12 Stunden und mehr im Office! Was ist los mit euch?

Kennt ihr jene Menschen, die oft konstant mindestens 10 Stunden durchgehend im Büro verbringen und teilweise bis tief in die Nacht arbeiten? Hier meine ich nicht jene, die dies auf selbstständiger Basis tun, sondern jene, die in einem üblichen aufrechten Dienstverhältnis stehen. Ich stelle bewusst und provokant die Frage: Muss das sein?

 

Kann ich 12 Stunden durchgehend produktiv arbeiten?

Ja es gibt sie und ich gehöre definitiv nicht dazu: Jene Menschen, die mindestens 10 Stunden im Büro verbringen, um ihre Arbeit zu erledigen. Hier spreche ich nicht von sogenannten “Spitzenzeiten”, die natürlich schon mal anfallen können. Muss ein Auftrag oder ein Projekt zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig werden, dann ist ja durchaus legitim mehr Zeit im Office zu verbringen. Doch ich meine jene, die konstant an die 12 Stunden ihrer Arbeit nachgehen. Wobei mich dies auch schon zu meiner ersten Frage bringt: Kann ich volle 12 Stunden produktiv arbeiten? Es sind ja immer 2 paar Schuhe: Sitze ich 10 oder 12 Stunden im Office ab oder bringe ich in dieser Zeit wirklich Aufgaben weiter bzw. zum Abschluss. Ich meine nein! Denke ich an mich selbst, dann bin ich nach ein paar Stunden konzentriert arbeiten schon ein wenig müde, doch nach 10 Stunden dann so richtig – dies aber nach dem ersten Tag. Wie gesagt, “heiße” Phasen sind bei der Arbeit normal und gehören dazu, doch könnte ich es mir nicht vorstellen auf Dauer so zu arbeiten. Also Hut ab vor jenen, die dies wirklich so durchziehen können, aber bei vielen anderen denke ich mir des Öfteren: “Da hat’s doch was!” Liegt es wirklich an der Auslastung, dass manche ihre Aufgaben nicht in ihrer Normalarbeitszeit schaffen? Liegt es an den schlechten Rahmenbedingungen bzw. der Führungskraft? Oder liegt es vielleicht an der eigenen Effizienz und der Prioritätensetzung?

 

Kompetenzstärkung der Eigenverantwortung in Richtung Arbeitsplatz und -abläufe ist der Schlüssel

Es wird wahrscheinlich keine einzig gültige Antwort geben bzw. ist dies immer sehr individuell zu betrachten. Bei Gesprächen im Freundeskreis stellt es sich meistens heraus, dass es um Effizienz, aber auch um eine Art Präsentismus geht: Bin ich ja lange im Office anwesend, dann scheine ich wichtig zu sein, da ich mehr als ausgelastet bin. Trotzdem gibt es immer noch Fälle, die auf die jeweilige Auslastung zurückgehen und genau hier sollte man immer selbst reflektieren bzw. auch als KollegIn gut hinsehen. Hier haben wir eine enorme Verantwortung gegenüber uns selbst und gegenüber unseren KollegInnen, denn Überforderung kann schnell gesundheitsschädigend enden. Deshalb wird es immer wichtiger die eigene Resilienz zu stärken, auf andere Acht zu geben, die eigenen Grenzen zu kennen und schlussendlich auch mal “nein” zu sagen. Auch wenn der Druck und die Geschwindigkeit in der Arbeitswelt zunehmen, so sollte auch gleichlautend die Eigenverantwortung zunehmen. Speziell Führungskräfte müssen in Zukunft vermehrt aufpassen, dass ihre MitarbeiterInnen nicht durch die Arbeit krank werden und müssen jedenfalls auf deren Kompetenzstärkung achten. So muss es künftig immer möglicher gemacht werden, dass Arbeitsplatz und -abläufe selbstständig gewählt werden können, aber auch die Arbeitsauslastung – und genau hierzu gehört auch mal “nein” zu sagen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch ein gewisse Awareness für das Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu schaffen und sich auch eingestehen zu können, Hilfe zu benötigen. Nimmt man diese in Anspruch, wird man in der Gesellschaft immer noch als “schwach” angesehen. Doch ist eigentlich das Gegenteil der Fall, denn es gehört eine ordentliche Portion Mut, Verantwortung und Selbsterkenntnis dazu, sich einerseits seiner Schwächen bewusst zu sein, andererseits sich demnach auch professionelle Hilfe zu suchen.

 

Wichtig ist, dass wir alle die Augen offen halten und jedenfalls beobachten, warum sich jemand immer sehr lange im Büro aufhält, sodass wir noftfalls eingreifen und das Gespräch suchen können. Denn nicht nur die Führungskraft, sondern auch wir alle als KollegInnen haben eine Verantwortung: gegenüber uns selbst, aber auch gegenüber unseren ArbeitskollegInnen.

 

**Ani**

2 Comments

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Juliareply
April 08 at 08:04 PM

So wahre Worte. Nein zu sagen fällt vielen einfach schwer, aber es gibt auch ein Leben außerhalb der Arbeit. Mein Vater hat als wir Kinder waren viel zu viel gearbeitet und dadurch auch viel verpasst. Auch später war er ein Workoholic, dass hat er leider erst sein lassen als ihn zwei Schlaganfälle gestreift haben und es fast zu spät war..

Anireply
Sunday at 01:04 PM
– In reply to: Julia

Danke Julia für dein Feedback! Leider muss erst etwas passieren, bis jemand aufwacht und erkennt, dass es einfach zu viel war… Deshalb ist es auch so wichtig, dass das Umfeld darauf achtet und rechtzeitig Bedenken äußert…

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