Wie viel bist du dir selbst wert?

“Wann bist du selbst etwas wert?” Nach einem Vortrag, an dem ich diese Woche teilnehmen durfte, kam ich wirklich sehr ins Grübeln. Es ging um das Thema Selbstwert und wann man sich selbst wert genug fühlt. Oft machen wir genau dies aber von äußeren Umständen bzw. von anderen Personen abhängig und vergessen vollkommen auf uns selbst. Vor allem: Heißt es dann im Umkehrschluss, dass wir bei schlechter Leistung auf einmal nichts mehr wert sind? …

 

“Wann bist du selbst etwas wert?”

“Starke Unternehmen brauchen starke MitarbeiterInnen!” So begann Gereon Jörn, der Potenzialwecker, letzte Woche seine Key Note im Rahmen des HR Inside Summit. Ich dachte mir nur “ok…”, denn meistens waren derartige Worte der Auftakt für eine elendslange, “na-no-na-neh” Rede, die auf das unsagbare Potential der MitarbeiterInnen abzielt. Alles schon gehört, alles schon gelesen. Doch ich wurde eines Besseren belehrt – eines viel besseren – und seine Rede war so voller Elan und ungeschönter Realität, dass auch das Publikum die ganzen 35 Minuten mit einem “Ja-das-kenn-ich-nur-zu-gut”-Lächeln dasaß. Ich muss ja zugeben, dass ich nur mehr ungern zu Veranstaltungen mit Human Resources-, also Personalbezug gehe, da mit der Zeit immer dieselben Inhalte wiedergegeben werden, nur wiederum anders, also schöner, verpackt. Oft klingt das Vortragsthema super interessant, doch im Laufe des Vortrags oder des Workshops wird man doch nur einmal mehr enttäuscht, da die großen Erwartungen dann doch nicht erfüllt wurden – oft nicht mal ansatzweise. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Beim Vortrag des selbsternannten Potenzialweckers wurde ich wie gesagt eines Besseren belehrt, auch weil er es geschafft hatte, mich zum Nachdenken und hinterfragen zu bringen. Es drehte sich kurzum alles um das Thema “Selbstwert” und der Frage: “Wann findest du, bist du selbst etwas wert? Was muss passieren, damit du dich selbst wert genug fühlst?” Spannende Fragen, die ich mir so noch nie selbst gestellt hatte. Gereon drehte eine Fragerunde durchs Publikum und es kamen nicht überraschend ähnliche Antworten: “Wenn mich jemand liebt”, “Wenn ich gebraucht werde”, “Wenn ich einen Job habe” oder auch “Wenn ich Lob bekomme”. Im Anschluss daran fragte er das Publikum: “Was haben nun all eure Aussagen gemeinsam? Richtig! Sie sind alle “von außen” abhängig bzw. kommen nicht von euch selbst.”

 

Selbstwert oder Fremdwert

Stimmt! Eigentlich ist das ja ein Paradoxon, denn schon das “Selbst”wert impliziert ja, dass der Wert aus uns selbst kommen sollte, den wir uns entgegenbringen. Warum sind wir dann nur so von anderen abhängig? Bekommen wir Lob, dann fühlen wir uns gut. Erhalten wir jedoch Kritik, dann bricht für uns eine (kleine) Welt zusammen. Aber warum? Tja, irgendwie liegt es ja in unserer Natur, doch nach dem Vortrag dachte ich mir auch, dass es sich lohnt an “diesem Umstand” zu arbeiten. Ich denke, wenn wir es uns selbst immer wieder bewusst machen, dann kann man diesen verändern, zumindest ein wenig. Gereon selbst trennt beispielsweise Leistung von der Person selbst. Er meinte, dass der Applaus, den er am Schluss des Vortrags bekommt, nähme er nicht persönlich, denn er gilt seiner Leistung und nicht ihm persönlich – man kenne ihn doch nicht: Wir wussten ja nicht, ob er verheiratet ist, welche Hobbies er hat und wie er Weihnachten feiert. Sollte er im Umkehrschluss den Applaus persönlich nehmen, dann wäre er nicht anders als ein Drogenjunkie auf der Suche nach dem nächsten Kick. Bekäme er mal keinen oder weniger, dann würde auch bei ihm eine Welt zusammenbrechen, da er nicht bekommen würde, was ihm pusht und eine Art Daseinsberechtigung gäbe. Gereon meinte weiters, dass Kinder bis 12 Jahren diesen Filter noch nicht haben und so automatisch jegliche Kritik persönlich nehmen. Das beste Beispiel sind die Noten in der Schule: Jedes Kind nimmt eine schlechte Note persönlich. Es würde an ihrer Person liegen und nicht vielleicht an einer schlechten Leistung an einem bestimmten Tag – sie wären kurz gesagt dumm.

 

Ich habe mir unheimlich viel von seinem Vortrag mitnehmen können, denn Selbstwert ist so wichtig und oft fehlt nur ein Perspektivenwechsel oder eine Art Sensibilisierung in diese Richtung, um ein Umdenken erreichen zu können. Er verabschiedete sich mit einem sehr anschaulichen Beispiel für Selbstwert in der Praxis: Er hielt einen EUR 50,- Schein in die Höhe und fragte zum einen nach dem Wert des Scheins und zum anderen wer diesen gerne haben möchte. Dann knüllte er diesen zusammen, trat auf ihn herum, behandelte ihn wie Dreck und stellt zum Schluss wiederum diese beide Fragen und die Antworten darauf waren immer dieselben: Wert = EUR 50,- und natürlich wollte ihn immer noch jede/r im Raum haben. Dann meinte er nur: Warum begreifen wir bloß beim Geld, dass sich der Wert des Scheins nicht ändert, auch wenn man diesen wie Dreck behandelt, oder auf ihn herumtrampelt? Warum können wir nicht genau diese Ansicht auf uns selbst übertragen – wir sollten doch genauso viel wert bleiben?! #ThinkAboutIt

 

**Ani**

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