Das Schneeschaufelprinzip: Wenn KollegInnen Aufgaben delegieren

Es ist oft ein schmaler Grat zwischen der Hilfsbereitschaft unter KollegInnen oder eben das Ausnutzen genau dieser. Es gibt auch unterschiedliche Typen, nämlich jene, die es geschickt und latent einfädeln. Andere wiederum besitzen eine sehr direkte Art, welche fast schon an Frechheit grenzt, um unliebsame Aufgaben ja von sich wegzuschieben. Und das am besten nicht nur auf eine Person, sondern verteilt auf das gesamte Team – frei nach dem Schneeschaufelprinzip …

 

… wenn die Schneeschaufel zum Einsatz kommt!

Ich wage zu behaupten, dass jede/r von uns schon mal in jener Situation steckte, in der er/sie um Hilfe von einer/einem KollegIn gebeten wurde. Es gibt dann zwei Handlungsmöglichkeiten: strikt abzulehnen und sich abzugrenzen, oder – wahrscheinlich die häufigere Variante – auszuhelfen und Tätigkeiten zu übernehmen, um die andere Person damit zu entlasten. Darüber hinaus finde ich es wichtig, dass im Team ein Zusammenhalt herrscht, dass man sich gegenseitig aushilft, wenn “der Hut brennt” und sich gegenseitig unterstützt. Ich denke, dass es ohne diesem zutun nicht funktioniert, doch diese Einstellung und Art von Teamarbeit erfordert viel Vertrauen untereinander, und meist gibt es ein bis zwei Personen, die genau dies ausnutzen. Ich bin selbst einer Person begegnet, die es geschafft hat, über Jahre hinweg jene Aufgaben für sich auszuwählen, die ihr liegen, die sie also gerne macht. Andere, die eher lästig sind und sie auch nicht besonders begeistern hat sie erfolgreich für sich weggeschoben und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Soll heißen, sie ist sehr lange mit einem “Nein, das übernehme ich bestimmt nicht” davongekommen. Somit hat sie es geschafft, grundsätzlich Tätigkeiten zu bekommen, die sie interessieren und die sie wirklich gerne macht. Doch was ist mit den “lästigen” Aufgaben passiert? Na klar, sie haben sich nicht in Luft aufgelöst, sondern wurden an die restlichen Teammitglieder aufgeteilt, die selbstverständlich davon nicht begeistert waren. Doch es ging noch weiter: Sie schaffte es auch jene Teilaufgaben, die ihr nicht willkommen waren (ja, da gab es vielleicht lästige Organisationstätigkeiten oder Rückrufe) zu delegieren. Das ganze erfolgte nach dem Schneeschaufelprinzip: Alles, was lästig war wurde schön aufgeteilt zu den anderen Teammitgliedern geschoben – die waren ja so nett und erledigten alles zur vollsten Zufriedenheit. Perfekt, oder?

 

Setze dich unbedingt zur Wehr!

Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, was dann passierte: Das restliche Team verbündete sich gegen diese/n KollegIn. Mittlerweile ging es so weit, dass der/die betroffene KollegIn so offensichtlich unliebsame Aufgaben von sich wegschob, dass es schon an eine große Frechheit grenzte. Das Team beschloss, hier keinerlei Hilfestellung mehr zu leisten und es folgte auf jede Anfrage ein “Nein, tut mir leid, aber hierbei kann ich dich nicht unterstützen”. Ein solcher Fall ist in der Praxis keine Seltenheit, leider, denn genau ein solches Verhalten kann ein ganzes Team zerstören und führt zwangsweise zur Ausgrenzung von KollegInnen. Jedenfalls leidet die Arbeitsatmosphäre darunter und im schlimmsten Fall kann es zu einem Leistungsabfall bzw. zu Demotivation führen. Doch wie verhält man sich nun am besten, wenn man merkt, dass man von einem/einer KollegIn ausgenutzt wird?

 

Die eigenen Grenzen analysieren

Es geht nichts über eine ehrliche Selbstreflexion: Reagiere ich über? Werden hier Grenzen überschnitten? Gab es Situationen, in denen ich lieber “nein” gesagt hätte, anstatt “ja natürlich”? Wenn ja, welche waren dies und wie hätte ich mich rückblickend anders verhalten? Weiters ist es wichtig, sich über sein eigenes Aufgabengebiet klar zu werden. Dies soll nicht heißen, dass man alle anderen Aufgaben automatisch ablehnt, welche nicht in der eigenen Stellenbeschreibung zu finden sind. Diese sich aber nochmals vor Augen zu halten, gibt gut Aufschluss darüber, wie man die persönlichen Prioritäten setzen muss.

 

Das Gespräch mit dem/der KollegIn suchen

Ja, der zweite Schritt nach der Selbstreflexion, ist bereits die direkte Konfrontation. Es ist zwar der unangenehmste, aber eventuell bereits der effektivste Schritt. Der/die Betroffene soll merken, dass man das Verhalten nicht länger duldet und dass hier Grenzen gesetzt werden müssen. Außerdem räumt man diesem/dieser auch gleich die Gelegenheit ein, sich selbst zu erklären. Vielleicht war ja alles nur ein Missverständnis? Wichtig bei dieser direkten Ansprache ist jedenfalls, dass man – so gut es geht – die Emotionalität aus dem Gespräch nimmt. Soll heißen, dass man die aus der Selbstreflexion gewonnenen “Fakten” heranzieht und die Person genau mit diesen konfrontiert. Eine professionelle Haltung ist hier unbedingt erforderlich, ansonsten droht das gesamte Gespräch auf eine persönliche Schiene zu rutschen, aus dieser man dann nur mehr schwer wieder herauskommt.

 

Das Gespräch mit dem/der Vorgesetzten suchen

Nicht immer läuft die Konfrontation – also Schritt 2 – so gut ab, dass man das Problem bereits in dieser Phase lösen kann. Ist man an einem Punkt angelangt, an dem man als KollegIn nicht weiterkommt, so muss man den/die Vorgesetzte darüber informieren. Die Führungskraft hat hier die Aufgabe Konflikte im Team anzusprechen und strukturiert zu lösen, sodass die Zusammenarbeit gut funktionieren kann. Auch in diesem Gespräch helfen die Erkenntnisse aus der Selbstreflexion als Grundlage.

 

Konsequent und beharrlich bleiben

Ist man weiterhin der vollen Überzeugung, dass die eigene Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft schamlos ausgenutzt wird, so hilft nur eines: konsequent bleiben, nämlich beim “Nein”-sagen. Die persönliche Abgrenzung ist hier das wichigste und auch so kann man jener Person “lernen”, die es versteht andere für sich zu instrumentalisieren, dass es hier Grenzen gibt.

 

Wart ihr schon einmal in einer ähnlichen Situation? Was waren eure Erkenntnisse bzw. Strategien im Umgang mit solchen Personen? Ich freu mich über eure Erfahrungen!

 

**Ani**

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