Willkommen in der Wertschätzungszone

Überall wird verlangt, dass man top motiviert seine Arbeit erledigt, dass Überstunden kein Problem sind und dass der Job erfüllend ist und somit auch Spaß macht. Oft ist dies aber so nicht der Fall – warum eigentlich? Es spielen natürlich viele Faktoren zusammen, aber einer, der so simpel ist aber noch mehr unterschätzt wird, ist die Wertschätzung, die man dort entgegengebracht bekommt – oder eben nicht. Doch was passiert mit uns, wenn wir genug Wertschätzung bekommen würden? Wie würde sich ein wenig mehr Wertschätzung im Alltag auf unsere Arbeit auswirken?

 

Die Folgen von entgegengebrachter Wertschätzung

Laut der Gallup Studie von 2016 arbeiten nur rund 15 % der MitarbeiterInnen mit hohem Engagement. Somit machen die restlichen 85 % “Dienst nach Vorschrift” – gehört ihr auch dazu? Wenn ja, dann liegt es mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass ihr kaum oder gar keine Wertschätzung in eurem Arbeitsalltag erfährt. Diese Demotivation kostet nicht nur den Unternehmen Unmengen an Geld, sondern zieht auch euch einen Kreislauf hinein, sozusagen einer Abwärtsspirale, von der ihr nur wiederum schwer rauskommt. Dabei ist gerade die Wertschätzung ein so simpler Faktor, der keine monetäre Grundlage hat, aber so viel bewirken kann. Die Wertschätzung ist ein Hebel, um MitarbeiterInnen zu motivieren, aber auch langfristig zu binden. Viele Führungskräfte sind aber so mit dem Tagesgeschäft beschäftigt, dass sie darauf oft vergessen bzw. dieses leider auf ihrer To Do Liste ganz weit hinten steht. Oft wird Wertschätzung auch mit Lob und Feedback verwechselt, welches dann nur zu “bestimmten Anlässen”, also bei gelungen Aufgaben und Projekte kommuniziert wird. Doch Wertschätzung sollte euch jeden Tag entgegengebracht werden, denn oft ist es nur das aufmerksame Zuhören, das Zeit für einander nehmen, welches dieses Gefühl auslöst. Wir sind tagtäglich auf den diversen Social Media Kanälen unterwegs und posten Bilder von unserem Wochenende, unserem Urlaub oder unserem Essen. Doch warum machen wir das? Weil wir Aufmerksamkeit wollen und danach aktiv suchen! Wir freuen uns noch mehr, wenn wir viele Likes bekommen und es gibt uns zu denken, wenn wir keine oder nur wenige bekommen. Wir beginnen sogar manchmal an uns zu zweifeln – so sehr helfen uns die sozialen Medien diesem Ur-Wunsch nachzukommen bzw. findet dieser eben so seinen Ausdruck. Hört uns unsere Führungskraft aufmerksam zu, schenkt sie uns ein Like – im Sinne eines Lächelns oder einer interessierten Nachfrage – so hebt dieser unser Selbstwert- und Zugehörigkeitsgefühl. Weiterführend baut man so eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung aus und erhöht damit die Loyalität zu dieser Person und weiters auch zum Unternehmen.

 

Die Folgen von fehlender Wertschätzung

Doch was passiert, wenn uns keine Wertschätzung entgegengebracht wird? Zum einen genau das Gegenteil von jenen Ausführungen von vorhin, denn es führt zu einer innerlichen und danach auch zu einer wirklichen Kündigung. Dies kann je nachdem länger oder kürzer dauern, doch geht eine Geringschätzung vom gesamten Team aus, dann wird dies recht rasch wirken. Studien haben nämlich herausgefunden, dass der Hauptfaktor, warum man gerne zur Arbeit geht, das Team ist, in dem man sich befindet. Spinnt man den Gedanken von vorhin jedoch weiter, so passiert zum anderen, dass man über kurz oder lang in ein Burn Out rutschen kann. Mit der Digitalisierung unserer Arbeitswelt und unserer Arbeitsabläufe hat sich auch nämlich ein entscheidender Faktor verändert: Das Glücksgefühl, welches nach getaner Arbeit eintritt, verschwindet nach und nach. Dies kommt daher, dass wir oft kein wirkliches Ergebnis sehen, da unsere Arbeit wiederum in einen anderen Prozess einfließt. Würden wir in der Produktion arbeiten, dann wäre dies wahrscheinlich noch anders. Ein gutes Beispiel ist Rasenmähen, da man hier sofort und recht zeitnah, das Ergenbis seiner Arbeit erkennen kann: Vor einem selbst liegt das hohe Gras, welches man durch die eigene Arbeitsleistung kurz geschoren hat. Dreht man sich um, sieht man sofort das Ergebnis. Dies klingt so simpel und unaufregend, doch ist dieser Mechanismus nicht zu unterschätzen! Wir stoßen hier nämlich Dopamin aus, was uns wiederum dieses Glücksgefühl beschert, haben wir eine Aufgabe erledigt und sehen auch das Werk, welches hier hervorgegangen ist. Sehen wir nun in Zukunft “dieses Werk” nicht mehr, kommt auch kein Glücksgefühl mehr auf, somit auch kein Dopamin-Ausstoß. Dies führt im schlimmsten Ausmaß zu Burn Out. Mit einem wertschätzenden Verhalten kann man hier entgegensteuern, da wir in Zukunft darauf schauen müssen, dass wir uns das Dopamin auf eine andere Art und Weise “konsumieren”.

 

Es wäre nun recht einfach, die Verantwortung für einen wertschätzenden Umgang miteinander nur auf die Führungskräfte zu schieben. Jede/r von uns kann und muss hier etwas beitragen – und es ist wirklich einfach! Bitte reflektiert selbst: Wann habt ihr das letzte Mal eurem Kollegen/eurer Kollegin wirklich aufmerksam zugehört, ohne schon an das nächste To Do zu denken? Wann habt ihr eurem Gegenüber ein herzliches Lächeln geschenkt? Es sind die kleinen Dinge, die viel bewegen können, vergesst das nicht 🙂

 

**Ani**

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