Der rote Turnschuh

Heute geht’s nicht um “What to wear at work”, sondern um eine ganz besondere “Spezies” von Menschen, die ich schon seit mehreren Jahren beobachte. Ich bezeichne sie gerne als “Verkäufer-Typen” – unauthentisch, aufgesetzt und gekünstelt. An ihrer Einstellung hat sich nicht viel geändert, jedoch an ihrem Äußeren – und nein, es ist nicht besser geworden, es unterstreicht nur noch mehr ihre aufgesetzte, fast schon unehrliche Art. Was ich damit meine, gibt’s hier nachzulesen …

 

Die Metamorphose hat begonnen

Ich schreibe ja recht viel über die stetige Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung, wie sich genau dies auf uns auswirkt, welche neuen Berufsgruppen daraus entstehen, wie sich dadurch die Führungsarbeit verändert uvm. Die Welt ist im Wandel und jegliche Veränderungen wirken sich auch direkt auf uns aus. Spannend zu beobachten ist aber auch, wie sich die Menschen mit der Zeit im beruflichen Kontext verändern. Dadurch, dass ich ja bereits über 10 Jahre im Berufsleben stehe und davon die meiste Zeit in einer Branche bzw. in einem speziellen Umfeld verbracht habe, nämlich im Personalbereich, lassen sich schon ein paar Schlüsse zu den Personen, die sich darin bewegen, ziehen. Eine ganz besondere “Spezies” ist mir erst letztens wiederum aufgefallen: Ich war, wie des Öfteren, bei einer Veranstaltung. Es waren vor allem PersonalistInnen vor Ort, also Menschen, die im Personalbereich arbeiten und zwar in ganz unterschiedlichen Funktionen. Ihr müsst euch vorstellen, dass bei derartigen Veranstaltungen nicht nur HR MitarbeiterInnen, also GeneralistInnen oder auch SpezialistInnen teilnehmen, sondern natürlich auch jene, die Dienstleistungen für alle im HR-Bereich tätigen Personen anbieten möchten. Und genau um diese speziellen Persönlichkeiten dreht sich mein heutiger Blogpost.

 

Charme-Bolzen oder einfach nur Kasperltheater?

Egal wie man sie bezeichnen möchte, sogenannte “VerkäuferInnen” oder “Consultants” oder auch einfach nur “BeraterInnen” – sie sind schon alle recht eigene Persönlichkeiten. Wahrscheinlich sagt man dies auch über uns “HR’ler”, jedoch kann ich darüber kein objektives Urteil fällen 🙂 Wie in jeder Berufsgruppe gibt es da solche und solche: sympathische und unsympathische, penetrante und angenehme sowie authentische und aufgesetzte Charaktere. Letztens aufgefallen sind mir wiederum jene, die all die negativen Eigenschaften in sich vereinen, die ich vorhin gerade aufgezählt habe. Schlimm wird’s, wenn genau diese dann noch als Speaker auf einer Bühne stehen und einfach nur sich und ihre Dienstleistung verkaufen wollen – wobei sie glauben, dass ihnen das mit Charme gelingt. Sie haben sich ja vor allem äußerlich verändert, denn in Zeiten der Start Up-Mentalität, wo alle hip, cool, in oder einfach nur lässig sein möchten, ziehen diese Persönlichkeiten natürlich mit. Was dabei herauskommt ist meist ein männlicher mid-40er, der sich mehr als business casual kleidet, einen jugendlichen mid-20er Charme versprühen möchte, mit jeglichen Buzzwords um sich schmeißt, die er nur irgendwo aufschnappen kann und die gespielte Lässigkeit auf der Bühne darin endet, dass er gleich einem Kasperltheater für Erwachsene von einer Seite zur anderen hoppst und mit lustigen und innovativen Tools “zum Anfassen” seinen Vortrag pushen möchte. In meinem Fall hatte er dazu noch rote Turnschuhe an, die natürlich so oft es ging, in seine Rede eingebaut wurden – der Coolness-Faktor sollte ja steigen, und dies möglichst von Anfang an. Sein auserwähltes “innovatives Tool” war ein recht großer Hammer, der jenem von Thor ähneln sollte, wobei dieser sich zum Schluss als versteckter Werkzeugkoffer zeigte. Tadaaa – die Pointe war natürlich gelungen – Not!

 

Das Hipstertum als Verkaufsfassade

Nicht nur, dass mich diese Art von Menschen, die durch dem völlig unauthentischen zur-Schau-stellen ihrer selbst und die glauben, ihr Coolness-Faktor steigert sich mit ihrer Kleidung und dem zum-Affen-machen, persönlich nerven. Nein, es wundert mich einfach, dass sie überhaupt noch ihre Dienstleistungen an andere verkaufen können – aber ja, jedem/jeder das seine. Es war einfach nur spannend zu beobachten, wie sich diese “Typen” mit der Zeit verändert haben. Waren sie früher noch völlig seriös unterwegs: Business Chic war Pflicht, fast schon wie bei einer Beerdigung, jegliche Art von Lässigkeit war verpönt, da äußerst unseriös und nur aufrechtes Stehen, kurze Schritte und ein kleines Lächeln waren erlaubt – so möchten sie jetzt fast schon ins genaue Gegenteil umschwenken. Warum? Tja, weil die Zeit es so möchte und man muss ja weiterhin etwas verkaufen. Alle eifern ihren Start Up “KollegInnen” nach und denken, dass die wirksame Verkaufsstrategie heutzutage “Hipstertum” bedeutet. Dass dies aber ein Trugschluss ist, da es ja zum Glück doch noch Menschen gibt, die dieses Gehabe als aufgesetzte Verkaufsfassade durchschauen, bemerken sie anscheinend nicht. Ich bin gespannt, wie sich diese “rote-Turnschuh-Träger” in den kommenden Jahren entwickeln werden. Vielleicht heißt es ja auch bald wieder “back 2 the roots” und wir sehen sie wiederum als seriöse Lemminge in ihren schwarzen Anzügen herumlaufen. Who knows…..

 

**Ani**

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