… und was ist dein Fuck Up?

In unserer immer agilen und flexibler werdenden Arbeitswelt gibt es einen Umstand, der auch künftig immer häufiger auftreten wird: Fehler! Deshalb wird es an der Zeit, eine neue Fehlerkultur in Unternehmen zu etablieren, um das Scheitern endlich zu enttabuisieren. Wie dieser Kulturwandel gelingen und mit welchen kleinen Maßnahmen jede/r von uns einen Beitrag leisten kann, lest ihr hier …

 

Scheitern hat nichts mit Dummheit zu tun!

“Wir müssen agiler werden!” Vielleicht hat der/die eine oder andere von euch diesen Satz schon mal bei sich im Unternehmen gehört. Alles muss flexibler, agiler oder sonst was werden, ansonsten kann man am Markt ja nicht bestehen. Dieses Konzept hat ja auch irgendwo seine Berechtigung, da sich Marktgegebenheiten recht rasch ändern und Unternehmen darauf reagieren müssen. Weiters lauert die Konkurrenz auch nicht mehr im eigenen Land, sondern aufgrund der Globalisierung auch über Landesgrenzen hinweg. Da muss dann wirklich recht rasch reagiert werden. Doch was passiert, wenn man sich schnell und oft ändern auf neue Gegebenheiten einstellen muss bzw. dabei auch noch innovativ agieren sollte: Fehler! Und dieser Punkt wird auch künftig immer wichtiger werden, da die Geschwindigkeit, mit der wir gerade Fahrt aufgenommen haben, bleiben wird bzw. wahrscheinlich nicht ins Gegenteil entwickeln wird. Da “Fehler-machen” nun mal passiert und auch zu einem gewissen Wachstums- und Lernprozess dazugehört, also etwas Natürliches ist, müssen wir an uns bzw. an unserer Einstellung arbeiten. Blicken wir über den großen Teich, rüber nach Amerika, so geht man dort ganz anders mit Fehler um. Möchte man beispielsweise ein Business gründen, also als Start Up durchstarten, so gehört es dazu, dass man mind. 2x gescheitert ist. Passieren Fehler oder scheitert man gar, so hat dies ja nichts mit “Dummheit” oder “Blödheit” zu tun, so wie man es bei uns oft gleichsetzen möchte. Speziell beim Aufbau eines Business’ braucht man gewisse Erfahrungswerte. Es gibt keine Universal-Anleitung wie es geht, wie man das perfekte Business aufbaut ohne zu Scheitern. Alles schön und gut, doch wie erreicht man nun als Unternehmen einen derartigen Kulturwandel. Das (negative) Bild vom Scheitern hat sich ja bereits recht fest in unserer Gesellschaft verankert. Wie lässt sich dieses aufweichen bzw. revidieren?

 

Kein Fokus auf Defizite!

Schon in unserer Schulzeit werden wir darauf getrimmt die perfekten Noten zu schreiben, denn wenn man nicht ganz oben mit dabei ist, gilt man oft als dumm oder unfähig. Diese Noten erreicht man nur dann, wenn man sich keine oder kaum Fehler leistet. So wird uns schon in jungen Jahren gelernt, dass Fehler etwas Böses sind. Der Rotstift wird nur angesetzt, wenn etwas nicht richtig ist. So wird der Fokus seit je her auf Defizite gerichtet, aber nicht auf alle anderen Dinge, die man ja wusste bzw. richtig geschrieben hatte. Diese Systematik wird uns in der Schulzeit eingetrichtert und begleitet uns unser Leben lang, denn im Arbeitsleben sind Fehler natürlich auch nicht erlaubt. Klar lassen sich Fehler nicht pauschalisieren: Es gibt natürlich Arbeitsbereiche, wie beispielsweise in der Produktion, wo Fehler eine riesige Auswirkung haben können, wo man sie tunlichst versucht zu vermeiden – ganz klar. Dieser Beitrag soll auch kein Aufruf sein Fehler zu machen und zu sagen “So What?!”. Es geht darum, wie man mit diesen umgeht, welche Art von Fehlerkultur im Unternehmen gelebt wird. In anderen Bereichen, die sich stark mit Projekten und Innovation auseinandersetzen, dort gehören Fehler fast schon zum Alltag. Es sind Bereiche, wo ausprobiert wird, wo es dazugehört aus den Fehlern zu lernen, denn nur dann kann etwas Neues entstehen.

 

“Fuck-Up Night” oder doch “Bock der Woche”?

Wie kann man nun als Unternehmen diese neue Art der Fehlerkultur zu etablieren? Seit ein paar Jahren gibt es nun auch in Wien die sogenannten “Fuck-Up Nights” – ein neues Format, welches ursprünglich aus Mexiko kommt, in welchem man nicht über etwas berichtet, was gut gelaufen ist, sondern eben über die Misserfolge. Sich auf eine Bühne vor fremde Menschen zu stellen und über das persönliche Scheitern zu berichten ist alles andere als leicht, doch genau mit einer solchen Maßnahme kann es gelingen ein Umdenken zu erreichen. Es geht genau darum, Fehler nicht auf andere zu schieben oder gar unter den Teppich zu kehren, sondern dazu zu stehen und natürlich auch die persönlichen “Lessons Learned” zu erkennen und mit dem Publikum zu teilen. Die Fuck-Up Nights finden nun weltweit statt bzw. werden teilweise auch in kleinerem Rahmen, also unternehmensintern, abgehalten. Wir haben zum Beispiel in unserem Team beschlossen, auch in unserem kleinen Rahmen über Fehler zu sprechen und versuchen sie zu enttabuisieren, indem wir in jedem Jour Fixe über den “Bock der Woche” sprechen. Irgendjemand passiert im Laufe der Woche ein (kleiner oder großer) Fehler, der dann spätestens dort besprochen wird. Jedoch wird dabei nicht eine Person an den Pranger gestellt, die von den anderen schief angeschaut und vom Vorgesetzten gerügt wird. Im Gegenteil, es wird ganz offen darüber gesprochen und am Ende noch die “Lessons Learned” eingefordert, sodass genau dieser Fehler dann künftig nicht mehr passiert.

 

Ihr seht, es können auch kleine Maßnahmen große Wirkung erzielen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt! Wie geht ihr aktuell mit Fehler um? Welche weiteren Maßnahmen fallen euch ein, wie man ein Umdenken erzielen kann? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 

**Ani**

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