefern – die Präsentation, das Konzept, das Projekt, alles muss perfekt passen. Nur dann bekommen wir Lob ausgesprochen und nur dann können wir uns gut fühlen? So denken viele Menschen (nicht nur Frauen) und definieren sich über den Job bzw. über ihre perfekte Arbeit. Dabei folgen aber meist Enttäuschung und Demotivation, denn niemand schätzt diese perfekte Art, die Tätigkeiten zu erledigen. Ja gut, vielleicht ein wenig, aber doch nicht in diesem Ausmaß, der das Gleichgewicht zwischen Zeit, Aufwand und der Mühe, die aufgewendet wurde, ausgleicht. Im schlimmsten Falle folgt Frustration. Ich kann euch aus eigener Erfahrung berichten, dass dieser Perfektionismus eher eine Last, als eine Tugend ist. Schon oft habe ich mir gedacht, warum bekommen wir in unserer Kindheit/Jugend vermittelt, dass es gut sei, alles perfekt abzuliefern? Nur wenn es perfekt ist, dann hat es auch einen Wert. Werden Aufgaben nur halbherzig oder “gerade so” ausgeführt, so wird dies nicht als genügend angesehen. Dabei wird man oft als faul oder als nicht genug ehrgeizig abgestempelt. Spätestens im Arbeitsleben fällt der Vorhang und man bekommt die unangenehme Realität gespiegelt: Statt 1000% reicht das berühmte Pareto-Prinzip (80/20) aus, welches besagt, dass man 80% der Ergebnisse mit 20% an Aufwand erledigen kann. Warum dann 1000% an Aufwand geben, wenn denn auch schon 20% ausreichen um die Aufgaben zu erledigen? So viel sei gesagt: Perfektionismus hat der Karriere noch nie gut getan.

 

Es geht auch ohne dem “Mascherl” oben drauf

“Ich habe alles durchgeplant: Zuerst schließe ich die Schule ab, dann geht es an die Uni und nach dem Studium folgt ein spannender Job, der mich karrieretechnisch voranbringt. Ja na klar, daneben wird noch geheiratet, ein Haus gebaut und Kinder dürfen natürlich auch nicht fehlen.” So ähnlich klang bei mir noch in meiner Jugend. Dieses klassische Bild wird uns von allen Seiten vermittelt, der Druck steigt und damit auch der Anspruch an sich selbst, alles genauso perfekt zu verfolgen und zu realisieren. Es muss doch alles perfekt werden, oder? Mit steigendem Alter und den Erfahrungen, die sich dadurch ergeben, wird man aber immer mehr mit der Realität konfrontiert: Es gibt keine perfekte Karrierelaufbahn, keine perfekte Ehe, keine perfektes Haus etc. Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen, die man zu bewältigen hat – da hat Perfektionsmus keinen Platz. Ich denke sogar, räumt man diesem zu viel Platz ein, dann ist der Preis, den man dafür bezahlen muss, ein sehr hoher und kann im schlimmsten Fall zu Depressionen, Burn Out etc. führen. Doch wie vieles im Leben, ist es immer leichter gesagt als getan. Ein erster Schritt ist aber die Erkenntnis, dass man diese perfektionistische Neigung hat – ein zweiter die Selbstreflexion. Auch durch Schicksalsschläge oder unerwartete Ereignisse im Leben, kann man diese Erkenntnisse über sich selbst gewinnen, was zwar der härteste Fall ist, doch ein recht wirksamer. Erst dann lässt sich am eigenen Verhalten arbeiten und versuchen, eine perfektionistische Arbeits- und Lebensweise abzulegen. Dies alles hat sehr viel mit Empathie, Selbstreflexion, Eigendisziplin und Durchsetzungsfähigkeit zu tun. So absurd es klingen mag, aber mir hat der Druck in meinem Umfeld geholfen: viele Projekte gleichzeitig, viele unvorhergesehen Dinge, die dazu noch gekommen sind und der Termindruck, der sich dahinter natürlich verborgen hat. Irgendwann habe ich es nicht mehr geschafft, alles zu 1000 % zu erledigen und ich sah, dass sich das Pareto Prinzip durchaus auszahlt. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl, welche Aufgaben mehr Anstrengung erfordern und bei welchen man sich das “Mascherl” oben drauf einfach sparen kann, da sie auch so akzeptiert werden.

 

Bist du PerfektionistIn?

Ihr seht, das Ablegen einer perfektionsistischen Arbeitsweise hat weiters sehr viel mit Erfahrung und Ausprobieren zu tun. Irgendwann kann man diesem erlernten Gefühl vertrauen bzw. man stellt es auch weiterhin auf die Probe, denn die Tätigkeiten und Herausforderungen werden bekanntlich nicht weniger. Im Gegenteil, wir werden viel öfter mit neuen Aufgaben konfrontiert, die wir teilweise noch nie zu bewältigen hatten – “think outside the box and the comfort zone”. Wenn ihr nun das Gefühl habt, dass auch ihr möglicherweise eine perfektionistische Einstellung habt, die euch nicht gut tut, ihr euch nicht sicher seid, dann helfen euch folgende Fragen weiter, um euch selbst eine Antwort geben zu können:

 

Hast du oft das Gefühl, dass du …

  • ungern Aufgaben abgibst?
  • oft enttäuscht bist, wenn andere nicht so handeln wie du?
  • dich selbst verurteilst, wenn dir kleine Fehler passieren?
  • mehr auf deine Misserfolge schaust, als auf deine Erfolge?
  • Aufgaben nur “richtig” oder “falsch” erfüllen kannst?
  • sobald du deine Ziele erreicht hast, dich nicht darüber freuen kannst, sondern dir gleich neue, noch mehr herausforderndere Ziele steckst?
  • in Zusammenhang mit diesen Dingen oft unter großer Anspannung stehst?

 

Hast du bereits selbst Strategien gefunden, um mit Perfektionisums umzugehen? Was sind deine Erfahrungen damit?

 

**Ani**

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