FOMO oder YOLO? Das Afterwork Selbstexperiment

Höre ich in mein Umfeld hinein, so erkenne ich oft 2 Präferenzen was die Zeitgestaltung nach der Arbeit betrifft: Auf der einen Seite gibt es jene, die den schnellsten Weg nach Hause suchen, um sich dann in die Jogginghose und auf die Couch zu schmeißen. Auf der anderen Seite wiederum jene, die sich ihre Woche mit Aktivitäten durchgeplant haben, denn neben der Arbeit möchte man ja auch noch ein Sozialleben haben. Ich habe beides ausprobiert und eine wichtige Erkenntnis daraus gezogen …

 

YOLO! Oder auch: Wer zu Hause bleibt ist langweilig!

Eigentlich war es ja ein eher unfreiwilliges Experiment, aber manchmal ergeben sich Wochen so, dass sie auf einmal durchgeplant sind: Da ein Fachvortrag, dort ein Firmen- oder auch Bloggerevent und zack, die Afterwork-Zeit von Montag bis Freitag ist geblockt. Dies wird mir aber erst bewusst, wenn meist eine Freundin fragt, wann wir uns denn mal wieder Treffen könnten. Auf einmal wird dies zu einem eher komplizierteren Unterfangen, da man sich auf keinen Tag einigen kann – außer an diesen einen Mittwoch in 3 Wochen Wow! Doch auslassen möchte man auch keinen “Termin”, da man sich ja auf jeden einzelnen so gefreut hat. Es ist ja meistens wie mit dem lieben Sport: kurz davor hat man so überhaupt keine Lust und würde am liebsten einfach auf der Couch vor dem TV sitzen, doch ist man erst dort und dann mitten drinnen, so hat man die #BestTimeOfMyLife, oder? Natürlich gibt es auch Events oder Vorträge, die man sich hätte sparen können – im Nachhinein betrachtet – doch ja, wer weiß, vielleicht hätte man ja doch etwas verpasst. Ich genieße es außerdem neue Leute kennenzulernen, mich inspirieren zu lassen, neue Dinge auszuprobieren und einfach eine schöne Zeit zu haben, mit vielen Erinnerungen. Natürlich ist man nach so einer dichten Woche recht erledigt, doch es gibt Phasen im Leben, da hält man diese Belastung ganz gut aus. Keine Ahnung warum, doch genau in diesen Zeiten brauche ich teilweise diesen vollen Terminkalender. Ich fühle mich gut, wenn ich auf die kommende Woche schaue und meine Afterwork-Aktivitäten betrachte. Dann denke ich mir schon die Tage vorab durch und spiele sie im Kopf ab. Rückblickend gesehen, waren das auch die Zeiten, in denen ich dachte, dass sich die Zeit noch schneller dreht, als sie es sonst sowieso schon tut, aber immer mit einem kleinen Lächeln und sehr vielen Fotos auf meinem Smartphone.

 

FOMO! Oder auch: Lasst mich doch bitte alle in Ruhe!

Im Gegensatz zu YOLO (You Only Live Once) drückt der Begriff FOMO (Fear Of Missing Out) jenes Gefühl aus, welches man hat, wenn man sich eben nicht am Sozialleben beteiligt. Man liegt beispielsweise zu Hause auf der Couch, scrollt den Instagram Feed durch, sieht dabei welches augenscheinlich tolle und aufregende Leben die Freunde/Influencer/Blogger etc. haben und denkt sich nur: Shit, ich liege hier zu Hause und verpasse die #BestTimeOfMyLife! Trotzdem: Egal! Es gibt Wochen, da freue ich mich, wenn ich nach einem langen Arbeitstag einfach die Haustür aufsperre, mir bequeme Klamotten anziehe und mein einziges Programm aus Netflix & Chill besteht. Auch diese Phasen gibt es und wisst ihr was: Es ist OK! Habe ich den interessanten Fachvortrag oder das coole Bloggerevent verpasst? Egal! Riverdale und die Moetley Crue-Doku sind jetzt gerade viel wichtiger und spannender. Ich denke, dass diese Phasen sehr in Verbindung mit meinem Job stehen: Ich habe den ganzen Tag mit den verschiedensten Personen zu tun, habe viel zu organisieren und zu koordinieren – ich kommunziere also durchgehend und täglich, da braucht es mal einen Ausgleich und dieser wäre: Just me, myself and I! Es gibt Wochen, da halte ich mir meine Afterwork-Zeit absichtlich frei und schiebe alle Verabredungen auf die nächsten Wochen oder sage sie notfalls komplett ab. Da stresst es mich regelrecht, wenn ich den Kalender öffne und ich sehe, dass ich wiederum Abend-Termine habe. Dann fühlt es sich rein nach einer Verpflichtung an und alles was damit verbunden ist, besteht nur aus einem großen Aufwand. Meine pure Lebensfreude besteht dann darin, mich in meine Decke zu kuscheln und mich berieseln zu lassen, Musik zu hören oder ein gutes Buch zu lesen – und dies von Montag bis Freitag.

 

Und nun?

Mein Fazit: Beide Perspektiven oder Phasen haben etwas für sich bzw. sind sie sehr situationsabhängig und individuell. Natürlich gibt es Personen, die auch nur die eine oder andere für sich beanspruchen und sich das Gegenteil überhaupt nicht vorstellen oder auch aufgrund der Rahmenbedingungen gar nicht so ausleben können. Die Erkenntnis, die ich für mich mitnehmen konnte war jene, dass ich oft aufgrund der Urteil Anderer eingeschränkt war. Ging ich regelmäßig aus, hörte ich oft den Satz “Du bist aber viel unterwegs. Wie du das nur schaffst..?” (mit diesen gewissen Unterton). Blieb ich aber öfter zu Hause und schottete mich ein wenig von der Außenwelt ab, dann kam sofort “Alles ok bei dir? Du solltest mal wieder raus und dein Leben genießen!” Deshalb: Vertraut auf euer eigenes Empfinden, tut das, was euch gut bekommt – denn nur das zählt – und lasst es euch von niemanden vermiesen! Auf der anderen Seite seid aber auch nicht die, die über das Leben Anderer urteilen, nur weil ihr es gerade nicht nachvollziehen könnt, warum sich die Person so oder so verhält. Ich meine damit nicht, dass man sich nicht Sorgen machen sollte, falls sich jemand auffällig verhält. Doch wie gesagt, manchmal ist die #BestTimeOfMyLife außerhalb, manchmal aber auch innerhalb der eigenen 4 Wände 😉

 

**Ani**

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